Markus Babbel trifft am Samstag mit Hoffenheim auf Ex-Klub Hertha BSC © getty

Der sportliche Alleinherrscher macht im Kraichgau Nägel mit Köpfen und träumt nach den Top-Einkäufen sogar von der Champions League.

Von Christian Paschwitz

München - Sie träumen plötzlich wieder im Kraichgau:

Von der großen Bühne Europa, von den Spielen gegen internationale Konkurrenz. Von namhaften Akteuren in den eigenen Reihen, am besten Nationalspieler.

Dem letzten Punkt ist 1899 Hoffenheim seit Dienstag ein gewaltiges Stück näher gekommen:

Mit Tim Wiese hat der Retortenklub einen Volltrefer auf dem Transfermarkt gelandet, dabei offenbar sogar das ebenfalls um den DFB-Team-Keeper buhlende Real Madrid ausgestochen.

Auch Derdiyok und Delpierre kommen

Und mit dem Schweizer Nationalstürmer Eren Derdiyok von Bayer Leverkusen nur wenige Stunden zuvor sowie Verteidiger Matthieu Delpierre, mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister, schnappten sich die Hoffenheimer gleich noch zwei weitere Hochkäräter.

Außerdem steht auch Stephan Schröck von der Spvgg Greuther Fürth als Zugang fest.

Es tut sich was bei Hoffenheim, das nach dem Bundesliga-Aufstieg in der Saison 2008/2009 zur Herbstmeister stürmte, dann aber doch nur Siebter wurde und das internationale Geschäft ebenso verpasste wie die Jahre danach (zweimal Elfter).

Jetzt aber will1899 endlich nach Europa - und mit den Neuverplfichtungen ein neues Zeitalter einläuten, das der einstige Aufstiegscoach Ralf Rangnick schon einmal vor Augen hatte.

Klares Ziel Europacup

1899-Präsident Präsident Peter Hofmann bestätigt bei SPORT1 den Angriff auf die internationalen Plätze:

"Natürlich, und wenn die Mannschaft die beiden letzten Heimspiele gewonnen hätte, wäre wir vielleicht schon jetzt dabei." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Markus Babbel, das Gesicht des Hoffenheimer Aufbruchs nach dem gescheiterten Experiment mit Ex-Coach Holger Stanislawski, sieht das ähnlich:

"Wir wollen weit vorne angreifen", sagte der Coach am Tag nach der Verpflichtung von Wiese und Derdiyok und zwei Tage vor dem brisanten Duell bei Ex-Klub Hertha BSC Berlin (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Ich wehre mich nicht, wenn das schon nächstes Jahr gelingt."

"Stolz, Wiese überzeugt zu haben"

Die namhaften Verpflichtungen sind dabei Babbels Eckpfeiler:

"Mit den Spielern, die kommen, wollen wir den nächsten Schritt gehen. Ich bin stolz, Tim Wiese überzeugt zu haben, dass Hoffenheim ein sehr guter Schritt sein kann."

Wiese sei sein Wunschspieler gewesen, "ich bin froh, ihn bekommen zu haben".

Mit seinen neuen Kräften liebäugelt Babbel nun zumindest mittelfristig sogar mit der Champions League. "Es ist mein ganz großes Ziel, das mal zu schaffen."

Babbel überzeugt

Die Person Babbel und dessen Visionen wiederum war wohl das überzeugendste Argument für die künftigen Leistungsträger.

"Ich habe mich für Hoffenheim entschieden, weil mir Markus Babbel ein Super-Konzept vorgelegt hat und Hoffenheim ein toller Klub ist", sagte Wiese der "Sport Bild".

Und der scheidende Bremer, der vor seinem Transfer erklärt hatte, bald wieder in der Königsklasse auflaufen zu wollen, ergänzte:

"Unten rumkrebsen, das wollte ich nicht mehr. Ich will oben mitspielen."

Hofmann: Keine Erhöhung des Budgets

Nicht zuletzt bietet Hoffenheim dem 30-Jährigen neben privater Sicherheit ("Der entscheidende Grund ist meine Familie, sie wollte unbedingt in Deutschland bleiben") und einem Vierjahres-Vertrag ein gutes Einkommen von angeblich jährlich rund 2,8 Millionen Euro.

Dennoch wird im Kraichgau finanziell keineswegs aufgerüstet - sagt bei SPORT1 jedenfalls Vereinsboss Hofmann.

"Da passiert gar nichts, dass wir mehr Geld in die Hand zu nehmen. Und wenn Wiese nicht ablösefrei gewesen wäre, hätten wir ihn nicht verpflichten können."

Der Ex-Profi plant mit dem "gleichen Budget wie letztes Jahr von etwa 30 Millionen Euro. Wir reduzieren den Kader dafür von 40 auf 30 Spieler".

Starke vor dem Absprung

Das sagt auch Babbel: "Eins ist klar. Es werden auch einige Spieler gehen."

Das gilt wohl vor allem für den bisherigen Stammtorhüter Tom Starke, dessen Vertrag noch bis Mitte 2013 läuft und an dem angeblich der FC Bayern und Frankfurt interessiert sein sollen.

Auch wenn Babbel betonte: "Es wird hier keiner vom Hof gejagt. Tom hat hier Vertrag. Ich gehe davon aus, dass er am 18. Juni am Start ist."

Und weiter: "Bei mir gibt es keine Stammplatzgarantien. Konkurrenz muss man sich stellen. Jeder hat die Chance, sich zu empfehlen. Das erwarte ich auch bei den Torhütern."

Babbel bleibt sportlicher Alleinherrscher

Keine Frage: Babbel hat in den wenigen Monaten im Kraichgau eindeutig das Zepter übernommen und könnte auch weiter zusätzlich als Sportchef fungieren.

"Er ist nicht nur ein guter Trainer, sondern er macht auch die Manager-Tätigkeiten sehr gut", lobt Hofmann:

"Die Doppelfunktion ist natürlich auch für die kommende Saison angedacht."

Damit der Traum vom ganz Großen endlich wahr wird.

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