Otto Rehhagel kehrte im Februar für Hertha auf die Bundesliga-Bühne zurück © getty

Die Hertha hofft im Relegations-Rückspiel bei Fortuna auf ein letztes Rehhagel-Wunder. Düsseldorf putzt sich für den Aufstieg raus.

Von Christian Paschwitz

Berlin - Die Vorbereitungen rechts des Rheins laufen auf Hochtouren:

In Düsseldorf putzen sie das Rathaus fein heraus für den Empfang der Aufstiegshelden samt Eintrag ins Goldene Buch der Stadt am Mittwoch.

Die offizielle Aufstiegsfete soll dann am Freitag folgen.

Nach dem 2:1 (0:1) im Relegationshinspiel bei Hertha BSC (Bericht) lassen die Fortuna-Fans wenig Zweifel daran, dass ihr Team die fünfte Rückkehr in die Bundesliga nach 1966, 1971, 1989 und 1995 noch verspielt. (DIASHOW: Bilder des Spiels)

In Berlin hingegen klammern sich Anhänger wie sportlich Verantwortliche vor dem Rückspiel Düsseldorf (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und Zusammenfassung ab 23.45 Uhr im TV auf SPORT1) an den letzten Strohhalm - und der heißt Trainer Otto Rehhagel.

Rehhagel: "Jetzt haben wir Halbzeit"

"Jetzt haben wir Halbzeit", sagt der Altmeister vor dem Spiel bei dem Verein, mit dem er als Trainer mit dem Pokalsieg 1980 seinen ersten Titel gewann:

"Im Moment steht es 2:1 für Düsseldorf. Aber wir haben noch eine zweite Hälfte, um das Spiel günstig für uns gestalten zu können."

Der blasse erste Auftritt spricht zwar nicht unbedingt für die Hertha, dem Absturz in Liga zwei doch noch von der Schippe zu springen.

Doch die Person Rehhagel verbietet es mehr alles andere, vorzeitig die Waffen zu strecken.

Immer wieder Rehhagel-Wunder

Zur Erinnerung: Als Coach von Werder Bremen schaffte "König Otto" vor allem im Europa-Pokal immer wieder Fußball-Wunder wie zum Beispiel gegen Spartak Moskau (1987: 6:2 nach Verlängerung nach 1:4 im Hinspiel), BFC Dynamo (1988: 5:0 nach 0:3), wurde zudem mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger direkt deutscher Meister (1998) und mit Griechenland 2004 sensationell Europameister.

[kaltura id="0_6ytxaoa4" class="full_size" title="Hertha greift in die Psycho Trickkiste"]

An der Hoffnung auf eine weitere Heldentat richtet sich die Hauptstadt auf. "Rettet für Berlin die Bundesliga", fordert die Boulevardzeitung "B.Z.".

Gelingt das nicht, dürfte es für einen weiteren Ex-Düsseldorfer im Hertha-Tross sehr ungemütlich werden. Geschäftsführer Michael Preetz wurde in seiner Heimatstadt vom Balljungen zum Profi, könnte als Manager aber zum zweiten Mal binnen zwei Jahren absteigen.

SPORT1 hat die Fakten zum Relegations-Krimi zusammengefasst:

Ausgangslage:

Die Situation ist klar: Fortuna hat das Hinspiel auswärts mit 2:1 gewonnen. Die Düsseldorfer könnten sich also sogar eine 0:1-Niederlage erlauben - und wären trotzdem zurück in der Bundesliga.

Die Hertha muss dagegen gewinnen und mindestens zwei Tore schießen, um den sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte doch noch zu verhindern.

Bilanz:

Eigentlich spräche die Historie klar für die Hertha: Neun Mal setzte sich seit Einführung der Relegationen der Bundesligist durch, nur vier Mal der Zweitligist. Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 schaffte es in zwei von drei Fällen der Bundesligist.

Aber: Noch nie konnte sich ein Team in der Relegation durchsetzen, dass das Hinspiel zuhause verloren hat.

Die Gesamtbilanz beider Vereine hat sich durch das Ergebnis vom vergangenen Donnerstag zugunsten der Fortuna geneigt. In 37 Spielen gewannen die Düsseldorfer bislang 17-mal, Hertha 16-mal. Zehn Mal kam es zum Unentschieden.

Spieler im Fokus:

Andreas Lambertz (Düsseldorf): Der Fortuna-Kapitän kann einen beeindruckenden Rekord aufstellen. "Lumpi", dern schon in der Oberliga für die Düsseldorfer kickte, wäre der erste Fußballer in Deutschland, der mit seinem Verein von der vierten bis in die Bundesliga aufsteigt.

"Wäre doch schön, mit so was Geschichte zu schreiben", sagte Lambertz. Um den Erfolg nicht zu gefährden, kündigte er drastische Maßnahmen für alle an, die sich des Erfolgs nach dem Hinspiel-Ergebnis schon zu sicher seien:

"Wenn einer denkt, wir wären aufgestiegen, dem springe ich seitlich ins Knie!"

Änis Ben-Hatira und Christian Lell (Hertha BSC): Rustikal ging es am Sonntag auch bei der Hertha zu. Änis Ben-Hatira und Christian Lell gingen sich fast an die Gurgel, Coach Rehhagel musste das Training unterbrechen.

Zwischen ihnen sei alles längst ausgeräumt, versicherte lell. das muss auch so sein, denn die Berliner müssen alle Kraft auf den Platz bringen. Lell fehlte im Hinspiel noch verletzt und dürfte wieder in die Startelf rücken.

Ben-Hatira erzielte zwei der letzten vier Berliner Tore und bereitete den Treffer im Hinspiel durch einen Standard vor.

Das sagen die Trainer:

Otto Rehhagel (Hertha BSC): "Es lässt sich keiner hängen. Wir haben immer noch die Möglichkeit, in der Liga zu bleiben."

Norbert Meier (Fortuna Düsseldorf): " Wir haben ein richtungweisendes Spiel und wir freuen uns, dass das Spiel ein Entscheidungsspiel ist. Das gute Ergebnis aus dem Hinspiel darf uns aber nicht in Sicherheit wiegen."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya, Langeneke, van den Bergh - Bodzek, Fink - Beister, Ilsö, Lambertz - Bröker

Berlin: Kraft - Lell, Hubnik, Janker, Holland - Niemeyer, Kobiaschwili - Ebert, Raffael, Ben-Hatira - Ramos

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

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