Düsseldorfer Jubel: Sascha Rösler (2.v.l.) will mit der Fortuna in die Bundesliga aufsteigen © imago

Vor dem Relegations-Start steigt die Spannung in beiden Lagern. Hertha ist siegessicher, Fortuna froh über prominenten DFB-Fan.

Berlin/München - "König Otto" schwingt zum Ende seiner Regentschaft das Zepter noch einmal wortgewaltig.

Das Denkmal Otto Rehhagel am Ende einer 40-jährigen Trainerkarriere von seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf besudeln zu lassen - undenkbar.

"Wir sind Favorit", tönte der Hertha-Coach vor dem Hinspiel der Relegation am Donnerstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und 23.30 Uhr im TV auf SPORT1) und erhob sein altes Credo zum Diktat: "Kontrollierte Offensive - das ist wichtig. Wir dürfen kein Tor kassieren."

"Bin sicher, wir machen ein großes Spiel"

Nach der Wiederauferstehung der Hertha beim 3:1 am Samstag gegen 1899 Hoffenheim versprüht Rehhagel, der am 24. August 1963 als Abwehrspieler der Hertha in der Bundesliga aufgetaucht war, reichlich Optimismus 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

"Viele Spieler sind zurück. Wir können aus dem Vollen schöpfen. Ich bin mir sicher, die Jungs machen ein großes Spiel."

Berliner Fans heiß auf Karten

Auch unter Herthas Anhängern ist die Euphorie nach Monaten der Misere zurück. Am Dienstag standen die ersten Fans schon morgens um 6 Uhr in der Geschäftsstelle an, um Tickets zu ordern.

Mit 74.224 Zuschauern wird das Olympiastadion wohl ausverkauft sein.

Weniger günstig schätzt Ex-Nationalspieler Günter Netzer die Lage für Berlin ein. "Sorry Otto, die Düsseldorfer sind für mich leichter Favorit, weil sie im Rückspiel Heimrecht haben", sagte Netzer der "Bild".

Reise in die Vergangenheit

Für Rehhagel ist die Partie auch deshalb pikant, weil er zwischen Oktober 1979 und Dezember 1980 die Fortuna trainierte und mit den Rheinländern den DFB-Pokal gewann.

Zudem hatte er mit Fortuna-Trainer Norbert Meier neun gemeinsame Jahre bei Werder Bremen.

Rehhagel: "Wir sind zusammen aufgestiegen und Meister geworden. Ich war auf seiner Hochzeit und habe ihm das Du angeboten - wir haben also ein sehr gutes Verhältnis."

Meier indes blieb cool: "Er war mein Trainer, ich sein Spieler. Das ist über 20 Jahre her. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Preetz will Katastrophe abwenden

Auch Herthas Manager Michael Preetz, der als gebürtiger Düsseldorfer zu Beginn seiner Karriere einige Jahre für Fortuna auf Torejagd ging, bemüht sich um Sachlichkeit:

"Die Tatsache, dass ich in Düsseldorf geboren bin und dort eine Vergangenheit als Spieler habe, wird in der Relegation keine Rolle spielen. Dafür geht es um zu viel", sagte Preetz.

Ein zweiter Abstieg innerhalb von zwei Jahren wäre für Preetz und die Hertha eine Katastrophe. Wegen der miserablen finanziellen Verhältnisse droht sogar ein langer Abschied aus der Bundesliga.

Zumindest personell sieht es für die Relegation gut aus. Bis auf Pierre-Michel Lasogga (Kreuzbandriss) kann Rehhagel aus dem Vollen schöpfen.

DFB-Präsident unterstützt Fortuna

Einer, der trotz seiner Neutralität von Amts wegen wohl eher zu Düsseldorf halten wird, ist DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

"Düsseldorf ist meine Heimatstadt. Ich bin überzeugter Düsseldorfer", sagte Niersbach vor dem ersten Aufeinandertreffen.

Die Fortuna, seit nun 15 Jahren unterklassig unterwegs, hat es dem früheren Sportjournalisten angetan. Elf Jahre lang verantwortete er das Stadionmagazin Fortuna aktuell, unzählige Male hat er von Heimspielen im alten Rheinstadion berichtet.

1980, als Rehhagel Trainer in Düsseldorf war, schrieb er sogar eine Vereinschronik.

Am Donnerstag und im Rückspiel am Dienstag wird Niersbach sich live vor Ort anschauen, wie der Außenseiter versucht, seinen Traum zu verwirklichen.

Große Euphorie in Düsseldorf, Werner gerührt

Bis zu 7000 Fans sollen den zweimaligen DFB-Pokal-Sieger begleiten, für das Rückspiel hätte Fortuna auch "100.000 Karten absetzen können", wie Präsident Peter Frymuth am Dienstag berichtete.

Trotz der mäßigen Rückrunde mit nur vier Siegen ist die Euphorie am Rhein riesengroß.

"Fortuna hat eine Fußballstadt aus Düsseldorf gemacht", sagt Sportvorstand Wolf Werner in der "Rheinischen Post" fast gerührt.

"Wenn mir das alles vor fünf Jahren, als ich meinen Job als Manager antrat, jemand prophezeit hätte, den hätte ich in die Irrenanstalt bringen lassen."

Meiers Personal wieder fit

Trainer Norbert Meier hofft noch, dass sein Abwehrspieler Jens Langeneke wieder spielen kann. Es sieht gut aus.

"Und auch bei Maximilian Beister wird es von Tag zu Tag besser", berichtet Meier, während es bei dem seit fünf Wochen verletzten Außenverteidiger Johannes van den Bergh höchstens mit einem Einsatz im Rückspiel klappen dürfte.

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