Uli Hoeneß (l.) gabden Manager-Job 2009 an Christian Nerlinger ab © getty

Hoeneß will massiv investieren, um die Bayern-Vorherrschaft zurückzuerobern. SPORT1 gibt den Überblick was sich tun könnte.

Von Christian Stüwe

München - Es ist eine sonderbare Situation, in der der FC Bayern steckt.

Am Samstag kann der Rekordmeister im Endspiel gegen Chelsea im eigenen Stadion die Champions League gewinnen und den größten Erfolg seit mehr als zehn Jahren feiern.

Doch die Kehrseite ist eine Schreckensvision.

Denn bei einer Niederlage gegen die Blues stünden für die Münchner drei Vize-Titel zu Buche. (Bericht: Bayern fürchtet "Vizekusen"-Syndrom)

Und so müssen die Bayern, obwohl Europas Fußball-Thron nur noch einen Schritt entfernt ist, trotzdem eine Pleiten-Saison fürchten - wobei es schon jetzt Kritik hagelt.

Basler fordert neue Spieler

"Uli Hoeneß muss nächstes Jahr drei oder vier Positionen neu besetzen", forderte Ex-Spieler Mario Basler am Sonntag im SPORT1-Doppelpass.

Zu deutlich war die Überlegenheit von Borussia Dortmund im Pokalfinale und in der Meisterschaft, dass auch der Einzug ins "Finale Dahoam" gewisse Defizite nicht überdecken kann.

Auch Hoeneß ist dies offenbar nicht entgangen, der Bayern-Präsident kündigte bereits eine Shoppingtour an.

"Wir haben das Geld dazu"

"Wir werden unsere Mannschaft so lange verstärken, bis wir wieder alleine sind", sagte Hoeneß. "Und: Wir haben das Geld dazu."

Die Einnahmen aus dem Finaleinzug in der Champions League könnten also direkt reinvestiert werden.

Für die neue Saison rechnet Hoeneß mit einem Rekord-Umsatz von 350 Millionen Euro - beste Voraussetzungen für die geplante Shoppingtour.

SPORT1 zeigt, was sich auf welchen Positionen tun könnte.

DEFENSIVE:

Es dauerte eine Weile, bis die Bayern mit Kapitän Philipp Lahm, Jerome Boateng, Holger Badstuber und David Alaba ihre Stammformation in der Abwehr gefunden hatten.

"Ich möchte daran erinnern, dass wir mit nur 22 Gegentoren die beste Abwehr aller Bundesligaklubs hatten", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im "kicker":

"Die vier genannten Spieler haben unser volles Vertrauen."

Dennoch wirkte die Viererkette nicht immer sattelfest.

Berthold fordert mehr Verstärkungen

Mit Borussia Mönchengladbachs Dante wird in der neuen Saison ein weiterer Innenverteidiger zum Team stoßen.

Für Thomas Berthold ist das aber nicht genug.

"Im Pokalfinale gegen Dortmund hat es sich zum wiederholten Mal gezeigt: der Rekordmeister hat hinten Probleme", meinte der einstige FCB-Verteidiger im "kicker".

Spieler der Marke Pique oder Silva müssen her

Berthold glaubt vor allem, dass in der Innenverteidigung Konkurrenten für Jerome Boateng und Holger Badstuber benötigt werden.

"Beide sind gut, aber für die Ansprüche der Bayern nicht gut genug. Mein Ex-Klub muss internationale Klasse holen, Spieler der Marke Gerard Pique oder Thiago Silva", erklärte Berthold:

"Dante hilft auch nur bedingt weiter."

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MITTELFELD:

Das offensive Mittelfeld ist das Prunkstück der Bayern. Die Flügel sind mit Arjen Robben und Franck Ribery mit Weltklassespielern besetzt.

Mit Thomas Müller, Toni Kroos und Neuzugang Xherdan Shaqiri drängeln sich weitere Hochkaräter um die Startplätze in der offensiven Dreierreihe.

Auf der Doppelsechs ist Bastian Schweinsteiger gesetzt, für den Platz neben dem Nationalspieler scheinen die Bayern aber auf der Suche für eine Alternative zu Anatoliy Tymoshchuk und Luiz Gustavo zu sein.

Laut der französischen Zeitung "L'Equipe" sollen die Münchner zehn Millionen Euro für den Ex-Dortmunder Nuri Sahin an Real Madrid geboten haben.

Vieles scheint möglich. "Wir werden weiter Stars holen, jedoch immer mit finanziellem Augenmaß", sagte Rummenigge.

Und vielleicht kommt auch eine Alternative aus dem eigenen Stall. Der 18 Jahre alte Junioren-Nationalspieler Emre Can aus der zweiten Mannschaft erhielt kürzlich einen Profi-Vertrag.

OFFENSIVE:

Im Sturm ist Mario Gomez gesetzt. Der Torjäger erzielte 26 Treffer, sowohl Nils Petersen wie auch Ivica Olic werden den Verein wohl verlassen, weil sie am Nationalstürmer nicht vorbeikommen.

Dennoch sieht Mario Basler auf dieser Position Nachbesserungsbedarf.

"Auf jeden Fall muss Uli Hoeneß im Sturm was machen", erklärte der frühere Mittelfeldspieler.

Natürlich habe Gomez viele Tore geschossen, führte Basler weiter aus. Aber der Dortmunder Robert Lewandowski sei in der Grundschnelligkeit viel stärker und verteidige die Bälle besser.

Genau das benötige man heute im Fußball, sagte Basler: "Um gerade international lange mitzuspielen, muss man in der Offensivabteilung was machen."

Der französische Nationalspieler Olivier Giroud gilt als Favorit. Der Angreifer vom französischen Tabellenführer HSC Montpellier bestätigte kürzlich Gespräche mit dem Rekordmeister.

TRAINER:

Jupp Heynckes hat noch Vertrag bis im Sommer 2013. "Zu einem ihm und uns genehmen Zeitpunkt werden wir über die weitere Zukunft sprechen", kündigte Rummenigge an.

Doch in näherer Zukunft werden die Münchner einen neuen Trainer brauchen.

Hoeneß rechnet damit, dass Heynckes "uns sogar bei der Suche nach einem neuen Trainer helfen würde".

Als einen möglichen Nachfolger für Heynckes brachten zuletzt Hoeneß und auch Franz Beckenbauer den weltweit erfolgreichsten Trainer der letzten Jahre ins Gespräch: Pep Guardiola.

"Wäre die Sprachbarriere nicht, würde ich sagen, dass Guardiola sicherlich einer für uns wäre", sagte Hoeneß dem "Focus".

"Er ist herausragend. Ich glaube nicht, dass einer in den letzten Jahren erfolgreicher war als er", erklärte der "Kaiser" bei "Sky": "Er hat nur ein Problem: Er spricht kein Deutsch."

Guardiola: Ein Jahr Zeit, deutsch zu lernen

Am Sonntag saß Guardiola letztmals bei einem Ligaspiel des FC Barcelona auf der Bank, nach dem spanischen Pokalfinale will der gestresste Erfolgscoach dann erst mal eine Pause machen.

Danach aber könnte Bayern tatsächlich ein Thema werden, auf eine entsprechende Nachfrage schloss er das zumindest nicht aus.

"Man weiß nie, was irgendwann einmal passieren wird", sagte der 41-Jährige kürzlich zu SPORT1.

Und schon zuvor hatte der Katalane erklärt, dass es ihn reizen würde, deutsch zu lernen.

"Er hat nur ein Jahr Zeit, Deutsch zu lernen", meinte Beckenbauer: "Schafft man das?"

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