Otto Rehhagel wurde 2004 mit Griechenland Europameister © getty

Die Berliner wollen ihren Schwung mit in die Relegation nehmen. Das Spiel gegen Düsseldorf wird zum Wiedersehen alter Bekannter.

Berlin - Otto Rehhagel ließ sich nicht anmerken, dass es in den wohl letzten beiden Spielen seiner unvergleichlichen Trainerkarriere um alles oder nichts geht.

"Das ganze Gequatsche bringt doch nichts, wichtig ist auf'm Platz!", sagte der 73 Jahre alte Trainer von Hertha BSC gut gelaunt und beendete die Pressekonferenz zwei Tage vor dem Hinspiel in der Relegation am Donnerstag gegen Fortuna Düsseldorf (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) lächelnd mit dem Berühmten Zitat von Adi Preisler.

"König Otto" demonstrierte am Dienstag Lockerheit, und seine Botschaft war klar: Er möchte nicht, dass das wichtigste Duell der Saison zur Zitterpartie, zum Nervenspiel, zu einem "Hertha-Fall" für alle Berliner wird. "Wir wollen diese Chance unbedingt nutzen", sagte Rehhagel (Zusammenfassung, Do., ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

"Das haben unsere phantastischen Fans verdient"

Fast im Plauderton beschrieb er die Bedeutung der beiden Spiele gegen den Dritten der 2. Liga:

"Wir sind alle unter Anspannung und wollen, dass Berlin und Hertha BSC in der Bundesliga bleiben. Ich habe ja schon eine Menge gelebt in meinem Leben, und ich habe viele Freunde, die mich angerufen haben, um mir zu sagen: Wir möchten, dass die Hauptstadt in der Bundesliga bleibt. Wir müssen eben gewinnen, aber wir wissen, dass das nicht so einfach wird."

Manager Preetz wirkt angespannt

Erheblich angespannter wirkte Manager Michael Preetz. "Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass es zwei ganz ganz wichtige Spiele werden. Unser Ziel ist, dass Hertha BSC nächste Saison weiter in der Bundesliga spielt. Das haben unsere phantastischen Fans verdient", sagte Preetz, dessen Job wohl auf dem Spiel steht:

"Es geht für den Verein um die Bundesliga, das ist Bedeutung genug." 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag)

Einzelgespräche mit den Profis

Beim letzten öffentlichen Training am Montag war den Beobachtern schnell klar geworden, wie Rehhagel seine Profis vor dem richtungweisenden Duell anfasst.

Zunächst beobachtete er die Spieler bei Pass- und Schussübungen sowie im Trainingsspiel mit Adleraugen, dann schnappte er sich einen nach dem anderen zu Einzelgesprächen. Raffael, Adrian Ramos und Co. sogen die Worte des Trainerfuchses quasi auf.

Die "Operation Klassenerhalt" ist nun mehr denn je Chefsache.

Kein Kommentar zu Düsseldorf

Noch am Sonntag hatte sich Rehhagel gemeinsam mit Preetz in Düsseldorf persönlich ein Bild von der Fortuna gemacht. Was sie beim 2:2 im Straßenbahnderby gegen den MSV Duisburg sahen, dürfte sie nicht in Panik versetzt haben.

Wie schon seit Monaten war die Fortuna auf der Suche nach dem Selbstvertrauen, der Kompaktheit aus der Hinrunde. Am Donnerstag wurde Rehhagel zwar nach seinen Eindrücken über den Gegner gefragt, der Altmeister gab allerdings keine konkrete Antwort.

"Sehr gutes Verhältnis" zu Fortuna-Trainer Meier

Die Berührungspunkte, die Rehhagel und Preetz mit der Fortuna haben, sollen keine Rolle spielen. "Es hatte eine große Bedeutung, damals den Pokal mit Düsseldorf zu gewinnen", sagte Rehhagel, der zwischen Oktober 1979 und Dezember 1980 die Fortuna trainiert und im Pokal-Finale ausgerechnet einen Sieg gegen den 1. FC Köln bejubelt hatte.

Zudem hatte er mit Fortuna-Trainer Norbert Meier neun gemeinsame Jahre bei Werder Bremen. Rehhagel: "Wir sind zusammen aufgestiegen und Meister geworden. Ich war auf seiner Hochzeit und habe ihm das Du angeboten - wir haben also ein sehr gutes Verhältnis."

Rehhagel: "Wir sind der Favorit"

Preetz trug zwischen 1982 und 1990 das Fortuna-Trikot. "Das wird für die Partie keine Rolle spielen", sagte Preetz: "Dafür geht es um zu viel. Ich und die Mannschaft werden alles für unser Ziel tun."

Rehhagel sieht sein Team nach dem 3:1 im Saisonfinale gegen 1899 Hoffenheim (Nachbericht) offenbar auch psychologisch im Vorteil.

"Das Spiel am Samstag hat gezeigt: Die Jungs waren immer bereit, alles zu geben. Niemand von den Spielern will absteigen. Das wurde ja von einigen Leuten angezweifelt, es stimmte aber nicht", sagte der Coach:

"Wir sind der Favorit, aber nicht immer gewinnt der Favorit auch. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit der Unterstützung der Zuschauer ein großes Spiel machen und dieses Spiel gewinnen."

Nur Lasogga fehlt

Gut möglich, dass Rehhagel am Donnerstag im ausverkauften Olympiastadion (bis Dienstagmittag waren bereits 55.000 Karten verkauft) mit derselben Elf beginnen wird, die auch gegen Hoffenheim auflief - mit Ausnahme des verletzten Pierre-Michel Lasogga, der am Samstag einen Kreuzbandriss erlitt.

"Never change a winning Team", sagte Rehhagel und lächelte wieder: "Aber das hat bei mir ja nicht immer Bestand."

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