Otto Rehhagel (r.) gewann nur drei seiner 13 Spiele mit Hertha © getty

Der scheidende Hertha-Trainer fordert einen Neuanfang. Sein Manager bekommt Rückendeckung und hofft, den Abstieg noch zu vermeiden.

Aus Düsseldorf berichtet Thorsten Langenbahn

Düsseldorf - Es war ein stiller Abgang.

Minutenlang wartete Otto Rehhagel in seinem blauen Hertha-Trainingsanzug mit verschränkten Armen, den Blick starr in Richtung seines gut 30 Meter entfernten Managers, der künftig nicht mehr sein Manager sein wird.

Erst als dieser seine letzten Sätze in die Mikrofone der Journalisten gesprochen hatte, setzte sich der Hertha-Bus kurz nach Mitternacht in Bewegung.

Kurz zuvor hatte Rehhagel bei "Sky" einen sportlichen Neustart für den Traditionsklub aus der Hauptstadt gefordert. Die Uhr zeigte 23.55 Uhr - fünf vor zwölf.

Eigentlich ist es bei der Hertha schon lange fünf nach zwölf.

Und Rehhagels Uhr ohnehin inzwischen abgelaufen. Der geforderte Neuanfang wird ohne den 73-Jährigen stattfinden.

Zum Champions-League-Gucken nach Schalke

Ob es seine letzte Station als Trainer gewesen sei, wurde er bei der Pressekonferenz nach dem 2:2 im Relegationsspiel bei Fortuna Düsseldorf (Bericht) gefragt.

"Das wird die Zukunft zeigen", sagte er knapp. Doch die vergangenen drei Monate haben gezeigt, dass der einstige Erfolgstrainer nicht mehr in das moderne Fußballgeschehen passt.

Jeder ahnt: Der Essener wird sich endgültig in den schon lange verdienten Ruhestand verabschieden.

Mit seiner Frau Beate wird er von seinem Wohnort aus wieder ins nahe Gelsenkirchen fahren, um die Champions League zu schauen, oder im nur 30 Kilometer entfernten Düsseldorf den Bundesliga-Abstiegskampf verfolgen.

Als Zuschauer wohlgemerkt.

Rehhagel hadert mit Platzverweis

"Wir alle gemeinsam haben versucht, die Bundesliga zu erhalten, es haben ein paar Zentimeter gefehlt", sagte Rehhagel auf seiner letzten Pressekonferenz (DATENCENTER: Die Relegation).

Und rügte zum wiederholten Mal die Undiszipliniertheiten seiner Spieler: "Wenn wir heute nicht den Platzverweis gehabt hätten, glaube ich, hätten wir mehr erreichen können."

In der 54. Minute war Änis Ben-Hatira nach wiederholtem Foulspiel vom Platz gestellt worden.

Trotz des Abstiegs, trotz aller Querelen und Kritik an seiner Person in den vergangenen Wochen und Monaten: Der gescheiterte Retter, er ging erhobenen Hauptes.

Preetz' Kopf unten

Im Gegensatz zu Michael Preetz. Der hatte Mühe, seinen Kopf hoch zu halten, blickten in den Interviews eher zu Boden als in die Augen seiner Gesprächspartner.

Nach dem 1:2 im Hinspiel glimmt in Berlin ein kleiner Hoffnungsschimmer dennoch weiter.

Geht es nach der Hertha, wird es noch eine Zusatzchance auf den Klassenerhalt geben.

Hertha erwägt Protest

Die Berliner legten am Mittwochnachmittag Protest gegen die Wertung des Spiels ein, nachdem die Fortuna-Fans während der Nachspielzeit den Platz gestürmt hatten und Schiedsrichter Wolfgang Stark erst nach einer 20-minütigen Unterbrechung die Partie zu Ende bringen konnte 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels) .

"Es ging nur noch um die Sicherheit unserer Spieler, ein regulärer Spielablauf war nicht mehr möglich. Die Spieler hatten Angst. Es ging nicht mehr um das Sportliche. Deshalb haben wir unseren Anwalt Christoph Schickhardt beauftragt, formell und fristgerecht Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen", sagte Manager Michael Preetz im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin.

"Die Begleitumstände waren eine Katastrophe. So etwas habe ich noch nie erlebt und hätte ich nie für möglich gehalten", sagte Rehhagel.

Zum Protest äußerte er sich nicht. "Ich sage nur etwas zu sportlichen Dingen und jetzt wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend", beendete "König Otto" sein letztes Interview als Hertha-Trainer.

Preetz am Tiefpunkt

"Ich glaube, dass die Sicherheit der Spieler nicht mehr gewährleistet war", sagte Preetz über das Skandalspiel in seiner Geburstsstadt Düsseldorf.

Der 44-Jährige erlebte ausgerechnet bei der Rückkehr in die einstige Heimat den Tiefpunkt seiner Zeit als Hertha-Manager.

Seit 2009 leitet er die Berliner Geschicke ohne Fortune. Dennoch will er auch nach dem zweiten Abstieg innerhalb von zwei Jahren keine Konsequenzen ziehen.

"Sicher wird es mit der Hertha weitergehen", sagte er unmittelbar nach dem sechsten Absturz in die Zweitklassigkeit.

Auf die Nachfrage, ob das auch mit ihm geschehe, sagte Preetz ohne zu zögern: "Ja. Ich bin gewillt, meine Arbeit fortzusetzen."

Gegenbauer hält an Preetz fest

Das will offenbar auch Präsident Werner Gegenbauer. "Für mich ist es unstrittig, dass er in seiner Position bleibt", bekräftigte er nach dem Spiel.

Immerhin zeigte sich Preetz als fairer Verlierer. "Wir gratulieren der Fortuna, dass sie es sportlich geschafft haben", sagte er.

Und gestand zumindest eine Teilschuld am sportlichen Niedergang der Hertha ein: "Jeder, der in der Verantwortung steht, hat auch einen Anteil."

Kurz-Comeback nicht ausgeschlossen

Bei diesen Worten war Rehhagel schon im Bus verschwunden.

Ob er tatsächlich direkt in den Urlaub geht, wie fünf Tage zuvor vorschnell angekündigt, wird in Berlin kaum noch jemanden interessieren.

Es sei denn, es gibt doch noch ein Wiederholungsspiel.

Dann müsste Rehhagel nochmal ein Kurz-Comeback als Trainer geben und seinen Urlaub um ein paar Tage verschieben.

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