Der niederländische Trainer Jos Luhukay kam 2009 zum FC Augsburg © imago

Der Coach geht von Bord, der FCA-Boss ist wohl nicht unschuldig. Regensburgs Trainer soll übernehmen, dessen Chef ist stinksauer.

Augsburg - Statt euphorisch den Klassenerhalt zu bejubeln, herrschte beim FC Augsburg eine Art Schockstarre.

Unmittelbar nach dem 1:0 (1:0) zum Saisonende gegen den Hamburger SV (Spielbericht) hat Erfolgstrainer Jos Luhukay seinen sofortigen Rücktritt erklärt und den Verein in einem Ohnmachtszustand hinterlassen.

Über der Abschlussfeier mit den Fans am Stadion lag ein Schatten und der bemerkenswerte sportliche Erfolg verblasste. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es bleibt mir in Erinnerung, dass ich hier etwas hinterlassen habe. Wir haben Augsburg auf die Fußball-Landkarte in Deutschland setzen können und das Unmögliche geschafft", sagte Luhukay.

Fans feiern Luhukay

Der Niederländer wurde von den Fans frenetisch gefeiert, mit seinem Entschluss bricht aber die heile Welt in Augsburg auseinander. (KOMMENTAR: Kasperltheater macht FCA-Coup kaputt)

Zusammen mit Manager Andreas Rettig verlassen nun die Väter des Erfolgs den Verein.

Der mächtige Präsident Walther Seinsch soll daran nicht unschuldig sein.

Entscheidung schon im Winter?

Zwar wollte keiner der Beteiligten schmutzige Wäsche waschen, doch der Abschied vom Vereinsboss wirkte recht kühl.

Er habe schon Ende März "Zweifel über die Zukunft" gehabt, sagte Luhukay. Seine Gedanken seien "unabhängig vom Klassenerhalt" gewesen.

Angeblich soll der Abschied noch länger fix sein. Dies habe Seinsch im Winter beschlossen, heißt es.

Gefühle spielen eine Rolle

Seitdem galt das Verhältnis als gestört. Doch das soll nur ein Grund für die Verärgerung Luhukays sein.

Zudem soll es dem Niederländer missfallen haben, dass Rettig-Nachfolger Manfred Paula noch keine Personalgespräche für die nächste Saison mit ihm geführt haben soll.

Luhukay dankte Seinsch trotzdem. Der Trainer erklärte aber auch: "Im Sport spielen Emotionen und Gefühle eine Rolle." Diese Gefühle waren wohl verletzt worden.

Weinzierl wird wohl übernehmen

Die Nachfolge ist quasi geklärt. Markus Weinzierl, der beim Drittligisten Jahn Regensburg eine Ausstiegsklausel besitzt, ist sich nach SPORT1-Informationen so gut wie einig mit dem FCA.

Co-Trainer soll Günter Güttler werden, der ein enger Freund von Weinzierl ist und diesen einst in Regensburg zum Chefcoach machte.

Weinzierl bestätigte mittlerweile mehreren Zeitungen eine Anfrage des FCA.

Insgesamt wirkt der FCA nicht gerade so, als würde die kommenden Monate reibungslos und harmonisch. Nicht nur der Stil der Trennung von Luhukay wirft Fragen auf, sondern auch die Kontaktaufnahme zu Weinzierl.

Regensburg sauer auf Augsburg

"Wir waren völlig überrascht, wir wussten von nichts", sagte Regensburgs Sportchef Franz Gerber dem "Bayrischen Rundfunk".

Der frühere Profi ist sauer auf die Schwaben: "Es ist schade, dass uns eine Indiskretion in Augsburg jetzt das Leben so schwer macht."

Gerber geht davon aus, dass Weinzierl wechselt: "Wir müssen damit rechnen, dass er uns verlässt."

FCA-Spieler geschockt

Die Augsburger Spieler bedauern unisono die Entscheidung ihres Coaches. "Das war schon ein kleiner Schock. Ich habe nicht damit gerechnet", sagte Daniel Baier.

Torsten Oehrl fügte an: "Das ist nicht einfach. Das trifft uns." Beim Frühstück, sagte Torhüter Simon Jentzsch, hätte Luhukay es ihnen mitgeteilt.

Die Spieler ließen Luhukay nach dem Spiel noch ein letztes Mal hochleben, gemeinsam mit den Co-Trainern Rob Reekers und Markus Gellhaus sowie Torwarttrainer Zdenko Miletic genoss er den Zuspruch von vielen Seiten.

Die Dissonanzen um sein Trainerteam, dessen Verträge noch nicht verlängert wurden, waren offenbar auch ein Grund für seinen Abgang.

Luhukays Zukunft offen

Der Südkoreaner Koo Ja-Cheol hatte zuvor mit fünften Saisontor in der 34. Minute zumindest für einen sportlich gelungenen Ausklang gesorgt - ein Randaspekt 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

Über seine persönliche Zukunft hat sich Luhukay angeblich noch keine abschließenden Gedanken gemacht.

Der 48-Jährige stellte klar, dass es mitnichten Gespräche mit einem anderen Verein gegeben habe.

"Ich stehe für Normen und Werte. Ich habe mich bis heute mit aller Leidenschaft und Herz völlig für den FCA eingesetzt", sagte Luhukay: "Ich verlasse Augsburg durch die Vordertür."

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