Niemeyer (l.) und Hubnik bejubeln das 1:0: Die Hertha wird mit 31 Punkten 16. © imago

Nach dem Sieg gegen Hoffenheim jubelt Hertha nur kurz. Der Blick richtet sich nicht nur bei Rehhagel schon auf die Relegation.

Von Christian Stüwe

München - Die Erleichterung in Berlin war riesig, doch sie hielt nicht lange an.

Gerade eben erst hatte sich die Hertha durch ein 3:1 gegen Hoffenheim (Bericht) und Kölns Niederlage gegen den FC Bayern (Bericht) doch noch den Relegationsplatz geschnappt, da wendete sich Matchwinner Änis Ben-Hatira direkt an die jubelnden Fans. 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag)

"Es ist noch nichts geschafft, es sind noch zwei Spiele", rief der doppelte Torschütze den begeisterten Anhängern über die Stadionanlage zu und versprach, auch in der anstehenden zwei Endspielen vollen Einsatz zu zeigen.

Trainer Otto Rehhagel wirkte unmittelbar nach Abpfiff ebenfalls sichtbar erleichtert, doch auch der Blick des Trainer-Oldies richtete sich direkt wieder auf die Partien gegen den Zweitligadritten.

"Am Samstagabend dürfen sich die Spieler und Fans noch freuen, ab Sonntag gilt die ganze Konzentration den beiden Relegationsspielen", sagte der 73 Jahre alte Coach bei LIGA total!.

Rehhagel am Sonntag in Düsseldorf

Rehhagel kündigte an, sich am Sonntag auf den Weg nach Düsseldorf zu machen, um dort den möglichen Gegner im abschließenden Spiel gegen Duisburg zu beobachten.

Seine Assistenten dürften wohl nach Hamburg reisen, um dort die beiden anderen potenziellen Gegner St. Pauli und Paderborn im direkten Duell unter die Lupe zu nehmen.

Die Berliner bekommen also keine Gelegenheit, den überaschenden Etappenerfolg im Rennen um den Klassenerhalt zu genießen.

"Das war eine Nervenschlacht"

Dabei dürfte die dramatische Partie bei den Herthanern durchaus Spuren hinterlassen haben.

"Das war eine Nervenschlacht. Wie man das übersteht, weiß man hinterher nicht mehr", berichtete Rehhagel.

Denn das Spiel stand mehrfach auf der Kippe.

Kraft im Glück

Etwa als Torwart Thomas Kraft beim Stand von 1:0 im Strafraum eine Alles-oder-Nichts-Grätsche gegen den durchgebrochenen Sebastian Schipplock ansetzte.

Kraft verfehlte den Hoffenheimer Stürmer knapp, brachte ihn aber aus dem Tritt und verhinderte so den Gegentreffer. Hätte Kraft Schipplock getroffen, wären wohl eine Rote Karte für den Keeper und ein Elfmeter die Folge gewesen.

Der Keeper war sich seines Glücks bewusst und ballte die Faust.

Nach Abpfiff glaubte er dann fest an das späte Happy End nach der schlimmen Saison mit insgesamt vier Trainern.

"Ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen", erklärte Kraft: "Gerade mit diesem Sieg und diesem 'Last-Minute-Schaffen' der Relegation."

Zittern nach Comppers Anschlusstreffer

Schon früh hatte Ben-Hatira die Berliner in Führung (14.) gebracht.

Die Gäste waren außerdem ab der 41. Minute in Unterzahl, nachdem Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer Ryan Babel eine umstrittene Gelb-Rote Karte gezeigt hatte.

Spätestens nach Ben-Hatiras zweitem Tor (78.) schien die Hertha durch, musste aber nach Marvin Comppers Anschlusstreffer (85.) dann nochmal gewaltig zittern.

Raffael trifft ins leere Tor

"Es war ein Spiel auf des Messers Schneide, weil die Hoffenheimer nach unserem 2:0 durch die Standardsituation noch mal rangekommen sind", erklärte Hertha-Sportdirektor Michael Preetz: "Deswegen hieß es Zittern bis in die Nachspielzeit, bis Raffael uns erlöst hat."

Hoffenheim-Torwart Tom Starke war in letzter Minute bei einer Ecke mit nach vorne geeilt, Raffael schob den Ball nach einem Konter dann ins leere Tor.

Preetz warnt: Hertha noch nicht durch

Aber auch der in der Hauptstadt heftig umstrittene Preetz konnte nur kurz durchatmen.

"Wir haben eine wichtige Etappe genommen und die Voraussetzung dafür geschaffen, dass wir noch zwei Extra-Runden in der Relegation gehen dürfen", sagte der 44-Jährige: "Aber wir haben die Relegation noch nicht überstanden."

Am Donnerstag, den 10. Mai empfängt die Hertha den Dritten der Zweiten Liga zunächst im Heimspiel, am Dienstag, den 15. Mai fällt dann auswärts die endgültige Entscheidung über den Ligaverbleib.

Sechs Monate Pause für Lasogga

In der Releagtion muss Hertha ohne Stürmer Pierre-Michel Lasogga auskommen.

Der Angreifer, dem unmittelbar vor der Pause von Kinhöfer ein klarer Elfmeter verweigert wurde, verdrehte sich bei einem Kopfballduell das Knie.

Im Krankenhaus wurde ein Riss des vorderen Kreuzbandes festgestellt.

"Er wird sechs Monate pausieren müssen", sagte Teamarzt Dr. Uli Schleicher. (News)

"Er ist mit dem Knie ein Mal durchgeschlagen", sagte Preetz, der Hoffenheims Trainer Markus Babbel im Dezember nach einer Schlammschlacht entlassen hatte.

Babbel drückt Hertha die Daumen

Nach der Pressekonferenz gaben sich die beiden Streithähne kurz die Hand. Babbel gab sich versöhnlich und kündigte an, seinem Ex-Klub die Daumen zu drücken.

Gleichzeitig warnte aber auch Babbel die Berliner "davor, dass man meint, man sei schon drinnen. Man muss noch zwei ganz ganz wichtige Spiele spielen."

Doch die Berliner scheinen aufgewacht zu sein. Spät, aber vielleicht noch nicht zu spät.

"Wir können froh sein, dass wir nach dieser beschissenen Rückrunde überhaupt noch die Chance bekommen, dem Abstieg von der Schippe zu springen", sagte Peter Niemeyer und brachte die Gefühlslage in der Hauptstadt damit auf den Punkt.

Weiterlesen