Nächstes Jahr wohl zweitklassig: Rodnei wechselte 2009 von Hertha BSC zum FCK © getty

Nur ein Wunder kann jetzt noch helfen. Der FCK steht vor dem dritten Abstieg in der Vereinsgeschichte. SPORT1 nennt die Gründe.

Von Reinhard Franke

München - Der 1. FC Kaiserslautern steht mit einem Bein in der 2. Liga.

Doch während Trainer Krassimir Balakov nach der ernüchternden 0:1-Pleite gegen den Hamburger SV 537376 (DIASHOW: Der 28. Spieltag) weiter davon schwadroniert, dass man noch Hoffnung habe und das Heimspiel am Samstag gegen Hoffenheim zum "Endspiel" tituliert, glauben im Umfeld der "Roten Teufel" nur noch die kühnsten Optimisten an eine Rettung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein erneuter Abstieg nach 1996 und 2006 ist kaum noch abzuwenden. Ist es eine Reise mit Rückfahrkarte oder ohne Wiederkehr?

Balakov sagt, "gegen Hoffenheim, das ist ein Finale." Wie er das wirklich meint, wo sein Team doch schon im "Endspiel" gegen den HSV versagte, bleibt sein Geheimnis.

Kuntz in der Kritik

FCK-Boss Stefan Kuntz ist nicht erst seit dem Ende der Ära von Ex-Trainer Marco Kurz in die Kritik geraten. Er kann auch die Augen nicht mehr verschließen, dass es wohl eine Etage tiefer geht mit seinem Klub.

"Die Mannschaft ist in einer Negativspirale - sie hat kein Selbstvertrauen, ihr fehlt das Erfolgserlebnis", sagt Kuntz in der "Rheinpfalz". Der Einbruch des FCK ist beängstigend.

16 Punkte nach der Hinrunde bedeuteten noch Platz 16. Jetzt abgeschlagen Letzter. Ein Resultat der gescheiterten Personalpolitik von Kuntz. Der Versuch, Leistungsträger wie Srdjan Lakic, Ivo Ilicevic und Jan Moravek und Erwin Hoffer zu ersetzen, misslang.

Ein Adam Hlousek konnte auch nicht gehalten werden, er zeigte zuletzt beim 1. FC Nürnberg seine Klasse. Es fehlen Spieler wie früher ein Martin Wagner, Harry Koch oder ein Axel Roos, die die Ärmel hochkrempeln und 90 Minuten den Platz beackern.

Echte Typen fehlen dem Verein

Leidenschaft und Kampfbereitschaft - Worte, die in der Pfalz schon lange das Weite gesucht haben. Lediglich ein Florian Dick und Pierre De Wit leben eine solche Mentalität vor.

Spieler wie Jakub Swierczok, Olcay Sahan, Sandro Wagner, Nicolai Jörgensen, Richard Sukuta-Pasu, Gil Vermouth (wurde im Winter schon an De Graafschap Doetinchem ausgeliehen), Itay Shechter, Anthar Yahia sind nicht mehr als Fremdkörper in einem total verunsicherten Team.

Es gab eine noch nie so große Fluktuation wie in dieser Saison. 16 Spieler mussten den Verein verlassen, Kuntz holte 11 Spieler, von denen lediglich Ariel Borysiuk ansatzweise zu überzeugen wusste. Alle anderen waren Totalausfälle.

Wagner Sinnbild des Untergangs

Vor allem Wagner, der im Winter von Werder Bremen kam, ist ein Sinnbild für den Frust am Betzenberg. Gegen den HSV gelang dem Stürmer wieder mal nichts und er wurde bei jeder Aktion gnadenlos ausgepfiffen.

Mitleid von den Fans kann Wagner nicht erwarten, dafür aber von Teamkollege Christian Tiffert. Der sagt über die Pfiffe des enttäuschten FCK-Anhangs: "Das kann keiner ignorieren, das belastet."

Fest steht, dass die Stimmung auf dem "Betze" seit dem Ausbau 1995 nicht mehr die ist von früher. Frust statt Lust beim Publikum.

Viele Fans sind verwöhnt - obgleich die glorreiche Vergangenheit schon Jahre zurück liegt. Viele, die den FCK im Herzen haben, wollen nicht begreifen, dass es für den FCK schon bald nach Cottbus, Ingolstadt und Aue geht und nicht mehr zu den Bayern, nach Dortmund oder auf Schalke.

Fans und Mannschaft keine Einheit mehr

Die FCK-Anhänger sind mit ihrem Latein am Ende, sie haben in dieser Saison genug gelitten. Der Funke springt schon lange nicht mehr von den Zuschauern auf die Mannschaft über.

Und Kuntz ist realistisch. "Mit unserem Kader bewegen wir uns leistungsmäßig im Bereich zwischen Platz 12 in der Bundesliga und Platz 5 in der Zweiten Liga", sagt der Klubchef.

Der Abstieg scheint besiegelt, doch wer Kuntz infrage stellt, tut ihm Unrecht. Ohne den Europameister von 1996 würde es den FCK gar nicht mehr geben.

Planungen für die 2. Liga

Der Zweitliga-Plan steht in seinen Grundzügen. Der Spieler-Etat sinkt von 14 auf rund zehn Millionen Euro. Mit einem ähnlichen Budget schaffte der FCK 2010 den Aufstieg. Der Gesamtetat geht um rund 40 Prozent zurück. Heißt: rund 27 statt zuvor 47 Millionen Euro.

Die Mitarbeiter müssen nicht um ihre Jobs bangen. Kuntz verspricht in der "Sport Bild": "Wir können mit gleicher Personalstärke in der Verwaltung planen."

Die Job-Garantie gilt für eine Saison. Sollte die direkte Rückkehr in die 1. Liga nicht gelingen, gibt es weitere Einschnitte.

Personeller Neuaufbau

Kuntz glaube an den sofortigen Wiederaufstieg. Doch mit welchem Personal? Die Verträge von Alexander Bugera, Pierre De Wit, Marco Knaller und Andrew Wooten laufen ebenso aus wie die der ausgeliehenen Spieler Dorge Kouemaha, Thanos Petsos, Wagner, Jörgensen und Lucas.

Kevin Trapp wird den Verein sicher verlassen. Die vom FCK ausgeliehenen Chadli Amri und Ilian Micanski (beide FSV Frankfurt), Vermouth und Clemens Walch stehen ab 1. Juli wieder beim FCK in Lohn und Brot. Alle anderen Spieler haben Verträge für die 2. Liga.

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