Michael Ballack (2.v.l.) bestritt gegen Nürnberg sein letztes Spiel für Bayer Leverkusen © getty

Nach dem Sieg in Nürnberg hat Leverkusen die Europa League sicher. Völler ist nicht ganz zufrieden und plant die neue Saison.

Nürnberg - Michael Ballack hatte eben in seinem wohl letzten Interview als Bundesliga-Profi auf eine "tolle Zeit" zurückgeblickt, da begann für Rudi Völler an gleicher Stelle bereits die Zukunft ohne den ehemaligen "Capitano".

"Wenn man so punktet und zum Schluss nochmal so ein Spiel abliefert, kann man sich schon vorstellen, mit beiden weiterzumachen", sagte Völler über Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä.

Das Trainergespann hatte mit sechs Spielen ohne Niederlage nach der Trennung von Coach Robin Dutt großen Anteil daran, dass die Saison auf Platz fünf endete - und darf auf Weiterbeschäftigung hoffen.

"Wollten unter die ersten Vier"

Mit dem 4:1 (2:0) beim 1. FC Nürnberg (Spielbericht) hat Bayer die direkte Qualifikation für die Europa League und damit "unser Minimalziel erreicht", wie Völler es umschrieb (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er darüber eher erleichtert als glücklich war 554153 (DIASHOW: Der 34. Spieltag) .

"Das bedeutet nicht, dass wir irgendwas schönreden", bestätigte Völler, "die Saison ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir wollten unter die ersten Vier."

Favre ein Trainerkandidat

Warum es letztlich so kam, will Völler in einer "großen Analyse" kommende Woche mit Lewandowski und Hyypiä erörtern.

Diesem Gespräch wolle er "nicht vorgreifen", sagte er am Samstagabend, erst danach und "Mitte der Woche" werde es eine Entscheidung in der Trainerfrage geben.

In der Suche nach der Antwort ist Völler nicht auf das in der Mannschaft hoch angesehene Duo festgelegt. "Es wäre fahrlässig, wenn es nicht so wäre, dass man sich ein paar Gedanken (über Alternativen, d.Red.) macht", sagte er.

Unter anderem werden Gladbachs Coach Lucien Favre, der Fürther Aufsteiger Mike Büskens, Ralf Rangnick und auch FCN-Coach Dieter Hecking unter dem Werkskreuz gehandelt.

Viele Argumente für Hyypiä und Lewandowski

Die jüngsten Spiele, auch der Auftritt von Nürnberg, lieferten allerdings einige Argumente für ein Weitermachen.

"Wenn man so punktet, ist das ein positives Pfund, auch wenn man sieht, wie die Mannschaft die beiden angenommen hat", sagte Völler, der gleichwohl betonte, dass das Standing im Team "nicht der entscheidende Punkt" sei.

Der jüngste Lauf mache ihm aber "Mut für die kommende Saison. Und da wollen wir wieder oben angreifen." Also mindestens Vierter werden - ob mit oder ohne das zuletzt erfolgreiche Trainergespann.

Kießling überragend

Angreifer Stefan Kießling sprach sich für das Duo aus, als er die "super Zusammenarbeit" lobte.

Mit seinen Saisontoren Nummer 14 bis 16 (7., 32., 89.) betrieb "Kieß" in seiner ehemaligen Heimat - wie auch Andre Schürrle, der zum 1:3 traf (77.) - Eigenwerbung, schließlich will er noch mit zur EM.

"Ich habe Urlaub, und da fahr' ich auch hin", behauptete er allerdings schmunzelnd.

Was Club-Kapitän Raphael Schäfer vom Auftritt des alten Kumpels hielt, machte er in der Mixed Zone per Tritt in Kießlings Hintern und Schimpfwort deutlich.

Blumenstrauß und Frankenwein für Ballack

Etwas herzlicher gingen die Nürnberger mit Ballack um. Vor seinem 267. und letzten Bundesliga-Spiel wurde er von Manager Martin Bader mit Blumenstrauß und Frankenwein verabschiedet.

Von Beginn an und immerhin 52 Minuten durfte der 35-Jährige ran, ehe er unter stehendem Applaus der 48.548 Zuschauer das Feld verließ. Ein letzter Nasenschnäuzer auf den Rasen, ein bisschen Winken - dann war's vorbei.

Letztes Hemd für Rico

Sein letztes Hemd schenkte Ballack seinem Jugendfreund Rico, der mit anderen Chemnitzern eigens angereist war.

Wenn sie ihren Kumpel weiter spielen sehen wollen, müssen sie künftig fliegen: Ballack strebt einen Wechsel in die nordamerikanische Profiliga MLS an. "Ich fühle mich in der Lage, noch zwei Jahre Fußball zu spielen", sagte er. Wohin die Reise geht, stehe noch nicht fest.

Hängepartie um Didavi

Das gilt auch für Club-Leihgabe Daniel Didavi, der anders als fünf weitere FCN-Spieler nicht verabschiedet wurde.

Die ohnehin vage Hoffnung von Didavi und Co., doch noch in den Europacup einzuziehen, erfüllte sich indes nicht, daran änderte auch der Treffer von Robert Mak (58.) nichts.

"Europa war auch nie das Ziel", sagte Schäfer, der auf Platz zehn "mehr als stolz" war.

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