Hertha BSC Berlin schaffte nach dem Abstieg 2010 den direkten Wiederaufstieg © getty

Rehhagels Rettungsmission in Berlin steht nach der Pleite gegen die starken Düsseldorfer in der Relegation kurz vor dem Scheitern.

Aus Berlin berichtet Matthias Becker

Berlin - Otto Rehhagel wusste, was ihm da gerade rausgerutscht war, aber da war es auch schon zu spät.

Welche Bedeutung ein Abstieg für ihn persönlich hätte, wurde der Trainer-Oldie nach dem 1:2 seiner Hertha im Relegations-Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Spielbericht) gefragt.

"Nächsten Dienstag nach dem Spiel ist es für mich vorbei, dann fahre ich in den Urlaub", sagte Rehhagel - und sorgte damit für ein Raunen im Presseraum.

So gleichgültig, wie sie sich anhörte, hatte Rehhagel seine Antwort gar nicht gemeint, trotzdem machte er nach der Heimpleite gegen den Zweitliga-Dritten die Ausgangslage vor dem Rückspiel überdeutlich:

Die Rettungsmission von "König Otto" steht kurz vor dem Scheitern. Während er den zweiten Abstieg seiner Trainerkarriere aber wohl verkraften kann, steht der Hertha womöglich eine triste Zukunft bevor.

60 starke Minuten reichen nicht

"Die Chancen sind da, aber wir haben eine bessere Ausgangssituation leider aus der Hand gegeben", stellte Geschäftsführer Michael Preetz konsterniert fest.

Die Niederlage war umso ernüchternder, da die Berliner eine Stunde lang eines der besten Spiele unter der Regentschaft Rehhagels ablieferten.

Sie setzten die Gäste konsequent unter Druck und ließen mit der Sicherheit des 1:0 durch Hubniks Kopfballtreffer (19.) auch den Ball gut laufen.

Nach dem 1:1 der Fortuna durch Thomas Bröker (65.) fiel das zuvor so stabil wirkende Gebilde dann aber wie ein Souffle in sich zusammen. 557380 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Wir hatten alles im Griff und dann kassieren wir ein unnötiges Gegentor. Es ist sehr, sehr bitter", sagte Änis Ben-Hatira, einer der besten Herthaner.

"Wir geben nicht auf"

Mit Blick auf den Dienstag bleibt dem Hauptstadtklub nur noch das Prinzip Hoffnung.

"Wir geben nicht auf, es ist noch alles möglich", behauptete Rehhagel. "Auswärts sind wir stärker", ergänzte Preetz.

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Und auch Kapitän Levan Kobiashvili, einer der wenigen Herthaner, die überhaupt Worte fanden, beschwor seine Kollegen ein letztes Mal:

"Wir waren in der Rückrunde oft am Boden, sind aber wieder aufgestanden. Das gibt Hoffnung, dass wir das Wunder vielleicht doch noch schaffen."

Wahrscheinlicher ist aber, dass die Berliner als fünfter Bundesligist nach einer Relegation absteigen müssen. Es wäre der sechste Gang in die Zweitklassigkeit für den Klub. (DATENCENTER: Die Relegation)

Fortuna mit einem Bein in der Bundesliga

Dass es dazu kommen könnte, lag aber nur zum Teil an Schwächen der Hertha - und zum anderen an einem beeindruckenden Auftritt der Fortuna.

Trainer Norbert Meier, in Bremen als Profi einst zehn Jahre lang Schüler Rehhagels, bewies, dass er die Lektion der "kontrollierten Offensive" bestens verinnerlicht und an sein Team weitergegeben hat.

Zwar reagierten die Düsseldorfer verunsichert auf den Rückstand, ließen aus dem Spiel heraus aber kaum eine gefährliche Torchance der Hertha zu.

Mit der überragenden Einzelaktion von Thomas Bröker zum 1:1 und etwas Glück beim Eigentor von Adrian Ramos (72.) verschafften sich die Fortunen aber eine hervorragende Ausgangssituation für die Rückkehr in die Bundesliga nach 15 Jahren Abwesenheit.

Fans im Überschwang

Die 7000 mitgereisten Fans feierten ihr Team deshalb auch ausgelassen, in der Düsseldorfer Altstadt stiegen spontane Straßenfeierlichkeiten, sogar von kleineren Autokorsos wurde im Überschwang berichtet.

"Die Fans dürfen euphorisch sein. Für mich heißt das, dass wir am Dienstag eine Riesenstimmung haben werden", sagte Coach Meier, mahnte aber zugleich:

"Es ist ein gutes Ergebnis für uns, aber wir haben noch nichts gewonnen."

Rösler fällt Taktik zum Opfer

Diese Marschroute hatte er auch seinen beglückten Profis erfolgreich eingeimpft.

[kaltura id="0_w6bt15vo" class="full_size" title="...dann gehe ich in Urlaub"]

"Wir dürfen nicht glauben, dass wir schon was erreicht hätten, denn das wäre schon der erste Fehler", erklärte Routinier Sascha Rösler im Gespräch mit SPORT1.

Der Offensivmann musste im vorletzten Spiel seiner Karriere von der Bank aus zuschauen, nahm diese Degradierung aber sportlich:

"Der Trainer hat heute schnelle Spieler zum Kontern gebraucht ? und da bin ich eben nicht der Beste."

"Noch mal alles mobilisieren"

Kollege Bröker, der bei seinem Solo-Lauf gleich vier Herthaner alt aussehen ließ, war schon kurz nach Schlusspfiff heiß auf's Wiedersehen.

"Am Dienstag müssen wir noch mal alles mobilisieren und abrufen, damit das mit unseren Fans im Rücken klappt", sagte er SPORT1.

Die Aufstiegs-Feierlichkeiten würden in der partyerprobten Landeshauptstadt wohl mehrere Tage andauern.

Otto Rehhagel ist dann längst im Urlaub.

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