Stefan Kuntz wurde als Spieler 1996 Europameister in England © getty

Lauterns Klubchef Stefan Kuntz gesteht Fehler ein, überzeugt aber den Aufsichtsrat. Muss Trainer Krassimir Balakov gehen?

Kaiserslautern - Als Stefan Kuntz völlig geschafft vom kräftezehrenden Sitzungsmarathon kurz nach Mitternacht die letzten Fragen zur Zukunft des 1. FC Kaiserslautern beantwortete, stellte der Klubchef die Uhr für Trainer Krassimir Balakow auf fünf vor zwölf.

Wie schon während der knapp fünfstündigen außerordentlichen Mitgliederversammlung des Bundesliga-Absteigers verweigerte Kuntz auch kurz danach ein Bekenntnis zum Bulgaren, dessen Aufenthalt beim viermaligen deutschen Fußball-Meister bereits nach sieben Wochen zu Ende gehen könnte 556562 (DIASHOW: Flops der Saison ).

"Es gibt keine Tendenz"

"Wir werden in den nächsten Tagen Gespräche führen, das ist doch legitim. Es gibt keine Tendenz", sagte Kuntz.

"Wir werden uns mit Krassimir Zeit nehmen. Wir wollen wissen, wie er seine acht Spiele gesehen hat, wie seine Ideen sind."

Balakow hatte am 22. März die Nachfolge von Marco Kurz angetreten, um die Pfälzer vor dem Abstieg zu retten.

Unter der Regie des 46 Jahre alten Bulgaren, der nicht an der Versammlung teilnahm, hatte der FCK allerdings sieben Pleiten in acht Spielen kassiert und war als Tabellenletzter abgestiegen.

Balakov unter Druck

Balakov, dessen Vertrag bis zum Ende der kommenden Spielzeit für die Erste und Zweite Liga gilt, muss die schlechteste Saison in der Geschichte der Roten Teufel mitverantworten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Obwohl Kuntz noch vor vier Wochen erklärt hatte, dass der frühere Profi des VfB Stuttgart auch einen Neuaufbau in der Zweiten Liga leiten solle, steht dies nach den schwachen Auftritten zu Saisonende nun infrage.

[kaltura id="0_o3kruzc8" class="full_size" title="Kaiserslautern setzt weiter auf Kuntz"]

Kuntz bleibt Vorstandsboss

Die Zukunft von Kuntz bei den Roten Teufel ist dagegen sicher.

Der zuletzt nicht mehr unumstrittene Vorstandsboss brachte die große Mehrheit der 2450 anwesenden Mitglieder bei der vom Ehrenratsvorsitzenden Michael Koll schwach geleiteten und teilweise chaotischen Versammlung im Fritz-Walter-Stadion mit einem kämpferischen Auftritt hinter sich.

Am Ende seiner emotionalen Rede, bei der Kuntz mehrfach auf das Pult schlug, erhielt der Europameister von 1996 Standing Ovations - trotz oder gerade weil er Fehler eingestand.

"Ich lasse mich nicht verbiegen"

Kuntz übernahm die Verantwortung für den dritten Abstieg der Klubgeschichte und versprach Verbesserungen in vielen Bereichen.

"Ich habe Fehler gemacht und werde sie weiter machen. Aber ich lasse mich nicht verbiegen", rief Kuntz den Klubangehörigen zu:

"Ich werde den Verein weiter mit Herzblut und Leidenschaft führen."

Die Vorwürfe der Vetternwirtschaft, der persönlichen Bereicherung sowie der mangelnden Transparenz wies der frühere Torjäger als "ungeheuerlich und respektlos" zurück.

Der Klubchef kündigte sogar an, erneute Verdächtigungen "strafrechtlich verfolgen" zu lassen.

Rombach würdigt Kuntz' Leistungen

Schon zu Beginn der Versammlung, an der auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und FCK-Edelfan Kurt Beck teilnahm, hatte der Aufsichtsrat dem Klubchef das Vertrauen ausgesprochen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Rombach würdigte die Leistungen von Kuntz, der den chronisch klammen Klub vor dem Abstieg in die Dritten Liga und der drohenden Pleite gerettet hatte, bevor er den 17.794 Mitglieder zählenden Verein wieder in die Eliteklasse führte.

Motto: "Sofortiger Wiederaufstieg"

"Der Aufsichtsrat sieht keine Alternative zu Stefan Kuntz", sagte Rombach, der die Sitzung um 23.42 Uhr schlos.

"Wir hatten dreieinhalb erfolgreiche Jahre, dann ging die Rückrunde sportlich komplett in Hose. Dennoch ist die wirtschaftliche Basis gesichert, um eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Das Motto kann nur sofortiger Wiederaufstieg heißen."

Zu diesem Zweck plant Kuntz, der laut Rombach aufgrund des Abstiegs 40 Prozent seines Gehalts einbüßt, den großen personellen Umbruch.

Sicher ist bereits, dass Sandro Wagner, Nicolai Jörgensen, Thanos Petsos, Dorge Kouemaha, Lucas und Kevin Trapp den auf zehn Millionen Euro zusammengestrichenen Etat nicht mehr belasten werden.

Die Zukunft von Kapitän Christian Tiffert, Pierre De Wit, Ilijan Micanski, Clemens Walch, Gil Vermouth und Chadli Amri ist offen. Als Neuzugänge stehen Mimoun Azaouagh und Albert Bunjaku fest.

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