Sami Hyypiä (l.) wechselte 2009 vom FC Liverpool zu Bayer Leverkusen © imago

Der Finne genießt in Leverkusen großes Ansehen. Völler und Holzhäuser müssen sich hinterfragen. Wie geht es im Sommer weiter?

Von Felix Götz

München - Unerbittlich, furchtlos, volle Identifikation mit dem Verein und bedingungsloser Einsatz:

Mit diesen Tugenden wurde Sami Hyypiä in seinen zehn Jahren beim FC Liverpool zur Anfield-Legende.

Und auch in Leverkusen benötigte der Finne, der zuletzt als Co-Trainer für die Nationalelf seines Heimatlandes arbeitete, von 2009 bis 2011 nur 53 Partien, um sich den Respekt aller Beteiligten im Verein zu sichern.

"Sami ist eine große Persönlichkeit mit einem einwandfreien Charakter", sagte Bayer-Stürmer Stefan Kießling.

Hyypiä schon als Spieler Co-Trainer

Hyypiä scheint also der geeignete Mann zu sein, um mit seiner Art gemeinsam mit dem bisherigen U-19-Coach Sascha Lewandowski die Leverkusener Mannschaft nach der Entlassung von Trainer Robin Dutt zurück in die Erfolgsspur zu führen (BERICHT: Praktikant wird Chef).

Bereits als Spieler unter Trainer Jupp Heynckes sei der 1,96-Meter-Hüne eine Art Co-Trainer gewesen, sagen sie in Leverkusen.

"Ich kenne die Mannschaft und glaube fest an sie. Sascha und ich wollen dem Team, das in den vergangenen Spielen nicht zu seinen Möglichkeiten gefunden hat, Wege aufzeigen, um den Klub wieder erfolgreich zu machen", gab Hyypiä die Richtung für die Tage bis zum ersten Spiel beim Hamburger SV am Sonntag vor (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Europa League sichern

Bayer ist von Platz fünf auf Rang sieben abgerutscht, eine Saison ohne internationales Geschäft droht. Die Aufgabe ist also klar: Es geht darum, die offenbar miserable Grundstimmung im Klub zu verbessern und zumindest die Teilnahme an der Europa League zu sichern.

"Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft, mit der ich zum Großteil noch selbst zusammengespielt habe, gut genug ist, um das Ziel zu erreichen", so der 105-malige finnische Nationalspieler.

[kaltura id="0_8sll9e6w" class="full_size" title="Hoffnungstr ger Hyypi "]

Fans laufen davon

Der sportliche Misserfolg unter dem ungeliebten Dutt wirkte sich auch auf die Zuschauerzahlen aus.

"Der Druck durch Zuschauer und Sponsoren ist groß. Wir haben hohe Kündigungsraten im Dauerkarten-Verkauf festgestellt", rechtfertigte Holzhäuser nun Dutts Aus. Offenbar haben fast 4000 Dauerkarten-Inhaber gekündigt.

Eine Negativ-Entwicklung, die aber sicher nicht nur Dutt in die Schuhe geschoben werden kann. Auch Holzhäuser und Völler müssen sich hinterfragen.

Kritik an Völler und Holzhäuser

Bruno Labbadia musste 2009 nach nur einem Jahr wieder gehen, der als "langfristige Lösung" angepriesene Dutt war nur 275 Tage in Bayers Diensten. Eine klare Linie ist nicht erkennbar.

"Fehler in der Kommunikation" wurden von den Bayer-Verantwortlichen eingeräumt.

Aber auch der Umgang mit dem schwierigen Thema Michael Ballack wird der Klub-Führung als eher unglücklich angelastet. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zusammenstellung der Mannschaft, die defensiv große Probleme hat (KOMMENTAR: Bosse in der Pflicht).

Hyypiä mit Kredit bei den Fans

Bei Hyypiä dürften die Anhänger geduldiger sein als bei Dutt, der oft schnell Pfiffe erntete. Der große Vorteil des Finnen: Sein Wort hat bei Fans, Verantwortlichen und Spielern Gewicht, und die Anhänger mögen ihn.

Das war bei Dutt nicht immer so. "Im ein oder anderen Fall hat Misstrauen gegenüber seiner Arbeit geherrscht", räumte Wolfgang Holzhäuser ein.

Allerdings stellte der Bayer-Geschäftsführer auch klar, dass es keine grundsätzlichen Probleme zwischen dem entlassenen Coach und der Mannschaft gegeben habe.

Völler lobt Lewandowski

Da Hyypiä nur eine finnische Trainerlizenz hat, wird Lewandowski, der die Fußballlehrer-Lizenz des DFB besitzt, an seiner Seite arbeiten.

Der 40-Jährige ist seit fünf Jahren bei Bayer tätig. "Er hat bei uns im Jugendbereich herausragende Arbeit geleistet. Sascha hat viele gute Ideen und schon einige Spieler ausgebildet. Und er brennt", lobte Sportdirektor Rudi Völler.

Lewandowski ist sich sicher, dass er etwas bewirken kann: "Ich kenne den Verein sehr gut und auch die Situation, in der wir stecken. Ich denke, dass ich meine Qualitäten hilfreich einbringen kann."

Kommen Favre oder Hermann?

Ob Hyypiä und Lewandowski die Zügel nur bis zum Saisonende oder sogar darüber hinaus in der Hand halten dürfen, ist offen.

"Es ist eine Lösung, die Bestand haben kann", sagte Holzhäuser. Nach dem 34. Spieltag wird abgerechnet, alles hängt von den Ergebnisse in den kommenden sechs Partien ab. Es wird spekuliert, dass Lucien Favre im Sommer übernehmen soll. Auch Ralf Rangnick wird nach wie vor gehandelt.

Es gibt noch eine andere Variante: Peter Hermann, der derzeit als Co-Trainer unter Jupp Heynckes beim FC Bayern arbeitet, könnte nach Leverkusen zurückkehren und an der Seite von Hyypiä arbeiten.

Hermann war in Leverkusen insgesamt elf Jahre lang Co-Trainer. Der 60-Jährige genießt beim Werksklub ähnlich wie Hyypiä großes Ansehen.

Weiterlesen