Stale Solbakken kam 2011 vom FC Kopenhagen zum 1. FC Köln © getty

Vor dem Spiel gegen Bremen redet sich Kölns Coach in Rage - und schmeißt vor dem Trainingslager vier Spieler aus dem Kader.

Von Felix Götz

München - Die vielen Kinder, die in den Osterferien einen Blick auf ihre Vorbilder bei der Arbeit werfen wollten, waren umsonst gekommen.

Ein Sichtschutz und einige Sicherheitskräfte versperrten das Franz-Kremer-Stadion. Der 1. FC Köln trainierte am Dienstag zwei Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit (BERICHT: FC-"Memmen" im Kreuzfeuer).

Danach aber machte Trainer Stale Solbakken bei einer Pressekonferenz seinem Ärger öffentlich Luft. In einer Wutrede a la Giovanni Trapattoni unterstellte er sogar Funktionsträgern, Interna an die Presse zu verraten.

Mangelnde Geschlossenheit

"Es gibt viele Informanten, und das ist schlecht. Das sind aber nicht nur die Spieler, sondern der ganze Verein", sagte er, ein klarer Vorwurf mangelnder Geschlossenheit.

Außerdem suspendierte er mit Milivoje Novakovic, Petit, Kevin Pezzoni und Andrezinho gleich vier Spieler vorübergehend.

Das Quartett trainierte am Dienstag zwar mit der Mannschaft, werde aber zumindest für die Partie gegen Bremen aus dem Kader gestrichen.

"Sie sollen nachdenken"

"Es bringt nichts, mit ihnen zu reden, wenn sie enttäuscht sind, das ist nicht der richtige Zeitpunkt. Sie sollen in Ruhe nachdenken", erklärte Trainer Stale Solbakken.

Während bei Novakovic seine zuletzt schwachen Leistungen ausschlaggebend für die Maßnahme sein sollen, wird Petit angeblich vorgeworfen ein Stinkstiefel zu sein, der die Truppe spaltet.

Eine weitere Maßnahme ist, dass nach dem Chaos der letzten Tage beim FC auf Besinnung gesetzt wird.

Ruhe kann nicht schaden

Solbakken fährt als Vorbereitung auf das Spiel gegen Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) mit Lukas Podolski Co. für zwei Tage ins Kloster, die aussortierten Spieler müssen derweil am Geißbockheim mit den U-Mannschaften üben.

Der Tabellen-16. wird sich im Hotel Klosterpforte, einer früheren Abtei in Marienfeld, auf die kommenden Aufgaben einstimmen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es geht nur noch darum, dass der FC in der Bundesliga bleibt", sagte Solbakken. Ein wenig Ruhe kann da sicher nicht schaden - und das ein oder andere Gebet kann auch noch eingestreut werden.

Der Einzug in ein Kloster und die Suspendierungen sind wohl Teil der drastischen Maßnahmen, die Claus Horstmann gefordert hat. "Stale muss der Mannschaft in den Arsch treten", hatte der FC-Geschäftsführer verlangt.

[kaltura id="0_bht13vn8" class="full_size" title="Wutrede von Solbakken"]

Solbakken contra Horstmann

Solbakken will mit den FC-Profis insgesamt aber auch nicht zu hart umspringen. "Die sportlichen Entscheidungen treffen das Trainerteam und ich", kommentierte der Norweger Horstmanns Aussagen.

"Claus Horstmann und ich hatten ein offenes Gespräch, er ist ein Mann mit viel Kompetenz", sagte der 44-Jährige und fügte hinzu: "Er ist aber kein Fußball-Trainer."

Solbakken will mit seinem Trainerteam für "Spaß" und "Lockerheit" sorgen, der Psychologe Dr. Andreas Marlovits soll stärker in die tägliche Arbeit eingebunden werden.

Ansonsten sind Solbakken ein wenig die Hände gebunden: "Wir können Änderungen auf dem Platz durchführen. Personell und in taktischen Details. Aber die Basis ist die gleiche."

Umstellung auf Manndeckung

Taktisch ist anscheinend eine Umstellung von Raum- auf Manndeckung vorgesehen. Personell wird es außer den vier aussortierten Spielern keine weiteren Änderungen geben.

So wird Pedro Geromel nicht als Kapitän abgesetzt. Es gab Gerüchte, wonach Lukas Podolski die Binde übernehmen solle.

"Er ist mein Kapitän, weil er in der Startelf steht", sagte Solbakken dazu und ergänzte: "Er weiß selbst, dass er in den letzten beiden Spielen nicht seine Leistung gebracht hat."

Eichner stärkt Solbakken

Solbakken steht seinem Kapitän vorerst noch loyal zur Seite, und auch die meisten FC-Profis halten zu ihrem Coach.

"Ich kann nur sagen, dass wir, insbesondere in den letzten Wochen, im Training sehr gute Einheiten hingelegt haben. Der Trainer kann nicht mehr machen als alles ansprechen. Viel elementarer ist, dass jeder nach sich selber schaut, als die Schuld beim Trainer zu suchen", sagte Linksverteidiger Christian Eichner.

Auch Teamkollege Martin Lanig sucht die Schuld nicht beim Trainer: "Die Einstellung will ich keinem absprechen, doch jeder Spieler muss sich fragen, ob er sich bestmöglich auf die Spiele vorbereitet."

Wird die Situation besser?

Dennoch: Sollte es am Samstag die vierte Niederlage in Serie geben, könnte die Zeit von Solbakken in Köln trotz des zuletzt ausgesprochenen Vertrauens der Verantwortlichen vorbei sein (SERVICE: Der SPORT1-Tabellenrechner).

Dessen ist sich der Coach, der im vergangenen Jahr vom FC Kopenhagen zum FC wechselte, bewusst.

"Die Situation kann schon am Samstag nach dem Spiel viel besser sein", meinte Solbakken: "Aber auch schlimmer."

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