Frank Schaefer hat als Interimscoach vier Spiele den FC trainiert © getty

Der FC-Interimstrainer spricht über seine Zukunft und die des Klubs. Die Gesellschafterversammlung soll Scherben zusammenkehren.

Köln - Eine Nacht ist vergangen, doch der Schmerz über den Abstieg lastet weiter tonnenschwer auf dem Geißbockheim.

Entsprechend schweigsam machten sich am Sonntagmorgen Kölns Präsident Werner Spinner, Vize Markus Ritterbach und Verwaltungsratschef Werner Wolf auf den Weg zur Gesellschafterversammlung am Klubsitz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auf der Sitzung, an der auch Vizepräsident Toni Schumacher teilnahm, sollte über die Ausrichtung des Klubs gesprochen werden.

Zudem muss sich Köln dringend darum kümmern, einen neuen Trainer und Sportchef zu finden.

Stanislawski, Büskens und Luhukay Kandidaten

Interims-Coach Frank Schaefer hatte die Mannschaft beim 1:4 gegen Bayern München (Nachbericht) zum letzten Mal betreut, wird nicht weitermachen.

Er hatte nur einen Punkt in vier Spielen geholt.

Als Kandidaten für die Nachfolge werden unter anderem Holger Stanislawski (zuletzt Hoffenheim), der aktuelle Fürther Trainer Mike Büskens und der in Augsburg zurückgetretene Jos Luhukay gehandelt.

Derweil gab es bei der Suche nach einem Sportdirektor eine erste Absage.

Schmadtke schließt Engagement aus

Hannovers scheidender Sportdirektor Jörg Schmadtke hat einen Wechsel zum Absteiger ausgeschlossen.

"Wenn ich höre, dass in drei Wochen ein Sportdirektor in Köln präsentiert wird, dann kann ich das ausschließen, dass ich das bin", sagte Schmadtke bei "Sky".

"Ich werde eine Auszeit nehmen müssen, weil das Wichtigste nicht der Fußball ist, sondern meine Familie - und dem werde ich gerecht werden."

20 Randalierer mit Augenreizungen

In Köln ist indes nach der ersten Enttäuschung über den Abstieg Ruhe eingekehrt.

Nach den Krawallen im Stadion berichtet die Polizei in einer vorläufigen Bilanz von drei leicht verletzten Beamten und etwa 20 Randalierern, die Augenreizungen wegen des Pfefferspray-Einsatzes davontrugen 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

Im Anschluss an das Spiel blieb es in der Stadt aber weitgehend ruhig.

Allerdings randalierten Unbekannte im Hausflur von FC-Kapitän Pedro Geromel, der zu diesem Zeitpunkt nicht daheim war.

Meldungen, nach denen Wohnungen der Kölner Profis unter Schutz gestellt werden mussten, konnte die Behörde nicht bestätigen.

Kölns Interimscoach Schaefer litt wie der gesamte Klub nach dem Absturz in die Zweite Liga, stand nach der Partie aber im Gegensatz zu fast allen Spielern sämtliche Interviews und auch die Pressekonferenz durch.

Im Interview spricht Schaefer über den bitteren Moment des Abstiegs, erforderliche Umstellungen im Team, Lukas Podolski und seine eigene Zukunft.

Frage: Herr Schaefer, der 1. FC Köln ist wieder einmal abgestiegen, diesmal mit Ihnen als Interimstrainer. Sie sind dem Verein emotional sehr verbunden, was fühlen Sie nun?

Frank Schaefer: Das ist ein ganz bitterer und schwarzer Tag. Was bei mir hängenbleibt, ist, dass es ein so brutal unnötiger Abstieg war. Dass wir als Verein mit dieser Kraft, dieser Power, diesen Fans und dieser Größe den Abstieg nicht vermeiden konnten, ist bitter. Diese Mannschaft hätte, wenn sie funktioniert hätte und gut ausbalanciert gewesen wäre, das Potenzial gehabt, den Abstieg aber auch ganz klar zu vermeiden.

Frage: Muss bei der Mannschaft deshalb nun ein klarer Schnitt gemacht werden?

Schaefer: Ja. Es ist wichtig, dass diese Mannschaft ein neues Gesicht bekommt.

Frage: Welche Schuld geben Sie sich selbst nach nur vier Spielen auf der Bank?

Schaefer: Ich bin niemand, der sich Verantwortung entzieht, aber ich habe hier in vielerlei Hinsicht eine ganz komplizierte Konstellation vorgefunden.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Entscheidungen im Rückblick?

Schaefer: Ich bin angetreten, um den Klassenerhalt zu schaffen. Der Optimismus war nie gespielt. Bis zur heutigen Halbzeit habe ich daraus meine Kraft gezogen. Es war eine ganz komplizierte Situation und wir haben versucht, jeden Tag das Beste zu geben. Es hat nicht gereicht.

Frage: Wann haben Sie gegen die Bayern befürchtet, dass es das war?

Schaefer: Nach dem Doppelschlag zum 0:2. Das zweite Tor war symptomatisch. Zwei Spieler schießen sich an und der Ball geht ins Tor. Da war es richtig schwierig noch mal ins Spiel zu kommen.

Frage: Ist denn ausgeschlossen, dass Sie als Trainer weitermachen?

Schaefer: Ich habe vor drei Wochen gesagt, dass ich für diesen Zeitraum zur Verfügung stehe, darüber hinaus aber nicht. Ich werde aber auf jeden Fall weiter für den Verein arbeiten, in einer Funktion, die wir in den nächsten ein bis zwei Wochen noch fixieren müssen, in der ich aber am Prozess des Neuaufbaus beteiligt bin

Frage: Lukas Podolski verabschiedet sich nun zum zweiten Mal mit dem Abstieg. Leiden Sie auch mit ihm?

Schaefer: Das ist eine schwarze Stunde für uns alle. Auch für Lukas, der sich wie kein Zweiter extrem mit dem Verein identifiziert. Es ist natürlich ganz schwierig für ihn, sich mit dem Abstieg aus Köln zu verabschieden.

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