Otto Rehhagel wurde 2004 mit Griechenland Europameister © getty

Köln und Berlin spielen am Samstag den zweiten sicheren Absteiger aus. Der Gewinner erhält in der Relegation eine letzte Chance.

Köln/Berlin - "Prinz Poldi" gegen "König Otto":

Nach dem Saisonfinale wird entweder Lukas Podolski oder Otto Rehhagel der Bundesliga als Absteiger den Rücken kehren müssen, der Gewinner bekommt eine Zusatzchance für einen ehrenvollen Abschied (BERICHT: Reizklima in Berlin - lockere Stimmung in Köln).

Nationalspieler Podolski hat mit dem 1. FC Köln vor dem letzten Spiel gegen Bayern München zwei Punkte Vorsprung auf Hertha BSC mit Trainer Rehhagel.

Aufgrund der schlechteren Tordifferenz müssen die Rheinländer aber auf jeden Fall gewinnen, um im Kampf um den Relegationsplatz unabhängig zu sein vom Ergebnis der Berliner gegen 1899 Hoffenheim (beide ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) .

Tränen garantiert

In Köln wird es auf jeden Fall Tränen geben.

Wenn vor dem Anpfiff die besten Szenen des scheidenden "Prinzen" über die Stadion-Leinwand laufen und der kölsche Fußball-Held mit einem Blumenstrauß, einem Präsent und warmen Worten zum FC Arsenal verabschiedet wird, wird es sicher emotional im Kölner WM-Stadion zugehen.

Das Schlimme jedoch: Die Wehmut rund um den Abgang des Publikumslieblings ist derzeit symbolisch für das Stimmungsbild am Geißbockheim.

Alle hoffen zwar, dass der FC sich in die Relegation rettet, Podolski noch weitere zweimal das Kölner Trikot tragen und sich am Ende als einziger aus der Bundesliga verabschieden wird.

Doch die Fans haben nach den zahlreichen Nackenschlägen dieser Chaos-Saison den im Rheinland eigentlich typischen Glauben an das gute Ende verloren.

Podolski will Abstieg Nummer drei vermeiden

Hoffnung macht vor dem Duell mit dem Rekordmeister eigentlich nur eines: Die Schwäche des Rivalen Hertha BSC (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch ausgerechnet der abtrünnige Podolski will vor seinem möglicherweise letzten Spiel im "Wohnzimmer" RheinEnergieStadion Aufbruchstimmung verbreiten.

"Ich will unbedingt, dass wir in der Liga bleiben", sagte der Nationalspieler, immer noch in der Wir-Form sprechend.

Schon 2006 hatte er sich als Absteiger verabschiedet, das will er diesmal unbedingt verhindern.

Insgesamt wäre Podolski im Falle des Absturzes sogar an drei von vier Kölner Abstiegen beteiligt.

[kaltura id="0_fjs68670" class="full_size" title="Hoffnung vor den Abstiegsendspielen"]

Köln beschwört "Bayern-Geist"

Unter der Woche plagten den 26-Jährigen eine Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Probleme, spielen wird er wohl trotzdem. Und er erinnert an das glorreichste Kölner Spiel seit Jahren:

Vor genau 15 Monaten, als der FC gegen die unter Trainer Louis van Gaal strauchelnden Bayern mit 3:2 gewann.

"Da haben wir sie nach 0: 2-Rückstand geschlagen. Also haben wir auch diesmal eine Chance", sagte Podolski: "Die müssen wir nutzen."

Allerdings weiß der Stürmer auch: "Wenn wir spielen wie beim 1:4 in Freiburg, wird das nix."

Hertha: Wiederaufstieg finanziell nicht machbar

Das gilt auch für die Berliner, die unter Rehhagel ungebremst dem Abstieg entgegentaumeln.

Nun fürchtet der Trainer -"Oldie" um seinen Ruf, die Spieler kämpfen um ihren Arbeitsplatz, und Manager Michael Preetz würde Ex-Trainer Markus Babbel zu gerne das Maul stopfen.

Für die Hauptdarsteller geht es um viel, am härtesten würde der Super-GAU jedoch den Verein treffen, denn eine baldige Rückkehr wäre kaum zu erwarten(INTERVIEW: "Auf den Sauhaufen draufhauen").

"Die finanziellen Möglichkeiten, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen, sind beim Verein nicht vorhanden", sagte Herthas Vize-Aufsichtsratschef Andreas Schmidt.

"Im Zweifelsfall mehrere Jahre 2. Liga"

Der Etat würde von knapp 60 auf 30 Millionen Euro sinken, Leistungsträger wie Adrian Ramos und Raffael müssten angesichts des Schuldenbergs von 35 Millionen Euro verkauft werden.

"Im Zweifelsfall muss man sich auf mehrere Jahre 2. Liga einstellen", sagte Schmidt.

Doch zuvor wollen die Herthaner ihre allerletzte Chance nutzen, die ihnen der Fußball-Gott eingeräumt hat, wie Rehhagel sagte.

"Die Jungs haben gut trainiert. Ich bin überzeugt, dass sie das Bestmögliche aus sich rausholen", sagte er.

Nur zwei Siege unter Rehhagel

Rehhagel wirkt immer noch fokussiert, obwohl der einstige Meistermacher seinen Zauber längst verloren hat.

Nach nur zwei Siegen aus elf Spielen droht dem Europameister-Coach von 2004 der zweite Bundesliga-Abstieg nach 1979 mit Arminia Bielefeld.

Ein schwarzer Fleck in seiner Vita zum Ende der Karriere, auf den "König Otto" gerne verzichten würde.

Für Preetz wäre es sogar der zweite Abstieg in zwei Jahren. Der Manager darf aber wohl trotzdem bleiben.

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