Norbert Meier ist seit Januar 2008 Cheftrainer bei Fortuna Düsseldorf © getty

Vorm Relegations-Rückspiel gegen Hertha dämpft Düsseldorfs Norbert Meier bei SPORT1 die Euphorie und spricht über Rehhagel.

Von Reinhard Franke

München - Norbert Meier steht vor dem Aufstiegs-Hattrick.

2005 schaffte der Trainer mit dem MSV Duisburg den Sprung in die Bundesliga, 2009 mit Düsseldorf in die Zweite Liga - und nun will der 53-Jährige mit der Fortuna auch ins Oberhaus.

Nach dem 2:1-Hinspiel in der Relegation bei Hertha BSC (Bericht) stehen die Chancen dazu nicht schlecht.

Im Rückspiel (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und Zusammenfassung ab 23.45 Uhr im TV auf SPORT1) reicht den Rheinländern bereits ein Unentschieden oder gar ein 0:1.

"Nicht in Sicherheit wiegen"

Bei SPORT1 will Meier von einer Vorenscheidung aber nichts wissen, spricht über Düsseldorfs Chancen, nach 15 Jahren in die Bundesliga zurückzukehren - und sein Verhältnis zu Otto Rehhagel.

SPORT1: Herr Meier, wie nervös sind Sie vor Fortuna Düsseldorfs Rückkehr in die Bundesliga?

Norbert Meier: Grundsätzlich müssen wir nicht über Dinge sprechen, die noch nicht passiert sind. Ich bin mit Duisburg in die Bundesliga aufgestiegen, mit der Fortuna damals in die Zweite Liga, und jeder Aufstieg ist etwas Besonderes. Das gute Ergebnis aus dem Hinspiel darf uns aber nicht in Sicherheit wiegen.

SPORT1: Ist Ihnen denn bewusst, was der Aufstieg für den Verein bedeuten würde?

Meier: Natürlich. Aber das darf nur dazu führen, dass man das mit ganz viel Freude und ganz viel Demut angeht. Dabei meine ich nicht etwa Demut vor dem Gegner, sondern vor der Historie des Klubs.

SPORT1: Sollte der Aufstieg gelingen, wird man Ihnen ein Denkmal setzen...

Meier: Noch haben wir nichts erreicht. Wir gehen nicht als der absolute Favorit ins Spiel. Wir brauchen eine weitere Top-Leistung um zu bestehen. Ich bin auch nicht der Typ, der im Vordergrund stehen muss. Vielmehr macht es mich glücklich, dass ich die Truppe in diesen Zeiten begleiten darf, dass wir erfolgreich zusammen arbeiten und es geschafft haben, dass Fortuna wieder mehr Aufmerksamkeit genießt.

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SPORT1: Sie sind im Sommer viereinhalb Jahre bei der Fortuna. Eine Traum-Ehe?

Meier: Unser ganzes Team, vom Funktionsteam bis zum Manager, hat in dieser Zeit sehr konstruktiv miteinander gearbeitet. Wir haben uns zwar nicht nur mit Wattebäuschchen beworfen, aber alles, was wir gemacht haben, hat dazu geführt, dass wir uns am Schluss einig waren.

SPORT1: Also Ihre bisher schönste Zeit als Trainer?

Meier: Es ist eine schöne Zeit, vor allem, wenn man die Entwicklung sieht: Als ich anfing, war unser erstes Spiel ein Derby in der Regionalliga gegen Wuppertal. Damals wusste keiner, wie es weiter gehen würde: Wenn uns einer gesagt hätte, dass Fortuna heute an der Tür zur Bundesliga anklopft, hätte man ihn vermutlich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.

SPORT1: Nach dem Treffer zum 1:1 in Berlin hat man Sie so ausgelassen wie wohl noch nie gesehen.

Meier: Das sind Emotionen, die man rauslassen muss. Eigentlich habe ich in der Spielertraube nichts zu suchen. Aber da ist vielleicht noch ein Stück weit der verkappte Spieler Meier zu sehen, obwohl ich den Absprung längst geschafft habe.

SPORT1: Immerhin sind Sie ja auch der Vater des Erfolgs.

Meier: Ich bin nicht der alleinige Vater des Erfolgs. Aber solche Situationen sind einfach schön: Da muss das raus, da freut man sich. Ich hoffe, dass es den Jungs nicht lästig war, den vor Schweiß triefenden Trainer plötzlich im Arm zu haben.

SPORT1: Sind Sie im Falle des Aufstiegs vorbereitet für eine Bierdusche?

Meier: Wenn das passiert, bin ich zu allen Schandtaten bereit. Aber vorher bin ich nicht bereit, über irgendwelche Dinge zu sprechen. Da reagiere ich auch intern allergisch drauf, weil ich im Fußball genügend erlebt habe.

SPORT1: Was ist der Hauptgrund für den Erfolg Ihrer Mannschaft?

Meier: Wir haben eine überragende Hinrunde gespielt - die beste, die jemals in der Zweiten Liga gespielt wurde. So etwas ist nicht mehr zu toppen. Wir mussten danach aber immer mehr gewinnen, und das hat an der Mannschaft genagt. Letztlich hat sie den Drive gekriegt, obwohl wir keine so gute Rückrunde gespielt haben: Wir haben jedoch nur vier Mal verloren, obwohl wir 16 Mal zurücklagen. Das spricht für den Charakter und die Moral dieser Truppe.

SPORT1: Sie können Ihren alten Lehrmeister Otto Rehhagel auf seiner wohl letzten Station in den Abgrund schicken. Haben Sie Mitleid?

Meier: Es ist kein Duell Meier gegen Rehhagel da spielt Fortuna gegen Hertha BSC. Ich bin dankbar, dass ich 13 Jahre in der Bundesliga spielen konnte, zehn Jahre davon haben wir bei Weder Bremen erfolgreich zusammengearbeitet. Der Gedanke, ich könnte Rehhagel besiegen, ist mir völlig fremd.

SPORT1: Ihr Verhältnis zu Rehhagel war nie ganz spannungsfrei...

Meier: Wenn man im Fußball zehn Jahre unterwegs ist, dann ist man fast so oft beisammen wie mit der Familie, und auch in gut funktionierenden Familien ist nicht immer alles spannungsfrei. Rehhagel und ich mussten nicht befreundet sein, aber wir haben zusammen Erfolg gehabt. Und letztlich geht es nicht um Freundschaften, sondern immer um gegenseitigen Respekt.

SPORT1: Sie durften Rehhagel erst mit 41 duzen. Warum?

Meier: Das hat er gemacht, weil er eigentlich eine Auskunft über einen Spieler wollte, den er von Mönchengladbach, wo ich tätig war, nach Kaiserslautern holen wollte. Er hat uns ja auch als Spieler nie geduzt, sondern immer mit Vornamen angesprochen und Sie gesagt. Das ist das Recht des Älteren.

SPORT1: Sascha Rösler wird nach der Relegation seine Karriere beenden - und kann zum vierten Mal aufsteigen...

Meier: Wir haben ihn geholt, als es uns nicht so gut ging. Rösler hatte schon im letzten Jahr einen großen Anteil daran, dass wir aus einer schwierigen Situation herausgekommen sind. Er hat bei uns mehr als seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Wenn er nun aufhört, wäre der Aufstieg auch für ihn noch mal eine tolle Geschichte.

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