SPORT1-Reporter Thorsten Langenbahn hat das Aufstiegs-Chaos in der Düsseldorfer Arena hautnah hinter den Kulissen miterlebt.

Was für ein unfassbares Chaos beim Skandalspiel in Düsseldorf: Und ich, der SPORT1-Reporter, war hinter den Kulissen mittendrin. Eine Chronologie der Ereignisse.

22:18 Uhr: Von der Pressetribüne der Esprit-Arena eile ich kurz vor Spielschluss in die sogenannte Mixed Zone für Journalisten, um Spielerstimmen zu sammeln, verfolge dort mit Kollegen die Nachspielzeit auf einem Monitor.

22:26 Uhr: In der sechsten Minute der Nachspielzeit stürmen die Fans den Platz, die Spieler spurten die Treppe vom Rasen hinunter in die Katakomben.

Direkt vor uns Reportern huscht an den Absperrbändern Schiedsrichter Wolfgang Stark mit seinen Assistenten vorbei, verfolgt vom schreienden Andre Mijatovic und weiteren Hertha-Spielern. Doch der Unparteiische ist schneller, entwischt dem Hertha-Kapitän die Treppen hoch zur Schiedsrichter-Kabine. Nur die Beleidigungen hallen ihm nach.

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22:27 Uhr: Ein DFL-Abgesandter ruft Herthas Patrick Ebert zu: "Sie müssen zur Dopingprobe." Der Mittelfeldspieler schreit zurück: "Es ist noch gar nicht vorbei." Verwirrung, Hektik, Chaos.

22:28 Uhr: Vom Platz sind Tumulte zu hören, auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie Sascha Rösler die Fans vom Feld schickt.

22:31 Uhr: Im Stadion detoniert ein Kanonenschlag, niemand weiß, wie es weitergeht. Wird noch einmal angepfiffen? Die Herthaner sind in der Kabine verschwunden. Die Fortuna-Spieler warten wie unter Strom im Kabinengang, zwei Meter von uns entfernt, fluchen vor sich hin. Johannes van den Bergh schaut zu uns rüber, kickt den Holzkeil unter der Glastür weg, haut die Tür zu.

22:32 Uhr: Ein DFL-Offizieller fragt hektisch einen TV-Kollegen: "Der Schiedsrichter braucht in seiner Kabine einen Monitor mit dem Live-Bild aus dem Innenraum. Wer kann das machen?" Es wird telefoniert, aber nichts zu machen.

22:33 Uhr: Wie die Tiger im Käfig stehen die Fortunen hinter der Scheibe. 2:1-Schütze Ranisav Jovanovic haut mit der Stirn vor die Glastür, und nochmal. Die Anspannung muss raus.

22:36 Uhr: Schiri Stark kommt wieder raus mit seinem Gespann, geht auf den Platz.

22:37 Uhr: Ein weiterer DFL-Offizieller kommt, öffnet die Glastür, sagt zum Fortuna-Trainer: "Herr Meier, wir spielen in zwei Minuten weiter. Sagen Sie Ihren Spielern Bescheid."

22:40 Uhr: Der vierte Offizielle Markus Wingenbach geht in die Hertha-Kabine, Schiri Berg folgt ihm, drei Minuten später kommt er wieder heraus, kurz danach die Spieler, als Letzter Otto Rehhagel.

22:46 Uhr: Die Partie wird mit Abstoß vom Hertha-Tor fortgesetzt, zwei Minuten später ist endgültig Schluss, jubelnd rennen die Fortuna-Spieler in die Kabine, schreien ihre Freude heraus. Tobias Levels ballt beide Fäuste.

22:47 Uhr: Mijatovic ist schon wieder hinter dem Schiri her, beschimpft ihn als "feige". Die Stimmung ist bedrohlich. Sauer gehen die Hertha-Spieler in die Kabine.

22:49 Uhr: Fortuna-Präsident Peter Frymuth stellt sich als Erster zum Interview, sagt: "Ich wusste beim Abpfiff gar nicht, ob ich mich freuen sollte, die Bilder waren schockierend."

22:51 Uhr: Jovanovic kommt, der Tür-Kopfstoß hat keine Spuren hinterlassen, er verneigt sich vor dem Präsidenten, gratuliert in Anlehnung an Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller: "We have grandios Saison gespielt." Und schreit: "WIR SIND WIEDER DA!"

23:07 Uhr: In Aufstiegsshirts und mit Bierflaschen tanzt die Fortunen-Polonaise an uns vorbei zur Feier auf die Tribüne. Van den Bergh im Vorbeigehen: "Nur ein Satz: Wir sind die geilste Mannschaft!"

23:17 Uhr: Hertha-Sprecher Peter Bohmbach kommt aus der Kabine, sagt zur Presse: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch jemand spricht."

22:39 Uhr: Maximilian Beister gibt noch in der Tiefgarage Interviews, sein einst weißes T-Shirt mit der Aufschrift "VIELEN DANK FÜR DIE SCHÖNE ZEIT" von Altbier durchtränkt. "Unglaublich, was hier abgeht, ein Traum", sagt der HSV-Leihspieler, der zurück nach Hamburg muss.

23:41 Uhr: Sascha Rösler sagt zu mir über seine Räumungs-Aktion: "Ich habe so viele Fans beschimpft, weil es mich so genervt hat. Ich war selber so aufgeregt." Er lacht.

23:48 Uhr: Es meldet sich doch noch ein Hertha-Spieler zu Wort. Mit verheulten Augen spricht Peter Niemeyer von einem "sehr, sehr bitteren Abend für uns, den Verein und die Fans".

23:54 Uhr: Rehhagel gibt sein letztes Fernseh-Interview als Hertha-Coach.

23:59 Uhr: Beister, van den Bergh, Thomas Bröker und Adam Matuschyk drehen im Stadion ihre eigene Ehrenrunde. Maxi Beister rutscht unter dem Jubel der VIP-Tribüne im strömenden Regen mit dem nackten Hintern über den Rasen. So wird in Düsseldorf gefeiert! Dann geht in der Arena das Licht aus.

0:10 Uhr: Der Hertha-Bus fährt ab, für die Fortuna-Spieler wird es noch eine lange Feiernacht.

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