Rene Adler debütierte im Oktober 2008 bei der EM-Quali im Nationalteam © getty

Nach monatelangem landet Ex-Nationalkeeper Rene Adler beim HSV, der auf "bezahlbare" Profis setzt. Der Transfer ist umstritten.

Hamburg - Rene Adlers Lieblingsband Foo Fighters bringt es auf den Punkt. "Kannst du nicht sehen, dass ich lange genug gewartet habe? Wo fange ich an?", singen die US-Rocker in "Walk".

Nach einer schweren Knieverletzung und zähen Verhandlungen war es um den ehemaligen Nationaltorwart Adler bei Bayer Leverkusen ruhig geworden.

Doch nun unterschreibt er beim Hamburger SV - Adler will künftig wieder zwischen den Pfosten rocken.

Von Trainer Thorsten Fink bekam Adler direkt eine Stammplatzgarantie. "Es ist klar, dass Rene bei uns die Nummer 1 ist. Sonst würden wir so einen Transfer nicht tätigen", sagte Fink bei "Sky". Der bisherige Stammkeeper Jaroslav Drobny steht aktuell noch unter Vertrag, sucht aber einen neuen Verein.

"Wenn man einen Nationaltorhüter von Deutschland im Alter von 27 Jahren bekommen kann, dann ist das eine spezielle Situation, die man nutzen muss", sagte HSV-Sportdirektor Frank Arnesen am Mittwoch.

United-Traum fast greifbar

Am Vorabend hatte er davon auch den Aufsichtsrat des Klubs überzeugen können - er erhielt grünes Licht für einen Vertragsabschluss bis 2016.

Für Adler bedeutet die Unterschrift, die ihm 2,7 Millionen Euro pro Jahr einbringen soll, das Ende eines Sturzflugs, der vor der WM 2010 seinen Anfang genommen hatte. Der gebürtige Leipziger galt als Nummer 1 des Bundestrainers Joachim Löw, selbst Manchester United klopfte an.

Als Junge hatte Adler sein Kinderzimmer mit Postern von Uniteds Torwart-Idol Peter Schmeichel dekoriert, plötzlich wähnte er sich seinem Traumklub ganz nah.

Adrenalin nur noch auf Konzerten

Doch dann erfuhr Adler, dass "oben bleiben viel schwerer ist als oben ankommen", wie es in der Biographie auf seiner Homepage steht.

Adrenalin konnte er zwar noch bei gelegentlichen Konzertbesuchen vespüren, aber immer seltener auf der Fußball-Bühne.

Denn alles lief plötzlich schief. 51 Tage vor der WM erlitt Adler einen Rippenbruch - das Aus für das Turnier in Südafrika. Das Verletzungspech setzte sich vor Saisonbeginn fort und führte zu einer Patellasehnen-OP.

Ein Jahr lang nicht mehr im Bundesliga-Tor

Und dann verpokerte sich Adler in den Vertragsverhandlungen mit Leverkusen auch noch. "Wir hätten gerne mit ihm verlängert, aber das ging ja nicht", sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler vieldeutig.

Die Werkself reagierte mit der Verpflichtung des überzeugenden Nachwuchs-Keepers Bernd Leno und hatte für Adler plötzlich keine Verwendung. Interesse aus dem Ausland gab es da längst nicht mehr.

Nun landet Adler also beim Hamburger SV, eine nicht unumstrittene Verpflichtung. In dieser Spielzeit hat der 1,90 m große Torwart lediglich zwei Einsätze in der Regionalliga absolviert, in der Bundesliga streifte er zuletzt im Mai 2011 die Handschuhe über.

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Drobny vor dem Aus

Sein Vorgänger Jaroslav Drobny überzeugte in der zweiten Saisonhälfte und hatte einen großen Anteil am Klassenerhalt. Und auch Drobny verfügt noch über einen gültigen Vertrag bis zum kommenden Sommer.

"Sicherlich wäre das keine optimale Konstellation für einen Trainer, schließlich muss man sich ja irgendwann zu einer klaren Nummer eins bekennen", sagte Trainer Thorsten Fink dem Hamburger "Abendblatt".

Drobny soll den Verein also noch verlassen, dazu dürften sich Profis gesellen, die Fink mit ihrer "Mentalität" in den vergangenen Monaten nicht überzeugt haben.

Rudnevs im Anflug

Per Skjelbred und Robert Tesche gehören dazu, besonders im defensiven Mittelfeld will der HSV-Trainer nachlegen. "Bezahlbar" müssen die Spieler sein, "aber über eine gute Qualität verfügen", sagte Arnesen.

Etwas teurer, aber anscheinend immer noch bezahlbar war der lettische Torjäger Artjoms Rudnevs, den Rene Adler an der Elbe antreffen wird.

Der Torschützenkönig der ersten polnischen Liga kommt von Lech Posen und kostet den HSV 3,5 Millionen Euro.

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