Jermaine Jones wechselte 2007 von Eintracht Frankfurt zum FC Schalke 04 © getty

Königsblau ärgert sich über das Remis bei Hoffenheim und dass Gladbachs Patzer ungenutzt bleibt. Stevens greift die Spieler an.

Von Hardy Heuer

München/Sinsheim - Er ist derzeit die Lebensversicherung des FC Schalke 04:

Klaas-Jan Huntelaar bewahrte mit seinem verwandelten Strafstoß in der 80. Minute die Königsblauen vor einer Niederlage und einem weiteren Rückschlag nach der bitteren Pleite in der Europa League.

Mit seinem 23. Saisontor sicherte der "Hunter" Schalke drei Tage nach dem 2:4 im Viertelfinal-Hinspiel gegen Athletic Bilbao ein verdientes 1:1 (0:1) bei 1899 Hoffenheim (Spielbericht) - und hielt sie auf direktem Kurs Richtung Champions League. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir wollten heute gewinnen, um den dritten Platz zu sichern. Jetzt sind wir aber nur einen Punkt mehr weggezogen", erklärte Huntelaar allerdings etwas unzufrieden bei LIGA total!.

Stevens unzufrieden

Schalke verpasste eine mögliche Vorentscheidung im Duell mit Borussia Mönchengladbach. Mit dem Remis bauten die Königsblauen den Vorsprung als Tabellendritter zwar auf drei Punkte aus, fünf hätten es nach dem 1:2 der "Fohlen" in Hannover (Bericht) aber sein können. 537376 (DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Huub Stevens war deshalb auch alles andere als glücklich. "Wenn man so eine erste Halbzeit spielt, wie wir es getan haben, dann muss man zufrieden sein, dass man noch einen Punkt holt", echauffierte sich der Schalke-Trainer:

"Ich finde, dass wir uns so nicht präsentieren können. Da war zu wenig Spannung, einige waren mit den Gedanken überhaupt nicht beim Spiel."

Das Europa-League-Spiel unter der Woche gegen Athletic Bilbao ließ er als Ausrede nicht gelten.

"Ein Profi muss drei Spiele in der Woche bestreiten können. Es ist keine Entschuldigung, dass wir am Donnerstag gespielt haben", sagte Stevens bei LIGA total!.

Umstrittener Elfmeter

Wenigstens blieb Huntelaar bei seinem 41. Pflichtspieltreffer in dieser Saison ganz cool und zog mit Mario Gomez in der Torjägerliste gleich. "Natürlich will ich da vorne stehen", gab er zu verstehen.

Der Strafstoß war in seiner Entstehung aber umstritten:

Schiedsrichter Markus Schmidt hatte beim Zweikampf zwischen Andreas Beck und dem Ex-Hoffenheimer Chinedu Obasi auf Elfmeter entschieden, es gab eine Berührung am Knie, der Nigerianer fiel allerdings spektakulär.

"Lächerlich, da brauche ich keine Zeitlupe", ärgerte sich 1899-Trainer Markus Babbel.

Kein Verständnis bei Unnerstall

Dabei war der Elfmeterpfiff in gewisser Weise ausgleichende Gerechtigkeit, denn auch der Hoffenheimer Führungstreffer war Folge einer zweifelhaften Strafstoß-Entscheidung gewesen.

1899-Stürmer Sven Schipplock war gegen den herausstürmenden Schalker Torwart Lars Unnerstall zu Fall gekommen.

"Für mich war es kein Elfmeter. Ich berühre ihn nicht, er fällt schon vorher", betonte Unnerstall, der sechs Wochen nach seiner Schultereckgelenksprengung ein Blitz-Comeback für den verletzten Timo Hildebrand gab, bei LIGA total!:

"Ich glaube, er hatte ein bisschen Angst und zieht dann schon weg. Er ist fast am Boden, bevor ich überhaupt da bin."

Heimkrise bei Hoffenheim

Sejad Salihovic (30.) verwandelte den Elfmeter souverän, zum ersten Heimsieg seit dem 22. Oktober 2011 (zuletzt acht Remis in neun Partien) reichte es für die Kraichgauer aber nicht.

"Ich finde das gar nicht so dramatisch, weil die Leistung in Ordnung war. Ich war mit dem Engagement der Mannschaft sehr zufrieden", beschwichtigte Babbel bei LIGA total! dennoch:

"Wir haben nicht gegen irgendjemand gespielt, sondern gegen Schalke 04. Die Mannschaft ist mit hochkarätigen Spielern bestückt."

1899 im Abstiegskampf?

Während Schalke nach oben blickt, steht Hoffenheim im Niemandsland: Der Rückstand auf Platz sechs beträgt ebenso sechs Punkte wie der Vorsprung auf den Relegationsrang.

"Wir haben eine sehr gute Ausgangssituation, schauen aber auch ganz genau nach unten", meinte Babbel.

Poker um Raul zieht sich hin

Die Schalker basteln derweil schon an der mittelfristigen Zukunft - und da steht der Vertragspoker um Superstar Raul im Fokus.

Die Zukunft des Spaniers ist auch nach dem zweiten Treffen mit dessen Berater weiter offen. "Es gibt noch keine Tendenz, es gibt noch keine Entscheidung", erklärte Sportvorstand Horst Heldt.

"Für Raul ist es eine Grundsatzentscheidung", sagte Heldt weiter, "er muss mit der Familie reden, ob das noch Sinn macht oder nicht."

Schalke hat dem 34-Jährigen einen Anschlussvertrag für ein Jahr mit deutlich reduzierten Bezügen angeboten. Der Europapokal-Rekordtorschütze, der mit einem längeren Engagement liebäugelt, hat Angebote unter anderem aus den USA und Asien.

Am Freitag hatte es ein zweites Gespräch zwischen Heldt und Rauls Berater Gines Carvajal gegeben. Die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Jahresbeginn hin.

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