Fortuna Düsseldorf kehrt nach 15 Jahren wieder in die Bundesliga zurück © getty

Düsseldorf erkämpft sich in einer dramatischen Partie ein Remis gegen die Hertha. Das Spiel steht mehrfach am Rande des Abbruchs.

Düsseldorf - Fortuna Düsseldorf hat die lang ersehnte Rückkehr in die Bundesliga in einem Skandalspiel perfekt gemacht und Hertha BSC endgültig ins Tal der Tränen gestürzt.

Der Zweitliga-Dritte schaffte durch ein 2:2 (1:1) in einem chaotischen Relegations-Rückspiel, das in der Schlussphase für über 20 Minuten unterbrochen worden war, nach 15 Jahren wieder den Aufstieg ins Oberhaus. 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Dagegen findet die kurze Regentschaft von Trainerlegende "König Otto" Rehhagel bei Hertha BSC mit dem sechsten Abstieg der "alten Dame" ein unrühmliches Ende. (DATENCENTER: Die Relegation)

Das Hinspiel hatte die Hertha mit 1:2 verloren.

Fans stürmen das Feld

Dabei hing der Düsseldorfer Aufstieg in der Nachspielzeit am seidenen Faden. Als noch eine Minute in der Nachspielzeit zu spielen war, stürmten Fortuna-Anhänger bereits auf das Feld und rissen erste Rasenstücke heraus.

Schiedsrichter Wolfgang Stark schickte beide Mannschaften vom Feld, Ordner und Polizei drängten die Fans zurück.

Die Trainer und Spieler beider Teams verfolgten das Geschehen fassungslos aus den Katakomben.

Zuvor hatten die Düsseldorfer Akteure versucht, den eigenen Anhang zu beruhigen.

Hertha erwägt Protest

Allerdings könnte die Chaos-Partie ein Nachspiel haben. Die Hertha erwägt offenbar einen Protest gegen die Wertung des Spiels und hofft auf eine Wiederholung der Partie.

Noch während der Spielunterbrechung sollen sich die Verantwortlichen des Hauptstadtklubs bereits mit Anwälten beraten haben.

"Wir entscheiden morgen - und werden unsere Rechte abwägen. Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Das war ein irreguläres Spiel", sagte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt bei "Sky".

"Die Begleitumstände waren eine Katastrophe. So etwas habe ich noch nie erlebt und hätte ich nie für möglich gehalten", sagte Rehhagel.

Preetz darf bleiben

"Wir müssen das erst einmal sacken lassen und in Ruhe bewerten. So darf ein Fußballspiel nicht ausgehen. Die Sicherheit der Spieler war nicht mehr gewährleistet", erklärte Hertha-Manager Michael Preetz.

Preetz selber wird aller Voraussicht nach auch künftig Manager der Berliner bleiben. "Für mich ist es unstrittig, dass er in seiner Position bleibt", sagte Klubpräsident Werner Gegenbauer.

"Ich bin gewillt, weiterzumachen", erklärte Preetz, der seit Sommer 2009 im Amt ist.

Lob für Stark

Hellmut Krug lobte derweil den Schiedsrichter.

"Man muss Wolfgang Stark ein großes Lob aussprechen. Er hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Am Ende ist alles noch einmal gut ausgegangen. Auch wenn alles was passiert ist, höchst bedenklich ist", sagte der Schiedsrichter-Boss der DFL.

"Ich hatte es mir ein wenig anders vorgestellt und bin sehr reserviert. Das ist nicht schön", sagte ein immer noch geschockter Fortuna-Abwehrspieler Jens Langeneke.

"Nach dem Abpfiff war es ein bitterer Moment", sagte Düsseldorfs Sportvorstand Thomas Allofs: "Aber so ist es, die Fans sind einfach nicht zu bändigen."

Sportvorstand Wolf Werner regte sich derweil über das Verhalten der Berliner Spieler auf: "Unschön war, dass Hertha-Spieler versucht haben, den Spielabbruch zu provozieren."

Der Berliner Christian Lell erklärte: "Wir waren in der gesamten Rückrunde nicht erstligareif. Wir sind alle maßlos enttäuscht."

Blitztor von Beister

Für Düsseldorf, das zuletzt in der Saison 1996/97 erstklassig und zwischenzeitlich bis in die vierte Liga abgerutscht war, erzielten Maximilian Beister nach nur 25 Sekunden und Joker Ranisav Jovanovic (59.) die Tore.

Änis Ben-Hatira (22.) und Raffael (85.) war jeweils der Ausgleich gelungen. Torschütze Ben-Hatira musste in der 54. Minute mit Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels vom Platz und schwächte sein Team damit entscheidend.

Nach dem Treffer zum 2:1 stand die Partie kurz vor dem Abbruch, weil in beiden Fanblöcken Leuchtraketen und Bengalische Feuer gezündet worden waren.

Perfekter Start für Düsseldorf

Fortuna erwischte vor 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Esprit-Arena den perfekten Start.

Beister jagte den Ball in seinem letzten Spiel für die Düsseldorfer vor der Rückkehr zu seinem Stammverein Hamburger SV mit dem ersten Torschuss des Abends aus rund 25 Meter unhaltbar für Hertha-Schlussmann Thomas Kraft ins lange Eck.

Ken Ilsö hatte den Shootingstar der Düsseldorfer perfekt in Szene gesetzt.

Ben-Hatira köpft Ronny-Freistoß ein

Die Berliner übernahmen anschließend gezwungenermaßen die Initiative und hatten durch Nikita Rukavytsya die erste Gelegenheit.

Allerdings landete der Schuss des Australiers nach Vorarbeit von Raffael nur am Außennetz (7.).

Nach rund einer Viertelstunde entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Berlins Peter Niemeyer verstolperte nach einem Eckball im Fünfmeterraum das mögliche 1:1 (13.).

Der Ausgleich fiel ebenfalls nach einer Standardsituation.

Eine weite Freistoßflanke von Ronny köpfte Ben-Hatira, der die Hertha mit seinen beiden Treffern am letzten Spieltag gegen Hoffenheim überhaupt erst in die Relegation geschossen hatte, freistehend zum 1:1 ein.

Hertha zu Beginn der zweiten Hälfte besser

Auf der Gegenseite setzte Ilsö einen Freistoß aus rund 18 Metern nur knapp neben den Kasten von Kraft (25.).

Auch Thomas Bröker (32.) zielte bei einem Konter vorbei, Beister scheiterte zudem an Kraft (38.). Auf der anderen Seite hielt Michael Ratajczak glänzend gegen Ronny (43.).

Hertha hatte auch zu Beginn der zweiten Hälfte Feldvorteile, doch der Platzverweis von Ben-Hatira stoppte den Schwung der Gäste.

Stark zeigte dem Hertha-Stürmer nach einem rüden Foul an Adam Bodzek an der Mittellinie völlig zurecht die Gelb-Rote Karte.

Joker Jovanovic sticht

Düsseldorf nutzte seinen Vorteil eiskalt aus. Nach Flanke von Bröker köpfte der nach der Pause eingewechselte Jovanovic mit dem nötigen Quäntchen Glück zum 2:1 ein.

Anschließend flogen aus dem Hertha-Block zahlreiche Leuchtraketen aufs Spielfeld. Auch in der Fortuna-Kurve wurden Bengalische Feuer gezündet.

Stark unterbrach die Partie unter den Augen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach für einige Minuten. Als die Düsseldorfer Fans schon feierten, machte es Raffael mit seinem Ausgleich noch einmal spannend.

Dann brach in der Nachspielzeit das Chaos aus.

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