Christian Streich führte Freiburg 2008 zur deutschen A-Jugend-Meisterschaft © imago

Vor Wochen galten Freiburg und Augsburg schon als Absteiger. Doch die Underdogs haben sich befreit und bleiben realistisch.

München - Harry Houdini würde wohl vor Neid erblassen.

Was der FC Augsburg und der SC Freiburg, beide vor sechs Wochen noch im Tabellenkeller der Bundesliga eingesperrt, derzeit leisten, lässt selbst den berühmten Entfesslungskünstler wie einen stümperhaften Trickbetrüger aussehen.

Rückblende: Es ist der 18. Februar 2012, der SC Freiburg hat sich gerade ein 0:0 gegen Bayern München erkämpft. Trotz dieses Achtungserfolgs bleiben die Badener Tabellenletzter.

Underdogs schaffen Wende

Der FC Augsburg ist wenige Stunden zuvor 1:4 bei Bayer Leverkusen untergegangen. Platz 17. Vorletzter. Die beiden Mannschaften mit den niedrigsten Etats der Liga werden absteigen, da sind sich die Experten einig.

Jetzt, sechs Wochen später, stehen Freiburg und Augsburg "über dem Strich". Freiburg hat seither 13 von 15 möglichen Punkten gesammelt - nur die Bayern, Dortmund und Stuttgart waren erfolgreicher (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Augsburg kommt nach sechs Spielen ohne Niederlage auf zwölf Zähler.

Verantwortliche bleiben realistisch

"Es wäre trotzdem ein Wunder, wenn wir drin bleiben sollten", sagte Trainer Jos Luhukay nach dem völlig verdienten 2:1 (2:1) des FCA gegen den 1. FC Köln.

"Wir haben noch nichts erreicht. Das ist eine Floskel, aber die Wahrheit, wir lügen ja nicht, wenn wir das sagen", ergänzte sein Freiburger Kollege Christian Streich nach dem 2:0 (1:0) bei Bayer Leverkusen.

Beide hatten recht, Streich aber nur bedingt. Doch, Freiburg hat etwas erreicht. Etwas, was ihnen keiner mehr zugetraut hat. Und das gilt auch für den FCA.

Lob für die Trainer

Bei der Ursachenforschung für den Lauf nennen die Verantwortlichen Luhukay und Streich an erster Stelle. Luhukay, sagte Augsburgs Manager Andreas Rettig, "trägt diese Leidenschaft und diese Begeisterung in die Köpfe der Spieler".

Der Auftritt gegen den desolaten FC, den Ja-Cheol Koo (19.) und Nando Rafael (45., Foulelfmeter) mit Toren krönten, sei "erstligareif mit Sternchen" gewesen, fand Rettig.

Dirk Dufner, Rettigs Pendant beim SCF, hebt Streichs "Mut" hervor, die zahlreichen, von Streich selbst ausgebildeten Talente auch spielen zu lassen.

Schweres Restprogramm für Augsburg

Trotz der jüngsten Erfolge üben sich beide Klubs in Understatement. "Wir haben einfach ein Spiel gewonnen. Es gibt keine Big Points, und ich habe auch noch nie sechs Punkte für einen Sieg bekommen", sagte Streich, angesprochen auf die Bedeutung des dritten Sieges in Serie.

Auf die Frage, zu wie viel Prozent der FCA denn nun den Ligaverbleib gesichert habe, entgegnete Rettig: "Zu null Prozent. Wenn wir jetzt keine Punkte mehr holen, steigen wir ab."

Und Luhukay verwies zu Recht auf das "unglaublich schwere Restprogramm".

Unbändiger Wille

Und dennoch: Der Konkurrenz haben beide Mannschaften eines voraus: nahezu unbändigen Willen.

"Wir waren leidenschaftlicher als der Gegner", sagte etwa Freiburgs Kapitän Julian Schuster, der das 1:0 besorgte (8.), ehe das Traumtor von Daniel Caligiuri (60.) das Spiel entschied.

Auch Rettig nannte die Art des Auftretens als entscheidenden Vorteil, "das haben wir Köln vorgemacht".

Dieser Zusammenhalt könne "noch sehr hilfreich sein", sagte Luhukay.

Wunder wird realistisch

Das Wunder - es wird in beiden Fällen realistischer. Auch wenn das noch nicht bei allen angekommen zu sein scheint.

"So müssen wir halt immer weiter arbeiten", sagte Streich in Leverkusen, "damit es uns mal wieder vergönnt ist, ein Spiel zu gewinnen."

Dabei gehören die Zeiten der respektablen Auftritte ohne Ertrag doch der (dunklen) Vergangenheit an.

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