Heynckes (l.) befindet sich in einer dritten Amtszeit bei den Bayern © getty

Der FCB-Coach stellt schon vor dem Nürnberg-Sieg eine vielsagende Rechnung auf. Auch Schweinsteiger lässt tief blicken.

Von Christian Paschwitzund Björn Seitner

München - Es war ein vielsagender Versprecher, den sich Jupp Heynckes da vor laufender Kamera leistete, so kurz vor dem Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Nürnberg (Bericht).

Angesprochen auf seine Dreier-Wechsel Rotation meinte der Trainer des FC Bayern bei "Sky": "Wir haben einen riesigen Terminkalender. Das heißt: Wenn wir gegen Marseille weiterkommen, haben wir zwölf Spiele. Und das ist in fünf Wochen immens. Deswegen bin ich einfach gezwungen, zu rotieren."

Zwölf Spiele, obwohl der Rekordmeister in der Liga nach dem einfach zählenden Nürnberg-Spiel doch nur noch sechs Mal antreten muss? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dazu noch das DFB-Pokal-Finale abspult sowie das Rückspiel gegen Olympique (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER)?

Rechnung lässt tief blicken

Heynckes' Rechnung lässt tief blicken: Denn offenbar reichen die Gedanken 66-Jährige deutlich über das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League hinaus.

Nämlich schon zum Finale in der Königsklasse am 19. Mai in München, nachdem man nach dem ersten Duell mit den Franzosen (2:0) zwar schon mit einem Bein in der Runde der letzten vier Teams steht - aber auch nicht mehr.

Vom Moderator auf seinen Versprecher hingewiesen, musste Heynckes herzhaft lachen - und erklärte, dass "die Medien jetzt wieder etwas zu berichten" hätten.

Bayern glauben ans Triple

Die Bayern wiederum haben wieder etwas, von dem sie träumen: Neben Pokal wieder von der Meisterschale und dem Henkelpott. Kurzum: vom Titel-Triple.

Der 4:4-Patzer von Liga-Rivale Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart (Bericht) und der eigene Sieg in Nürnberg wirken wie eine Motivationsspritze:

"Wir haben es wieder in der eigenen Hand", sagt Sportdirektor Christian Nerlinger und fügt selbstbewusst an: "Und zwar in allen Wettbewerben."

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Schweinsteiger spricht im Plural

Der absolute Glaube an den Erfolg ist zurück.

Auch Bastian Schweinsteiger, der nach seiner Sprunggelenksverletzung immer mehr Einsatzzeit bekommt und bald wieder in der Startelf stehen dürfte, spricht im Plural: "Es gibt nur ein Ziel: Titel zu gewinnen!"

Zwar wissen die Bayern, dass das Saison-Finale wegen des Kräfteverschleißes "ganz, ganz schwierig" wird, wie Arjen Robben anmerkt, Siegtorschütze gegen den Club.

Strunz skeptisch

Und auch SPORT1-Experte und Ex-Bayer Thomas Strunz äußerte sich im Kia Doppelpass skeptisch: "Ich sehe Dortmund immer noch im psychologischen Vorteil. Sie haben nicht die Doppelbelastung - vor allem im Hinblick auf die Spiele der Bayern gegen Real Madrid. Ich schätze die Chancen immer noch 51:49 Prozent für Dortmund ein."

Doch Christian Nerlinger lässt sich davon nicht ins Bockshorn jagen:

"Die Mannschaft zeigt, dass sie diesen Drei-Tages-Rhythmus absolvieren kann, dass sie konditionell voll auf der Höhe ist - und deswegen freue ich mich sehr auf den Endspurt", so Bayerns Sportdirektor.

Englische Wochen en masse

Dass die Bayern gegen Nürnberg einmal mehr nur knapp die Oberhand behielten, gibt ihnen offenbar gar noch eine zusätzliche Motivation.

"Das sind Meisterschaftsspiele", sagte Robben auf die Aufforderung, den Satz zu vervollständigen, "wer solche Spiele gewinnt..." Es stört demnach kaum, dass im April ausschließlich englische Wochen bevorstehen.

Auf Marseille folgt das nächste Bayern-Derby gegen den FC Augsburg. Danach das mögliche Meisterschaftsendspiel beim BVB (11. April) sowie wohl die Königsklassen-Duelle gegen Real Madrid.

Unterbochen noch vom Liga-Spiel gegen den FSV Mainz 05, der den Bayern in der Hinrunde eine 2:3-Pleite beibrachte.

Hoffnung bei "Schweini"

Mut macht den Münchnern dabei, dass Schweinsteiger aller Voraussicht nach bald wieder auf Top-Niveau sein wird.

"Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Aber die Minuten, die ich spiele, sind gut", befindet Bayerns Mittelfeld-Motor.

Die Bayern wiederum sind wohl bei 100 Prozent, wenn sie tatsächlich noch zwölf Mal auflaufen dürfen.

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