Abschiedsgruß: Tom Starke absolvierte seit 2010 für 1899 Hoffenheim 57 Spiele © imago

Tom Starke spricht bei SPORT1 über sein Aus in Hoffenheim, das Interesse der Bayern und ein "ehrliches" Gespräch mit Babbel.

Von Reinhard Franke

München - Ehrlich, gradlinig, konsequent.

Das sind Attribute, für die Hoffenheims Torwart Tom Starke steht. Er sagt immer seine Meinung - frei raus.

Dass er einmal in eine Situation kommen würde, in der ihm die Worte fehlen, hätte Starke nicht gedacht.

So geschehen zuletzt, als ihm der Verein mitteilte, dass nicht mehr mit ihm geplant wird. Hoffenheim hat Tim Wiese verpflichtet, mit dem nach Platz elf in dieser Saison höher hinausgehen soll (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Starke ist der Leidtragende: Der Verein hat die bisherige Nummer eins freigestellt, die dennoch bis zum letzten Tag weiter trainiert.

Bei SPORT1 spricht der 31-Jährige über die Enttäuschung, von heute auf morgen nicht mehr gebraucht zu werden, seine Zukunftspläne und ein ehrliches Gespräch mit Coach Markus Babbel.

SPORT1: Herr Starke, ausgerechnet in Ihrem letzten Heimspiel gegen Nürnberg haben Sie beim 0:1 einen Fehler gemacht, der zu einem Gegentor führte. Hat Sie Tim Wieses Verpflichtung und Ihr damit verbundenes Aus aus der Fassung gebracht?

Starke: Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass auch mal ein Fehler dazu gehört. Ich bin aber irgendwo auch nur ein Mensch und das sind keine Sachen, die einen unberührt lassen. So eine leichte Nervosität war schon dabei, weil ich wusste, dass der Fokus total auf mir lag. Von daher war es umso bitterer, dass mir da so ein Fehler unterlaufen ist. Ich hätte mir in meinem letzten Heimspiel für den Verein sicherlich etwas anderes gewünscht.

SPORT1: Sie hätten sich sicherlich auch ein etwas schöneres Ende in Hoffenheim gewünscht, oder?

Starke: Ich kenne das Geschäft sehr gut und so sind die Regularien, wenn ein Trainer oder Manager das so sieht, muss ich es akzeptieren und es geht weiter. Es ist wirklich schade, weil es hier doch sehr viel Spaß gemacht hat, aber es muss weitergehen.

SPORT1: Lässt Sie diese Entscheidung wirklich so kalt?

Starke: Nein, das lässt mich weiß Gott nicht kalt. Ich kann es auch nicht einfach so abstreifen, aber ich muss es. Ich hätte mir mein Ende schon anders gewünscht und es war natürlich eine Enttäuschung. Es soll keine Floskel sein, aber ich habe die Sache angenommen und als neue Herausforderung gesehen. Es kam für mich sehr überraschend und deshalb wollte ich mich in Berlin nochmal mit einer Topleistung aus Hoffenheim verabschieden.

SPORT1: Wie schwer waren die letzten Spiele, während der Sie schon wussten, dass Sie demnächst gar nicht mehr erwünscht sind.

Starke: Ich habe mit Markus Babbel gesprochen und ich sehe es gar nicht so, dass ich nicht mehr erwünscht bin, sondern er ist einfach vom Torwart Tim Wiese so angetan und überzeugt, dass er das gerne machen wollte. Ich sehe das gar nicht als eine Sache gegen mich, sondern für einen anderen. Ich habe gar nicht so einen großen Groll.

SPORT1: Wirklich nicht? Wie schwer fiel es Ihnen denn sich zuletzt zu motivieren, wo Sie ja wussten, dass ab der nächsten Saison ein Anderer zwischen den Pfosten steht?

Starke: Dazu bin ich zu sehr Profi. Ich will gar nicht groß rumjammern und rumheulen, ich wollte und musste auch Stärke zeigen. Ich wollte bis zuletzt mein Ding in Hoffenheim durchziehen und jetzt schaue ich mal, was kommt. Mein Berater ist schon auf der Suche, klappert alles ab und schaut nach einer neuen Herausforderung für mich.

SPORT1: Die Fans wollten Sie unbedingt behalten. Im letzten Heimspiel gab es Sympathiebekundungen für Sie mit Spruchbändern "Starke für Deutschland".

Starke: Es war ein schönes Gefühl, zu sehen, dass in den zwei Jahren, wo ich in Hoffenheim war, schon so etwas gewachsen ist zwischen den Fans und mir. Die Leute im Umfeld haben immer gesehen, wofür ich stehe, was ich geleistet habe und das ist eine schöne Bestätigung. Da weiß ich, dass ich nicht alles falsch gemacht habe.

SPORT1: Wie fühlt man sich, wenn sich ein Trainer wie Babbel so klar für einen anderen Torwart ausspricht?

Starke: Ich trete nicht nach. Unser Verhältnis ist in Ordnung, weil er ehrlich zu mir war. Das habe ich in unserem Gespräch so empfunden. Natürlich ist die Entscheidung traurig für mich, aber es geht nicht um Einzelpersonen, sondern Babbel hat mir klar gesagt, dass er Tim Wiese super findet und hatte von Anfang an gesagt, dass er versucht ihn für Hoffenheim zu gewinnen und das muss ich akzeptieren. Er hat mich nicht angelogen oder hat mir nichts vorgemacht. Von daher ist das in Ordnung.

SPORT1: Wie geht es jetzt mit Ihnen weiter? Bremen soll Interesse haben und beim FC Bayern werden Sie als neue Nummer 2 gehandelt.

Starke: Das mit Bayern habe ich auch gelesen. Es ist schön wenn so ein Verein sein Interesse zeigt, das zeigt mir auch, dass ich es ganz ordentlich gemacht haben muss. Das ist im Moment aber noch sehr weit weg und ich kann das nicht direkt und klar beantworten. Ich mache jetzt Urlaub und mir Gedanken über alles.

SPORT1: Wie sehen denn Ihre aktuellen Gedanken aus?

Starke: Ich bin nach allen Seiten offen. Eins steht fest: ich will noch spielen, das könnte ich ja bei Bayern nicht so oft als Nummer 2. Bayern ist aber natürlich schon ein toller Verein und ein ganz anderer Fall. Ich bin auch nicht abgeneigt, was das Ausland betrifft. Ich muss noch ein bisschen vorsichtig sein, was ich sage, denn noch bin ich ja bei Hoffenheim unter Vertrag - auch wenn ich die Freigabe schon erteilt bekommen habe.

SPORT1: Was nehmen Sie mit aus Ihrer Zeit im Kraichgau?

Starke: Bis jetzt war es für mich persönlich eine sehr schöne Zeit. Noch ist sie nicht zu Ende, wir trainieren diese Woche noch. Im Kraichgau ist es wunderschön. Sportlich sind wir einen Weg gegangen und konnten zwei Jahre die Liga halten, es ging viel auf und ab. Wir werden uns jetzt nochmal zusammensetzen und alles besprechen. Ich nehme schon einiges mit, was Emotionen betrifft.

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