Pizarro stand zwischen 1999 und 2001 zum ersten Mal in Bremen unter Vertrag © getty

Der Stürmer lässt Bremen in Sachen Vertragsverlängerung zappeln und bremst den Neuaufbau. Die Kritik an Schaaf wird immer lauter.

Von Björn Seitner

München - Willkommen im Mittelmaß.

Nach Rang drei und der Champions-League-Qualifikation vor zwei Jahren beendete Werder Bremen die Saison nach der schlechtesten Rückrunde der Bundesliga-Geschichte schon zum zweiten Mal in Folge auf Rang neun (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

2012 holte das Team von Trainer Thomas Schaaf nur zwei magere Siege aus 17 Spielen.

Kein internationales Geschäft, keine Zusatzeinnahmen. Und der notwendige Umbruch an der Weser stagniert.

Pizarro lässt Bremen zappeln

Zu einem Großteil mitverantwortlich für die aktuelle Lage ist Stürmer-Star Claudio Pizarro.

Zwar erzielte der Peruaner in der abgelaufenen Spielzeit 18 Treffer und war damit klar bester Torjäger der Hanseaten.

Doch derzeit lässt er die Verantwortlichen zappeln und bremst dadurch den Neuaufbau.

Warten auf bessere Angebote?

Seit geraumer Zeit liegt dem 33-Jährigen ein unterschriftsreifer Zweijahres-Vertrag vor. Doch noch hat "Pizza" ihn nicht angerührt.

"Ich werde schon Bescheid geben, wenn ich mich entschieden habe", sagte Pizarro zuletzt genervt.

Offenbar wartet der beste ausländische Torjäger der Liga (160 Treffer), der Bremen ablösefrei verlassen könnte, weiterhin auf ein besseres Vertragsangebot - oder andere Offerten.

An dem schon seit längerem kursierenden Gerücht, der FC Bayern wolle ihn zurückholen, scheint nicht mehr viel dran zu sein.

"Es kann noch länger dauern"

Langsam verliert auch Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs die Geduld: "Es blockiert unsere Bemühungen im Offensivbereich."

Zu sehr drängen wolle man den Peruaner zwar nicht, doch Allofs will die Zukunft planen und wissen, ob er das Gehalt des Stürmers in andere Spieler stecken kann.

Doch Pizarro will nun nicht einmal mehr die ursprüngliche Deadline des Länderspiels in Lima gegen Nigeria (23.Mai) einhalten. "Es kann noch länger dauern", erklärte er.

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Viel Arbeit für Allofs

Nach den Abgängen von Marko Marin (FC Chelsea), Tim Wiese (1899 Hoffenheim), Tim Borowski, Mikael Silvestre, Markus Rosenberg, Lennart Thy (alle mit noch unbekanntem Ziel) wartet auf Allofs jede Menge Arbeit 556562 (DIASHOW: Flops der Saison) .

Zumal sich Allofs nicht nur nach sportlichen Hochkarätern umschauen will: "Es gibt noch eine andere wichtige Größe: die Mentalität."

Petersen soll ausgeliehen werden

Bei zwei Akteuren stimmt die Einstellung offenbar: Während Verteidiger Sebastian Boenisch gehalten werden soll, steht Bayern-Angreifer Nils Petersen in Bremen ganz oben auf der Liste.

Doch auch hier spielt vor allem das Geld eine große Rolle.

Boenisch, der mit Polen an der Europameisterschaft teilnimmt, "möchte gerne in Bremen bleiben - wenn die Zahlen stimmen".

Petersen, Zweitliga-Torschützenkönig 2011, würde Allofs den Bayern wohl nicht abkaufen sondern eher ausleihen. Die Verhandlungen laufen.

Kritik der Fans

Fest steht: Bei der viertschlechtesten Mannschaft der Rückrunde muss sich etwas tun. Denn schon jetzt weht ein rauer Wind an der Weser.

Nach dem 2:3 am letzten Spieltag gegen Schalke 04 forderten die Fans bereits auf Transparenten unübersehbar: "Schaaf raus! Lemke raus!"

"Von mir gibt es keine Aussagen", gibt sich Schaaf, der seinen Vertrag erst im Dezember um zwei Jahre verlängerte, verschwiegen. Er weiß, dass die Verantwortlichen hinter ihm stehen.

"So geht man in die Geschichte ein"

"Er ist lange dabei und weiß, damit umzugehen", glaubt auch Kapitän Clemes Fritz: "Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, gibt es Unruhe. Es gibt eben Gruppierungen, die das dann so bewerten."

Nicht die Nerven verlieren, ist nach einem "furchtbaren halben Jahr" auch das Motto von Aufsichtsratsboss Willi Lemke.

Allofs und Schaaf machen das wie gewohnt nicht.

Allofs gibt sich ob des Negativ-Rekords der Rückrunde stattdessen ironisch: "So geht man in die Geschichte ein."

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