Der 1. FC Köln ist Holger Stanislwaskis dritte Trainerstation © imago

Der neue Kölner Trainer sieht im Abstieg die Chance, ein Team aus Talenten zu formen. Finanziell stehen magere Jahre bevor.

Köln - Zumindest der Empfang war noch erstligareif.

Einen kurzen Moment sonnte sich Holger Stanislawski im Blitzlichtgewitter, dann aber blickte der neue Trainer des 1. FC Köln voller Tatendrang und Zuversicht seiner schwierigen Aufgabe beim Bundesliga-Absteiger entgegen.

"Wenn man einmal auf dem Hosenboden sitzt, muss man sehen, dass man wieder aufsteht. Das wird nicht leicht nach so einem Jahr. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Umbruch. Wir werden die Ärmel hochkrempeln und Taten folgen lassen", sagte Stanislawski bei seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag im Geißbockheim.

"Wird sicher nicht vom ersten Tag alles gut gehen"

Das Wort "Wiederaufstieg" brachte Stanislawski (noch) nicht über seine Lippen.

"Wir freuen uns zwar wahnsinnig auf diese Aufgabe, es wird aber sicher nicht vom ersten Tag an alles gut gehen", sagte der 42-Jährige - wohl wissend, dass ihm sein neuer Arbeitgeber nur einen begrenzten finanziellen Spielraum geben kann.

Magere Jahre stehen bevor: Ein erheblich gekürzter Lizenzspieler-Etat und die ausdrückliche Vorgabe des neuen Vorstands, auf junge Spieler zu setzen, weisen Stanislawski den Weg.

Truppe im finanziellen Rahmen

"Ich werde so schnell es geht die U 21 und die A-Jugend anschauen. Die schwere Aufgabe ist es, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, die in diesen finanziellen Rahmen passt", sagte "Stani".

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Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er und vor allem sein Trainerteam das Anforderungsprofil der Zweiten Liga genau kennen: Schon den FC St. Pauli hatte er mit Andre Trulsen und Klaus-Peter Nemeth, die ihm auch in Köln assistieren werden, in die Bundesliga geführt.

Auch die Hamburger waren am Boden, auch dort lag das Geld nicht auf der Straße. Motivator Stanislawski hatte dennoch Erfolg.

"Unheimliche Wucht und Präsenz"

Dafür dürfte Stanislawski die nötige Zeit bekommen. Für mindestens zwei Jahre besitzt sein Vertrag Gültigkeit, auch das Umfeld des Klubs soll und wird ihn bei seiner Mission unterstützen.

Eine "großartige Euphorie" habe er bei seiner Ankunft gespürt. Die Stadt und der Verein verfügten über "eine unheimliche Wucht und Präsenz. Aber nur, wenn man im Team arbeitet", sagte er.

Aus diesem Grund wird für den Ex-Trainer von 1899 Hoffenheim Vorgänger Frank Schaefer in der Anfangszeit die wichtigste Bezugsperson sein. Zusammen mit ihm will Stanislawski dem "Effzeh" ein neues Gesicht geben.

Priorität Professionelles Verhalten

"Aber man darf jetzt natürlich nicht erwarten, dass in der nächsten Saison nur A-Jugend-Spieler in der Startelf stehen werden", sagte er. Vielmehr gehe es darum, den Spielern zu erklären, wie wichtig professionelles Verhalten sei. Für jeden Einzelnen müsse es ein Privileg sein, für solch einen Klub spielen zu dürfen.

Damit sprach der Hamburger indirekt das größte Problem der Kölner in der vergangenen Saison an. Zu selten hatte das Team unter Stale Solbakken Charakter bewiesen und über 90 Minuten leidenschaftlich gekämpft. 556562 (DIASHOW: Die Flops der Saison )

"Drohung" vor dem ersten Training

Beim neuen Trainer soll das ganz anders werden.

"Ich werde die Nähe zur Mannschaft suchen und auch das Konditionstraining selbst übernehmen", sagte Stanislawski und schickte gleichzeitig eine erste "Drohung" in Richtung seiner Spieler:

"Manch einer wird den einen oder anderen Trainingstag nicht als seinen glücklichsten in Erinnerung behalten."

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