Böse Vorahnung? Otto Rehhagel (r.) spielte von 1963 bis 1966 für Hertha BSC Berlin © getty

Noch hofft Berlin auf ein letztes Wunder. Otto Rehhagel und Manager Michael Preetz weht schon jetzt ein eisiger Wind entgegen.

Aus Berlin berichtet Matthias Becker

Berlin - Die blau-weißen Fahnen, sie wehen noch, an einzelnen Balkonen und vor den Eckkneipen in Berlin.

Noch haben die Hauptstädter ihre Hertha nicht gänzlich aufgegeben.

Dabei gibt das 1:2 im Relegations-Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf vor dem Rückspiel am Dienstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und Zusammenfassung ab 23.45 Uhr im TV auf SPORT1) eigentlich kaum Anlass zur Hoffnung, den sechsten Abstieg noch verhindern zu können.

"Viele Gespräche" werde man jetzt führen und versuchen, "die Enttäuschung zu verarbeiten", kündigte Trainer Otto Rehhagel vor seinem 834., und höchstwahrscheinlich letzten, Spiel als Bundesligatrainer an.

Ein letztes Wunder?

Seit Donnerstagabend war von der Hertha dann nichts mehr zu hören.

Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nur am Sonntagvormittag dürfen Fans und Journalisten der verunsicherten Hertha-Truppe noch mal beim Üben zuschauen.

So hält es Rehhagel seit seinem überraschenden Amtsantritt in Berlin.

Ob er bei dieser letzten Einschwörung doch noch ein letztes Wunder aus dem Hut zaubert, wie es der Berliner Boulevard hofft, muss aber ernsthaft bezweifelt werden.

Ernüchternde Reaktionen

Denn obwohl die Berliner schon mehrmals in dieser Saison totgesagt waren und sich doch irgendwie noch in die Relegation retteten: Die Zeichen stehen schlecht für eine Aufholjagd in der Düsseldorfer Arena.

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Vor allem die Reaktionen der Herthaner auf das Eigentor zum 1:2 durch Adrian Ramos und auf den Schlusspfiff gegen die Fortuna ließen tief blicken.

Kein Berliner Spieler raffte sich auf, Unglücksrabe Ramos nach dem vierten Hertha-Eigentor seit Dezember 2011 zu trösten.

Den resignierten bis wütenden Fans in der Ostkurve stellte sich mit Änis Ben-Hatira nur ein Profi.

Sonderbarer Rehhagel-Auftritt

"Im Selbstzerstörungsmodus", sieht die "Berliner Zeitung" den Hauptstadtklub deshalb auch.

Das wird durch den merkwürdigen Auftritt Rehhagels auf der Pressekonferenz nach dem Spiel nur noch unterstrichen.

[kaltura id="0_w6bt15vo" class="full_size" title="Rehhagel Dann fahre ich erstmal in Urlaub "]

"Dienstag, nach dem Spiel, ist es für mich zu Ende. Und dann fahre ich in den Urlaub", hatte der Trainer-Oldie da erklärt.

Nicht nur bei Fortuna-Präsident Peter Frymuth stellte bei dieser Aussage "ein gewisses Entsetzen" fest, wie er der "Bild" verriet:

"Unser Trainer würde so etwas nie sagen. Und wenn doch, hätte es interne Gespräche zur Konsequenz."

"Beliebigkeit und Ignoranz"

Die Berliner Medien brachte "König Otto" mit seinem Bekenntnis auch gegen sich auf.

"So viel Beliebigkeit und Ignoranz - viele Fans, die mit dem Herzen an Hertha hängen, fühlten sich für dumm verkauft", schrieb die "B.Z.".

Rehhagel wird es - aus bekanntem Grund, Stichwort Urlaub - weitgehend egal sein.

Hertha-Manager Michael Preetz dürfte es da schon bald anders gehen.

Durchhalteparolen und Hoffnungsschimmer

Derzeit verbreiten die Zeitungen der Hauptstadt weitgehend Durchhalteparolen und Hoffnungsschimmer auf den "Turnaround" im Rückspiel.

Geht es für Rehhagel und Preetz bei ihrem Ex-Klub Fortuna aber erwartungsgemäß schief, ist die Zeit der Abrechnung gekommen.

"Nur noch 90 Minuten Hertha-Manager?", fragt sich die "Bild" schon mit Blick auf Preetz.

Ende Mai wird ein neues Präsidium gewählt, die Rückendeckung des derzeitigen Präsidenten Werner Gegenbauer könnte für Preetz dann nicht mehr viel wert sein.

Kommen die Fans wieder?

Der Rückendeckung der Fans darf sich die Hertha dagegen wohl auch in der Zweiten Liga gewiss sein, obwohl kaum so schnell wieder fast 70.000 ins Olympiastadion strömen werden.

Auch die Anhänger werden so oder so erst mal froh sein, wenn diese Seuchen-Saison am Dienstagabend ein Ende hat.

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