Hertha-Trainer Otto Rehhagel (r.) erklärt Tunay Torun die Marschrichtung © getty

Hertha BSC wirft einen Profi aus dem Kader, Babbel sorgt für Unruhe. Kölns Coach glaubt, dass Podolskis Wechsel beflügelt.

Von Reinhard Franke und Barnabas Szoecs

München - Der Showdown rückt näher: Vor dem Fernduell im Abstiegskampf zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC steigt die Anspannung in beiden Lagern.

Die Ausgangslage ist klar: Köln steht auf Platz 16 mit zwei Punkten Vorsprung auf die Hertha. Die Berliner müssen Hoffenheim (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) schlagen und gleichzeitig hoffen, dass die Rheinländer nicht gegen den FC Bayern gewinnen.

Sollten die "Geißböcke" den Rekordmeister schlagen, wäre der Ausgang des Spiels im Olympiastadion ohne Bedeutung und der FC würde die Relegationsspiele gegen den Dritten der Zweiten Liga bestreiten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1 beleuchtet die Situation bei beiden Abstiegskandidaten.

Denkpause für Torun

Bei Hertha BSC liegen die Nerven blank. Das 0:4 auf Schalke ließ die Verantwortlichen vor Entsetzen erstarren (NACHBERICHT: Hertha orientierungs- und sprachlos) .

Interviews wurden gestrichen, trainiert wird bis zum Samstag nur unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit, und zudem Tunay Torun aus dem Kader geworfen.

"Er hat eine Denkpause erhalten und wird bei der U23 spielen", teilte Coach Otto Rehhagel mit, ohne genauer auf die Gründe für die Degradierung einzugehen.

Torun soll angeblich Rehhagels Trainingsmaßnahmen kritisiert haben. Die Maßnahme verwundert umso mehr, weil der Stürmer beim 3:3 in Leverkusen vor zwei Wochen immerhin zwei Tore erzielt hatte.

Babbels Rachegelüste

Während Torun traurig auf der Tribüne sitzen und die Daumen drücken wird, fiebert Herthas Ex-Trainer Markus Babbel der Partie bei seinem ehemaligen Arbeitgeber entgegen.

Auch wenn es für die Hoffenheimer um nichts mehr geht, darf Hertha sich auf einen heißen Tanz einstellen, so Babbel, dessen Abschied aus Berlin nach Meinungsverschiedenheiten mit Manager Michael Preetz erfolgt war.

[kaltura id="0_fjs68670" class="full_size" title="Hoffnung vor den Abstiegsendspielen"]

"Ich werde meine Mannschaft heiß machen. Berlin wird kein normales Spiel. Ich schenke der Hertha nichts und will die drei Punkte mit aller Macht", kündigte Babbel an.

Für weitere Unruhe sorgen Gerüchte, dass er im Falle eines Hertha-Abstiegs Pierre-Michel Lasogga und Christian Lell in den Kraichgau locken will. Erste Gespräche soll es laut "Sky" bereits gegeben haben.

Preetz reagiert genervt

"Wir spielen gegen Hoffenheim und nicht gegen Babbel", konterte Preetz. "Im Fußball gibt es normalerweise die Rote Karte, wenn jemand nachtritt", fügte der Manager hinzu.

Dass Hertha einen Anwalt eingeschaltet hat, der dem Ex-Coach auf die Verschwiegensheitsklausel im Auflösungsvertrag hingewiesen hat, wollte Klubsprecher Peter Bohmbach nicht bestätigen: "Davon weiß ich nichts."

Der ehemalige Hertha-Profi Pal Dardai machte derweil Stimmung gegen Babbel. "Ganz egal, ob einer Babbel in der Vergangenheit geliebt hat oder nicht: Er muss jetzt für jeden Spieler ein Hassobjekt sein", sagte der Ungar der "Berliner Morgenpost".

"Da spielt nicht Babbel gegen Preetz", betonte der frühere Hertha-Trainer Jürgen Röber im SPORT1-Interview. Er "würde nicht darauf wetten, dass die Spieler Babbels Ankündigung so ernst nehmen", erklärte Röber (INTERVIEW: "Auf den Sauhaufen draufhauen").

Rehhagel meinte gewohnt lapidar: "Trainer können keine Tore schießen."

Aufatmen bei Kraft und Lasogga

Während bei Hertha der Einsatz von Christian Lell wegen einer schweren Fußprellung fraglich ist, sind Lasogga und Thomas Kraft nach Knie-, bzw. muskulären Problemen wieder ins Training eingestiegen.

Peter Niemeyer und Levan Kobiashvili kehren nach ihren Sperren zurück.

Keine Chance hat Andre Mijatovic, immerhin Ex-Kapitän, der sich für ein mögliches Relegationsspiel fit zurückmeldete. "Er kann uns nicht helfen", sagte Rehhagel.

Gelöste Stimmung in Köln

Wie in der Hauptstadt geht auch in Köln die Abstiegsangst um - nur ist davon relativ wenig zu merken.

Im Kölner Grüngürtel herrscht gute Stimmung - der Andrang rund um das "Geißbockheim" ist groß.

Anders als die Hertha zeigt sich der FC offen und nah, zum öffentlichen Training pilgerten etwa 300 Fans.

Podolski-Wechsel setzt Kräfte frei

Der Grund für die überraschend lockere Atmosphäre in Köln ist - paradoxerweise - Lukas Podolskis Wechsel zum FC Arsenal.

Der Nationalspieler verlässt den FC im Sommer in Richtung London, 13 Millionen Euro legen die "Gunners" für Podolski auf den Tisch.

"Es ist gut, dass es so früh vor dem Spiel passiert, sodass wir dann unmittelbar vor dem Spiel die Klarheit haben, die wir auch brauchen", sagte Trainer Frank Schaefer mit Blick auf die schwere Aufgabe gegen den Champions-League-Finalisten aus München.

"Wir müssen die Chance nutzen"

Seine Mannschaft habe gezeigt, "dass sie zuhause vor 50.000 Fans in dieser Situation über sich hinauswachsen kann", stärkte Schaefer seinem Team den Rücken.

"Ich glaube, dass die Klarheit viele Kräfte freisetzt. Die haben wir jetzt", meinte Schaefer und ergänzte: "Ich glaube, dass es speziell auch für Lukas wichtig ist, er wirkt befreit."

Podolski wirkte am Mittwoch relativ entspannt. "Natürlich will ich unbedingt, dass wir in der Liga bleiben", sagte er auf seiner Abschieds-Pressekonferenz in Köln: "Wir haben eine Chance, und die müssen wir nutzen."

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