Tobias Levels (r.) ist von Gladbach an Düsseldorf ausgeliehen © getty

Düsseldorf gewinnt das Hinspiel bei Hertha BSC und steht mit einem Bein in der Bundesliga. Rehhagel braucht ein kleines Fußball-Wunder.

Aus Berlin berichtet Matthias Becker

Berlin - Nur ein kleines Fußball-Wunder kann Trainer-Veteran Otto Rehhagel und Hertha BSC noch vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahren.

Die Berliner verloren das Relegations-Hinspiel vor eigenem Publikum gegen den Zweitliga-Dritten Fortuna Düsseldorf mit 1:2 (1:0) und benötigen beim Rückspiel am kommenden Dienstag in Düsseldorf einen Sieg, um den sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte noch abzuwenden (DATENCENTER: Die Relegation).

Innenverteidiger Roman Hubnik (19.) hatte die Hertha in Führung geköpft. Thomas Bröker (64.) und ein Eigentor des Berliners Adrian Ramos (71.) entschieden die Partie aber zugunsten der Gäste 557380 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels) .

"Wir müssen jetzt die Kirche im Dorf lassen. Wir haben noch nichts erreicht. Am Dienstag wird unser Stadion brennen", sagte Fortunas Torschütze Bröker.

"Jungs sind am Boden"

Gelingt es der Hertha in fünf Tagen nicht, den Rückstand aufzuholen, müsste "König Otto" in seinem 834. - und vermutlich letzten - Spiel als Bundesligatrainer zum zweiten Mal in seiner Karriere absteigen.

"Wir haben uns wieder die Bälle selber reingehauen. Jetzt sind die Jungs natürlich sehr enttäuscht und am Boden", sagte Rehhagel.

Rösler nur auf der Bank

Rehhagel blieb bei seiner Aufstellung dem Grundsatz: "Never change a winning team" soweit es ging treu und nahm im Vergleich zum Sieg gegen Hoffenheim am letzten Spieltag nur einen Wechsel in der Startelf vor. Für den verletzten Pierre-Michel Lasogga (Kreuzbandriss) rückte Adrian Ramos in die Sturmspitze.

Rehhagels Ex-Spieler Norbert Meier auf der Bank der Fortuna tauschte im Vergleich zum 2:2 gegen den MSV Duisburg am Sonntag gleich auf drei Positionen. Innenverteidiger Jens Langeneke kehrte in die Startelf zurück, Johannes van den Bergh ersetzte links in der Viererkette Juanan, Maximilian Beister in der Offensive Sascha Rösler.

"Das war ein Spiel, es kommt noch ein zweites. Es ist schön, dass es Dienstag noch um etwas geht. Wir haben unser Etappenziel erreicht. Ich habe geschwitzt wie ein Bulle", sagte Meier.

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"Aggressive Leader" Rösler, der zum Abschluss seiner Profi-Karriere den insgesamt vierten Bundesliga-Aufstieg anpeilt, musste also zunächst von der Bank aus zuschauen.

Kraft pariert gegen Lambertz

Auch ohne Rösler war in der Partie im fast ausverkauften Berliner Olympiastadion aber von Beginn an Feuer drin. Während die Hertha es in der Anfangsphase getreu dem Motto ihres Coachs mit "kontrollierter Offensive" probierte, suchten die Düsseldorfer sofort den Weg nach vorne.

Auch in den Zweikämpfen schenkten sich die Teams nichts und strapazierten mit zahlreichen Nickligkeiten die Geduld von Schiedsrichter Marco Fritz.

Die ersten spielerischen Akzente setzte die Fortuna. Kapitän Andreas Lambertz scheiterte am glänzend reagierenden Hertha-Keeper Thomas Kraft mit einem Flachschuss (10.), eine Minute später setzte Adam Bodzek einen Kopfball haarscharf am linken Pfosten des Berliner Tores vorbei.

Düsseldorf geschockt

Besser machte es auf der Gegenseite Hertha-Verteidiger Hubnik. Eine von Ramos herausgeholte Ecke durch Änis Ben-Hatira wuchtete Hubnik per Kopfball-Aufsetzer zur beruhigenden Berliner Führung unter den Querbalken (19.).

Die lautstarken Berliner Fans ließen das Stadion zwei Tage vor dem Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München bedenklich erzittern. Nicht nur davon waren die Düsseldorfer offenbar beeindruckt.

Die Rheinländer wirkten geschockt und konnten froh sein, dass die Berliner aus weiteren Gelegenheiten von Fanol Perdedaj (23.), Ben-Hatira (25.) und Levan Kobiashvili (32.) kein Kapital schlugen.

Bröker nutzt Hertha-Patzer

Die Hoffnung lebte deshalb auch nach der Pause weiter bei der Fortuna, ein Auswärtstor hätte die Ausgangslage für die Meier-Elf schließlich schlagartig verbessert.

Fortuna-Coach Meier brachte nach 55 Minuten mit Ranisav Jovanovic für Beister einen frischen Stürmer. Und plötzlich wagten die Gäste mehr nach vorne.

Thomas Bröker nutzte einen Blackout der Berliner Defensive zu einer schönen Einzelaktion und hob den Ball am zuvor nahezu unbeschäftigten Hertha-Keeper Kraft vorbei ins Tor (64.).

Ramos überwindet den eigenen Torhüter

Der Gegentreffer zeigte, wie fragil das zuvor so stabil wirkende Hertha-Gebilde in Wirklichkeit war.

Nur sieben Minuten nach dem Ausgleich verlängerte Ramos einen Freistoß Ken Ilsös per Kopf ins eigene Tor und ließ die zahlreichen mitgereisten Düsseldorfer Anhänger endgültig ausrasten.

Von diesem Rückschlag erholte sich die Hertha nicht mehr und muss nun darauf hoffen, dass Coach Rehhagel bei seinem Abschied von der großen Bühne am Dienstag ein ähnliches Wunder Aus dem Hut zaubert wie zuvor so oft in seiner langen Laufbahn.

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