Früher und heute: Ronnie Hellström stand 266 Mal für den 1. FC Kaiserslautern im Tor © getty

Die Pfalz weint, der FCK muss nach 1996 und 2006 in die 2. Liga. Torwart-Legende Ronnie Hellström blickt traurig zurück.

Von Reinhard Franke

München - Der 1. FC Kaiserslautern trägt Trauer.

Der Betzenberg wird in der nächsten Saison das Ziel für Mannschaften wie Ingolstadt, Aalen oder Sandhausen sein. Der Vorhang für die Erste Liga ist vorerst gefallen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Das letzte Heimspiel gegen Borussia Dortmund (2:5) - trostlos, herzlos, mutlos. Wie so oft in dieser Saison. Leidenschaft? Fehlanzeige! Der dritte Abstieg nach 1996 und 2006 war schon seit Wochen klar. 550061 (DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Die Bundesliga wurde mit einer desaströsen Rückrunde verspielt. Der direkte Wiederaufstieg ist jetzt das Ziel. "Es ist das Ziel, aber es muss auch realistisch sein", sagt FCK-Trainer Krassimir Balakov.

Unglückliches Händchen auf dem Transfermarkt

Als Retter ist er gescheitert - sieben Spiele, sechs Niederlagen, nur ein Sieg. Entscheidend für eine Rückkehr ins Oberhaus wird die Qualität der Mannschaft sein. Und für die Zusammensetzung des neuen Kaders sind FCK-Boss Stefan Kuntz und Balakov zuständig.

Sie brauchen ein glücklicheres Händchen als vor dieser Saison Kuntz und Ex-Coach Marco Kurz.

Einer der seine Enttäuschung über den Abstieg nicht verbergen kann, ist FCK-Torwart-Legende Ronnie Hellström.

Er stand von 1974-1984 im Tor der "Roten Teufel", bestritt für den FCK 266 Bundesliga-Spiele und steht für glorreiche Zeiten am Betzenberg. Hellström klingt traurig, wenn er über seinen Klub spricht.

Hellström: "Ich bin sehr enttäuscht"

"Ich bin sehr enttäuscht, der FCK ist mein Verein, aber man hat schon in den letzten Monaten geahnt, dass man absteigen wird", sagt er im Gespräch mit SPORT1.

Und Hellström nennt einen Hauptgrund für den Absturz in die Zweitklassigkeit: "Wenn man zu Hause keine Spiele gewinnt, dann ist es kein Wunder. Auch die harmlose Offensive war ein Grund, dass man nun runtergehen muss. Ich habe viele Spiele im Fernsehen gesehen und da war vieles nur Zufall."

Einst kamen die Gegner noch mit Angst nach Kaiserslautern. Heute hat der FCK Angst. 12 Heimspiele ohne Sieg sprechen eine deutliche Sprache.

So schwer es auch fällt, Hellström will den Blick nach vorne richten - und sich dabei ein Beispiel an Eintracht Frankfurt nehmen.

Eintracht Frankfurt als Beispiel

"Man muss schauen, dass man genauso schnell zurück kommt wie die Eintracht. Wenn man erst mal einige Jahre in der 2. Liga ist, dann wird es schnell auch ganz schlimm."

Wie 2008, als der FCK kurz vor dem Absturz in die 3. Liga stand. Für Hellström ist es wichtig, "jetzt alle Kräfte zu mobilisieren, um eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die den Wiederaufstieg schafft."

Leicht wird das nicht. Allein unter Balakov setzte es sechs Niederlagen in sieben Spielen. Von positiver Stimmung, die sich der Coach gewünscht hatte, war zuletzt bei der Klatsche gegen den BVB nichts zu sehen.

Abrechnung der FCK-Fans

Die verbitterten Fans hielten ein Transparent hoch: "Euer Gesicht habt ihr schon längst verloren."

Wie aber soll das neue Gesicht des FCK aussehen? Der große Umbruch steht bevor. Spieler wie Sandro Wagner, Anthar Yahia, Lucas, Jakub Swierczok, Dorge Kouemaha, Nicolai Jörgensen und auch Millionen-Flop Itay Shechter haben keine Zukunft mehr in Kaiserslautern.

Balakov, der den Neuaufbau einleiten soll, kündigt unmissverständlich an: "Wir werden offen und ehrlich sein und den Spielern, auf die wir keinen Wert legen, sagen: "Das war?s!"

Eines ist für Hellström klar: "Man muss die Offensive verstärken, denn wenn man keine Tore schießt, kann man keine Spiele gewinnen. Dieses Jahr hat man sich sehr ungeschickt angestellt."

Hellström trauert "Betze" nach

Der 63-Jährige erinnert sich an seine aktive Zeit: "Damals war der 'Betze' noch eine Festung und man muss wieder dahin kommen, dass die Gästemannschaften Angst haben, nach Kaiserslautern zu fahren."

Traurig fügt der Schwede hinzu: "Jetzt gewinnt ja fast jeder dort, das ist für mich unverständlich."

Unverständlich ist ihm auch die zuletzt leicht aufkeimende Kritik an Kuntz. Er sei nach wie vor der richtige Mann für den Neuaufbau.

"Ich glaube, dass Stefan viel Herzblut für den FCK hat. Er ist der richtige Mann für den Verein. Man muss aber in die Mannschaft investieren, etwas Neues aufbauen. Man muss Spieler kriegen, die dem FCK sofort helfen können, um wieder aufzusteigen."

Rückendeckung für Balakov

Balakov nimmt Hellström aus der Kritik: "Wenn man als Trainer da reinkommt und nur noch ein paar Spiele für den Klassenerhalt hat, dann ist das nicht einfach. Ich kenne Balakov nicht persönlich, aber mein Eindruck ist, dass er gute Ideen hat."

Für Hellström ist jetzt eines ganz wichtig: "Man muss Harmonie entwickeln und wieder Selbstvertrauen bekommen. Wenn ich etwas beitragen kann, dann mache ich das gerne." Und weiter: "Wichtig ist, das man ein Herz für den FCK hat." Das hat er.

Und Hellström hat die große Hoffnung, "dass der FCK wie 1997 nur ein Jahr in der 2. Liga bleibt und dass der Unfall schnell wieder repariert wird. Ich drücke dem FCK immer die Daumen. Alle müssen zusammenhalten und nicht so viel über die Mannschaft schimpfen. Bundeliga ohne FCK das geht doch nicht."

Weiterlesen