Böse Vorahnung? Otto Rehhagel (r.) spielte von 1963 bis 1966 für Hertha BSC Berlin © getty

In Berlin brennt vor dem Endspiel in Düsseldorf die Luft. Im Training kracht es, bei einer Pleite ist die Zukunft ungewiss.

Berlin - Bei Hertha BSC liegen vor dem Alles-oder-nichts-Spiel die Nerven blank.

Im Training am Sonntag geriet Änis Ben-Hatira mit Teamkollege Christian Lell aneinander.

Ben-Hatira setzte gegen den Rechtsverteidiger sogar zum Kopfstoß an, verfehlte den früheren Bayern-Profi aber.

Trainer Otto Rehhagel war daraufhin als Schlichter gefragt war und musste die Einheit kurz unterbrechen.

"Zwischen uns ist alles wieder gut. Aber es geht eben ums Ganze", sagte Lell. Und das gilt nicht nur für die Spieler.

Sinkender Etat, drohender Ausverkauf, mögliches Machtgerangel - bei einem erneuter Abstieg aus der Bundesliga steht Hertha vor einem Scherbenhaufen.

Gelingt Rehhagel in seinem letztem Spiel auf der Berliner Trainerbank am Dienstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und Zusammenfassung ab 23.45 Uhr im TV auf SPORT1) im Relegations-Rückspiel bei Fortuna Düsseldorf kein klarer Sieg, könnte der Hauptstadtklub nach seiner Amtszeit auf längere Zeit zur grauen Maus in der Zweiten Liga verkommen.

"Hier lässt sich keiner hängen"

"Hier lässt sich keiner hängen, wir haben immer noch die Möglichkeit, in der Liga zu bleiben", sagte Rehhagel.

Doch nach dem enttäuschenden 1:2 im Hinspiel (Bericht) sind die Aussichten gegen den Zweitligisten schlecht.

Mindestens 2:0 oder 3:2 muss Hertha vor 51.000 Zuschauern im ausverkauften Düsseldorfer Hexenkessel gewinnen, um den sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern.

Remis reicht nicht

Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage geht es direkt in die Zweite Liga, aus der sich die "alte Dame" erst im Vorjahr mühsam zurückgekämpft hatte.

Das wird so noch einmal nicht möglich sein.

"Die finanziellen Möglichkeiten, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen, sind beim Verein nicht vorhanden", sagte Herthas Vize-Aufsichtsratschef Andreas Schmidt.

[kaltura id="0_w6bt15vo" class="full_size" title="Rehhagel Dann fahre ich erstmal in Urlaub "]

Mannschaft droht auseinanderzubrechen

Der Gesamtetat würde von knapp 60 auf 30 Millionen Euro sinken.

Außerdem drückt ein Schuldenberg von etwa 37,5 Millionen Euro und die Sponsoreneinnahmen würden sich trotz der Vertragsverlängerung des Brustsponsors (Deutsche Bahn) ebenfalls drastisch verringern.

Damit scheint klar: Die Mannschaft würde im Falle des verpassten Klassenerhalts völlig auseinanderbrechen.

Teure Leistungsträger wie Adrian Ramos oder Raffael wären nicht finanzierbar.

Anderen Profis wie Andeas Ottl oder Ben-Hatira werden schon Kontakte zur Bundesliga-Konkurrenz nachgesag

Bekenntnisse wie das von Publikumsliebling Thomas Kraft ("Ich bleibe in jedem Fall hier!") dürften die Ausnahme bleiben, das Team ein ganz neues Gesicht bekommen.

Zukunft von "Sündenbock" Preetz offen

Bei einem neuerlichen Scheitern im Oberhaus werden Schuldige gesucht - und wohl auch schnell gefunden werden.

Vor allem die Zukunft des seit Monaten für seine Personalpolitik in der Kritik stehenden Managers Michael Preetz, der zum zweiten Mal in nur drei Jahren absteigen würde, ist offen.

Zwar hat Präsident Werner Gegenbauer dem früheren Profi quasi eine Jobgarantie gegeben ("Preetz ist der richtige Mann"), angesichts der sportlichen Talfahrt dürfte das jedoch vor allem bei den Fans schwer zu vermitteln sein.

Auch Gegenbauer selbst muss bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai um seine Zukunft bangen.

Zwar tritt der 61 Jahre alte Unternehmer als einziger Kandidat für das Präsidentenamt an, jedoch könnten ihm die Mitglieder die Stimmen verweigern und somit auch ohne Alternative die Wiederwahl verhindern.

Präsidium gespalten

Für vier Jahre wird das aus neun Mitgliedern bestehende Präsidium gewählt.

In den letzten Wochen hatte sich das Gremium in zwei Lager gespalten und ist in Person von Vize-Präsident Jörg Thomas auch öffentlich auf Distanz zu Preetz gegangen.

Der Manager stand derweil am Sonntagmorgen gemeinsam mit Gegenbauer beim letzten öffentlichen Training unter Rehhagel in Berlin auf dem Platz, um sich die Arbeit der Mannschaft noch einmal genau anzusehen.

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