Hertha BSC Berlin trifft in der Relegation auf Zweitligist Fortuna Düsseldorf © imago

Düsseldorf steht als Relegations-Gegner für Berlin fest. Der Existenzkampf wird durch Lasoggas schwere Verletzung erschwert.

Von Martin Hoffmann

München - Vielleicht war es ja die Ehrlichkeit, die der Hertha half.

"Absolute Scheiße" hätten sie in vielen Spielen abgeliefert: So stand es in einem offenen Brief, in dem sich die Berliner Spieler vor dem Saisonfinale an den eigenen Anhang wandten.

Das dürfte der Grund gewesen sein, warum der Klub das Stadion beim Existenzkampf gegen Hoffenheim nicht ausverkauft bekam.

Die 51.837 Fans, die da waren, feuerten ihr Team jedoch mit Leidenschaft an - und mit Erfolg.

Und nach dem 3:1-Erfolg gegen das Team von Ex-Coach Markus Babbel (Nachbericht) hat nun ein Sturmlauf auf die Relegationstickets eingesetzt.

Schon 30.000 Tickets verkauft

5500 Karten für das Hinspiel am Donnerstag waren schon direkt nach dem Abpfiff verkauft, mittlerweile sind schon 30.000 abgesetzt.

Die Berliner werden jede Unterstützung brauchen können:

Zum einen, weil der nun feststehende Gegner Fortuna Düsseldorf Otto Rehhagels Mannen mehr abverlangen wird als die nur zum Teil motivierten Hoffenheimer.

Zum anderen, weil diese ohne ihren treffsichersten Angreifer auskommen müssen 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

Lasogga "total fertig"

Pierre-Michel Lasogga (acht Tore) musste gegen Hoffenheim in der 60. Minute verletzt vom Feld, am Abend folgte die befürchtete Diagnose: Kreuzbandriss, sechs Monate Pause. Mindestens.

"Klar, dass ich total fertig bin", sagte Lasogga am Sonntagmorgen:

"Ich wusste sofort, dass da etwas gar nicht in Ordnung ist. Aber ich komme zurück, keine Frage. Jetzt müssen die Jungs das Ding auch für mich durchziehen."

Manager Michael Preetz sprach ebenfalls von einem "absoluten Wermutstropfen".

Ben-Hatira: Der Mann für gewisse Momente

Durch Lasoggas Ausfall wird der Held des Hoffenheim-Spiels auch in der Relegation umso mehr zum Hoffnungsträger.

Änis Ben-Hatira tut sich jedenfalls immer mehr hervor als der Mann für die gewissen Momente.

Die beiden Treffer gegen 1899 waren ebenso wichtig wie sein 1:0 beim letzten Hertha-Sieg gegen Mainz sechs Wochen zuvor - es waren aber auch seine einzigen.

Der Deutsch-Tunesier, der vor der Saison vom Hamburger SV zur Hertha kam, taugt als gebürtiger Berliner zur Identifikationsfigur.

Rehhagel kritisiert Matchwinner

Aber auch nach seinem bislang größten Tag verwies Rehhagel darauf, warum der offensive Mittelfeldmann bisher nur bedingt in diese Rolle gefunden hatte.

"Er muss wissen, wann er Individualarbeit und wann Teamarbeit leisten muss. Das ist wichtig", führte der Trainer-Routinier aus:

"Er ist ein großes Talent, aber er verpasst manchmal das Abspiel."

Heiß auf Wiedergutmachung

Ben-Hatira ist in der Relegation darauf aus, die Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen - die eigenen wie die der Mannschaft.

"Wir hatten schlechte Spiele, in denen wir ganz Berlin enttäuscht haben", meinte der 23-Jährige.

Der Sieg gegen Hoffenheim sei daher "nur der erste Schritt in die Richtung".

"Sehr unangenehmer Gegner"

Der endgültige muss gegen die Fortuna erfolgen, die Rehhagel und Preetz am Sonntag schon gemeinsam beim 2:2 gegen den MSV Duisburg beobachtet haben.

Dass Düsseldorf "ein sehr unangenehmer Gegner" werden würde, hatte der Manager schon vorher festgehalten.

"Es sollte allen klar sein: Für uns Herthaner werden das keine einfachen Spiele. Wir müssen noch einmal alles in die Waagschale werfen", ergänzte Rehhagel am Sonntag.

Wiedersehen mit "Heimspiel-Meier"

Die Konstellation wird nicht angenehmer durch die persönliche Vorgeschichte der Trainer.

Meier war zwischen 1981 und 1989 als Spieler bei Werder Bremen unter Otto Rehhagel aktiv, das Verhältnis beider war dabei nicht immer reibungsfrei.

Zur Legende wurde Rehhagels Angewohnheit, Meier bei Auswärtsspielen immer wieder auszuwechseln oder ihn erst gar nicht erst einzusetzen - wofür Meier den Spitznamen "Heimspiel-Meier" verpasst bekam.

Er kann seinem alten Chef am Donnerstag zeigen, was er als Trainer auf fremden Plätzen zustande bringt.

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