Noch während des Spiels zündeten Fans Rauchbomben und Bengalos © getty

Podolski verlässt frustriert den FC, der Star kann die Pleite gegen Bayern nicht verhindern. Trainer Schaefer nennt Fehler.

Von Mathias Frohnapfel und Thorsten Langenbahn

München/Köln - Die Mitspieler rasten in die Kabine, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her gewesen.

Lukas Podolski hatte es etwas weniger eilig. Da konnten Köln-Fans toben, wie sie wollten, Rauchbomben und Bengalos die Arena in Müngersdorf in eine surreale Atmosphäre tauchen 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

Nach dem Bundesliga-Abstieg war Kölns Vorzeigestürmer so ziemlich alles egal (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das ist eine der bittersten Niederlagen für mich, das muss man erst einmal verdauen", erklärte Podolski zerknirscht nach der 1:4-Pleite gegen den FC Bayern (Spielbericht) .

Da Hertha zeitgleich Hoffenheim schlug, rutschte Köln auf Platz 17 ab.

Rabenschwarzer Tag für Podolski

Für Podolski war es der dritte Abstieg mit dem FC und ein rabenschwarzer Tag in seiner Karriere.

Der Nationalspieler hatte sich trotz Magen-Darm-Problemen zum Einsatz gemeldet, neben einigen guten, aber vergebenen Chancen in der ersten Hälfte war aber von ihm wenig zu sehen.

Und die Vorlage zum Kölner Ehrentreffer hatte eh nur kosmetischen Wert.

"Wir sind nicht erst heute abgestiegen", fand Podolski.

"Das ist das Gesamtwerk der letzten Monate, bei so vielen Niederlagen und Gegentoren haben wir es nicht verdient, in der Liga zu bleiben."

Dabei hätte selbst die finale Pleite gegen die Bayern im Energiesparmodus vermieden werden können, doch Köln erging es wie so oft in dieser vermaledeiten Spielzeit.

"Einbruch nach dem 0:1"

"Wir haben bis zum 0:1 gut gespielt, mit Bayern mitgehalten, aber verpasst das Tor zu machen. Danach gab es wieder einen Einbruch", analysierte Podolski auf SPORT1-Nachfrage.

Nur einer Hundertschaft der Polizei war es zuvor zu verdanken gewesen, dass die große Eskalation ausblieb.

Allerdings wurden bei den Auseinandersetzungen einige Personen verletzt.

"Solche Szenen gehören nicht zum Fußball, ich kann aber die Emotionen der Fans verstehen, sie hängen am Klub", äußerte sich Podolski zurückhaltend zu den Krawallmachern.

In der kommenden Saison wird er für den FC Arsenal stürmen und somit ebenso vom Krisenherd weg sein wie Trainer Frank Schaefer.

Schaefer tieftraurig

Der Interimstrainer wird in anderer Funktion beim Klub bleiben, lediglich den Übergang moderieren.

"Wir haben alles probiert, was momentan möglich ist mit dieser Mannschaft", sagte Schaefer bei LIGA total!.

Trotz des bitteren Moments versuchte das Kölner Urgestein ruhig zu bleiben und seine Gefühle zu kontrollieren.

"Ein so unnötiger Abstieg"

Die Trauer und Anspannung war dennoch unübersehbar. "Das Fatale an dieser ganzen Situation ist: Das war ein so unnötiger Abstieg!"

Und er fügte an: "Diese Mannschaft hätte, wenn sie funktioniert hätte und gut ausbalanciert gewesen wäre, das Potenzial gehabt, den Abstieg aber auch ganz klar zu vermeiden."

Randale in Geromels Hausflur

Der Frust der Fans war so groß, dass laut Polizei sogar Anhänger im Hausflur eines FC-Profis randalierten.

Dabei hat es sich wohl um das Haus von Kapitän Pedro Geromel gehandelt.

Der unglückliche Eigentorschütze war zu dem Zeitpunkt aber nicht daheim.

Baustellen ohne Ende

Natürlich waren Schaefer auch nicht die Turbulenzen einer Saison entgangen, die Material für mehrere Seifenopern geboten hätte.

Trainer Stale Solbakken brachte keine Struktur ins Team, die Fitness stimmte nicht, Präsident Wolfgang Overath warf freiwillig hin, Sportdirektor Volker Finke wurde entlassen.

Selbstgemachte Unruhe

"Vor allem in der Rückrunde haben wir auf und neben Platz leider die Performance eines Absteigers gezeigt. Es gab zu viel Unruhe, in vielen Fällen selbstgemacht", gestand auch Geschäftsfüher Claus Horstmann.

Einen Rücktritt schloss er aber aus.

Spinner blickt nach vorn

Derweil waren die neuen Granden des FC wie Präsident Werner Spinner und Vize Toni Schumacher nach dem Spiel in eine längere Analyse vertieft.

Die dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.

"Die Bitterkeit dieses schwarzen Samstags müssen wir erst mal verdauen, dann werden wir mit dem Gesellschafterausschuss die weiteren Schritte beraten", meinte Spinner.

Kritik von Experten gab es schon en masse. "Es waren zu viele Unruhepunkte in dieser Saison. Jetzt können sie sich in der Zweite Liga erholen", sagte Franz Beckenbauer bei "Sky".

Heftige Kritik von Beckenbauer

"Was mir bei den Kölner so aufgefallen ist: Dass man sich gar nicht gewehrt hat, auch nicht in den letzten Spielen", stellte der Bayern-Ehrenpräsident fest.

Bayern-Coach Jupp Heynckes bedauerte zwar den Niedergang der Rheinländer.

Der Trainer-Routinier krittelte aber mit Blick auf den Kölner Publikumsliebling der Sechziger Jahre: "Ich habe immer Hans Schäfer bewundert. Einen Spieler, der vorneweg geht und die Ärmel hochkrempelt. Das ist etwas, was ich beim 1. FC Köln diesmal nicht gesehen habe."

Gomez bleibt gelassen

Mario Gomez nahm es indes gelassen hin, dass er ohne Treffer blieb, seine Ausbeute bei 26 Toren stehen blieb.

Die Torjägerkanone geht somit an den Schalker Klaas Jan Huntelaar. "Ich hätte noch zwei Stunden spielen können und hätte nicht getroffen", meinte Gomez.

Podolski war zu dem Zeitpunkt längst verschwunden genauso wie die Rauchschwaden im Stadion - die Trauerstimmung blieb.

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