Pedro Geromel (l.) und Lukas Podolski kassierten mit Köln zuletzt drei Pleiten in Folge © getty

Die FC-Führung will mit einer harten Welle die Wende schaffen und straft einige Großverdiener ab. Der Hauptsponsor ist alarmiert.

Von Andreas Kloo

München - Stale Solbakken hatte wohl selbst schon gar nicht mehr damit gerechnet, weiter Köln-Trainer bleiben zu dürfen.

Als Geschäftsführer Claus Horstmann dann am Sonntag Nachmittag vor die TV-Mikrofone trat und das Festhalten am norwegischen Coach verkündete, nahm eine beispiellose Posse ihr vorläufiges Ende.

Der Rauswurf Solbakkens schien nach dem Offenbarungseid beim 1:2 in Augsburg schon festzustehen.

In einer Presseerklärung und der spontanen Äußerung Horstmanns vor TV-Kameras und Fans am Trainingsgelände, dementierte dies der Klub dann um 16.30 Uhr doch, nachdem nicht nur der Trainer selbst lange Zeit im Unklaren über seine Zukunft gelassen wurde (Bericht: Solbakken bleibt ).

Alarmglocken beim Hauptsponsor

"Es ist unglaublich, was für negative Dinge beim FC passieren. Der Verein zieht das Chaos an", lautet das vernichtende Urteil von SPORT1-Expertenlegende Udo Lattek nach dem 1. April in Köln gegenüber der "Sport Bild".

Besagtes Chaos lässt nun auch beim Hauptsponsor der Rheinländer die Alarmglocken schrillen.

"Was da derzeit abläuft, das schadet unserem Image, und das kann ich nicht akzeptieren. Form und das Auftreten dieser Mannschaft sind ein Armutszeugnis. Da muss man dringend die Handbremse ziehen", sagte Rewe-Chef Alain Caparros nach dem Sturz der Geißböcke auf den Relegationsrang dem "Express".

Caparros fordert von der Vereinsspitze entschlossene Taten zur Bewältigung der Krise. "Wir haben derzeit beim FC ein massives Führungsproblem. Wir brauchen mehr Einigkeit und Schnelligkeit. Im Moment habe ich den Eindruck, jeder spricht für sich", sagte der 55-Jährige.

Fraglich, ob die geforderte Besserung eintreten kann: Solbakken ist zwar noch da und erhält vom FC "totale Rückendeckung", aber seine Autorität und Glaubwürdigkeit bei der Mannschaft sind wohl weg.

"Drastische Veränderungen"

Die Maßnahmen nach dem Offenbarungseid in Augsburg wurden ihm von der Klubspitze diktiert. "Es wird drastische Veränderungen in der Mannschaft und in der Trainingsvorbereitung geben", versprach Horstmann im Hinblick auf das Heimspiel gegen Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Um welche Änderungen es sich konkret handeln sollte, verriet er nicht.

Novakovic und Geromel als Opfer

Mittlerweile ist durchgesickert: es geht einigen Großverdienern im Kölner Kader an den Kragen.

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Stürmer Milivoje Novakovic und Pedro Geromel werden offenbar für ihre schwache Leistung abgestraft und fliegen aus der Mannschaft: "Es gibt keine Alibis für mangelnde Leistungsbereitschaft", stellte Horstmann klar.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der 35-jährige Edelreservist Petit soll komplett aus dem Kader gestrichen werden.

Podolski wird Kapitän

Geromel muss zudem wohl seine Kapitänsbinde an Lukas Podolski abtreten. Podolski gehörte auch zu den Spielern, die Horstmann am Sonntag zu sich zitierte.

"Jetzt gilt es, auf die richtigen Spieler zu setzen", hatte Horstmann angemerkt. Beim Nationalstürmer ist sich die FC-Führung sicher, dass er bis zum Schluss - trotz seines wohl bevorstehenden Wechsels zum FC Arsenal - alles für die Geißbock-Elf geben wird.

Solbakken wird allerdings die Entscheidung für die richtigen Spieler offenbar ebenso wenig zugetraut wie der Mut zu einer harten Welle. "Stale muss den Spielern in den Arsch treten", forderte der Geschäftsführer vom Coach.

"Memmen, keine Kerle"

Auf der Rückreise von Augsburg hatte Horstmann dies nach übereinstimmenden Medienberichten bereits selbst getan und seine Spieler bei der Ehre gepackt.

"Ihr seid Memmen, keine Kerle", soll der 47-Jährige gepoltert haben.

Derart drastische Reaktionen passen nicht zum kühlen Solbakken. Doch Horstmann sieht dies sogar positiv: "So wie er reagieren wird, hat er noch nie reagiert - und hat sich so nicht verbraucht."

Abstieg als Chance?

Auch Lattek glaubt trotz des Absturzes auf Rang 16 weiterhin an den Kölner Klassenerhalt: "Der FC hat bei dem Restprogramm mit Spielen gegen Bremen, Freiburg und Mainz aber noch die Chance zu punkten. Sie werden vor dem letzten Spieltag, an dem sie gegen Bayern spielen, gerettet sein." (SERVICE: Der SPORT1-Tabellenrechner)

Einen Absturz in Liga zwei sieht der frühere Kölner Sportdirektor aber nicht als drohende Katastrophe: "Ein Abstieg wäre eine Chance, etwas Neues für die Zukunft aufzubauen.?

Zweite Baustelle vermieden

Denn die jetzige Konstellation in Köln ist ohnehin nur ein Intermezzo ohne lange Halbwertszeit.

Der FC wagte wohl auch deshalb nicht den Schritt zur Trainerentlassung, weil der Verein dann neben der offenen Sportdirektorsuche noch eine weitere Baustelle aufgemacht hätte.

Erst am 23. April wird der neue Vorstand gewählt. Geschäftsführer Horstmann und Verwaltungsrats-Boss Dr. Werner Wolf haben derzeit das Ruder in der Hand. Beides frühere Top-Manager aus der Wirtschaft, aber keine ausgewiesenen Fußball-Fachmänner.

Rensing ratlos

Das hat das Duo auch selbst erkannt und holte sich deshalb am Sonntag Rat von Jugend-Koordinator Frank Schaefer und den Ex-Spielern Stephan Engels, Leiter des Leistungszentrums und Toni Schumacher, der fürs Präsidium kandidiert.

Die Spieler selbst klingen dagegen eher ratlos: "Ehrlich gesagt fehlt mir gerade auch irgendwie der Lösungsansatz", gab Torhüter Michael Rensing nach dem Spiel in Augsburg zu.

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