Die Bayern haben in der Rückrunde noch kein Auswärtsspiel gewonnen © getty

Die Münchner vergeben in Leverkusen viele hochkarätige Chancen. In der zweiten Halbzeit trifft Kießling nach einem Neuer-Patzer.

Aus Leverkusen berichtet Martin Volkmar

Leverkusen - Bayern München hat im Titelkampf einen vielleicht entscheidenden Rückschlag hinnehmen müssen.

Der Rekordmeister unterlag Bayer Leverkusen mit 0:2 (0:0) und droht nun vorzeitig den Anschluss an Spitzenreiter Borussia Dortmund zu verlieren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Deutsche Meister kann seinen Vorsprung auf die Münchner mit einem Heimsieg im Abendspiel gegen Mainz 05 auf sieben Punkte ausbauen.

Zudem kann Verfolger Borussia Mönchengladbach den FCB, der auch im vierten Auswärtsspiel der Rückrunde ohne Sieg blieb, mit einem Erfolg am Sonntag beim 1. FC Nürnberg von Rang zwei verdrängen.

Die umjubelten Treffer für die Gastgeber, die den Rückstand auf den Tabellenvierten Schalke 04 nach dem dritten Sieg in Folge auf vier Punkte verkürzten, erzielten vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena Stefan Kießling (79.) und Karim Bellarabi (90.) 525990 (DIASHOW: Der 24. Spieltag) .

"Der Schuss geht nach hinten los"

"Wir haben vor allem in den ersten 20 Minuten sehr viel Glück gehabt", musste Bayer-Coach Robin Dutt zugeben.

Der Bayer-Coach fügte jedoch an: "Meine Mannschaft hat eine tolle Mentalität gezeigt. Sie wollte unbedingt den Sieg und hat ihn sich aufgrund der zweiten Hälfte auch verdient."

Der Schuss gehe meistens nach hinten los, "wenn man die Chancen nicht nutzt. Das Ergebnis stellt für uns alle eine Enttäuschung dar. Wir haben uns es selbst zuzuschreiben, dass wir verloren haben", erklärte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

Erster Sieg nach 14 Bundesligaspielen

Für die Leverkusener war es der erste Dreier gegen Bayern nach 14 Bundesligaspielen und eine gelungene Generalprobe für das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am Mittwoch beim FC Barcelona, wo nach dem 1:3 im Hinspiel allerdings ein kleines Wunder nötig wäre.

Ein kleines Wunder benötigt wohl auch das Team des ehemaligen Bayer-Trainers Heynckes, um nicht erstmals seit 1996 zwei Jahre in Folge ohne Meistertitel zu bleiben.

Ribery zunächst nur auf der Bank

Bei den Gästen saß Franck Ribery, der im Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich (1:2) eine Oberschenkelprellung erlitten hatte, zunächst nur auf der Bank. Für ihn rückte Arjen Robben etwas überraschend auf den linken Flügel, Thomas Müller begann rechts.

Bei den Platzherren verzichtete Dutt erneut auf Kapitän Simon Rolfes und den angeschlagenen Eren Derdiyok, zudem fiel Vedran Corluka wegen eines Muskelfaserrisses aus.

Dafür spielte Andre Schürrle trotz Nasenbeinbruchs mit Gesichtsmaske und Renato Augusto feierte nach seiner Knie-OP sein Comeback.

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Alaba verpasst frühe Führung

Die Partie hätte beinahe mit einem Paukenschlag begonnen: Schon nach zwei Minuten kam David Alaba nach Müller-Flanke völlig freistehend an den Ball, scheiterte aber an Bernd Leno. Den Nachschuss setzte Toni Kroos im Liegen knapp vorbei.

Auch danach waren die Münchner die deutlich dominierende Elf mit phasenweise bis zu 60 Prozent Ballbesitz.

Doch das Führungstor wollte nicht fallen, weil Leno einen 18-Meter-Schuss von Robben nach vorherigem Solo mit einer Glanztat noch um den Pfosten lenkte (13.).

Mit zunehmender Spieldauer wurde das Angriffsspiel der Bayern aber ideenloser und auch in der Defensive schlichen sich Unachtsamkeiten ein.

Streit zwischen Boateng und Müller

So passte es ins Bild, dass es nach einer guten halben Stunde nach einer Abwehraktion im eigenen Strafraum zu heftigen Diskussionen und einer Schubserei zwischen Jerome Boateng und Müller kam.

Die Leverkusener kamen nun besser ins Spiel, doch Schürrle scheiterte zweimal frei stehend am sehr sicheren Manuel Neuer (31., 44.).

Friedrich rettet in letzter Sekunde

Auf der Gegenseite hatte der FCB in der 40. Minute schon den Torjubel auf den Lippen: Nach einem Konter über Kroos und Robben hatte Mario Gomez Leno bereits ausgespielt.

Doch es passte zum derzeit glücklosen Auftreten des kriselnden Torjägers, dass sein Schuss ins leere Tor noch vom zurückeilenden Manuel Friedrich gerettet wurde.

Dutt setzt auf Offensive

So ging es torlos in die Pause, nach der Dutt zum Angriff blies: Derdiyok kam als zweiter Stürmer neben Kießling für Abwehrmann Friedrich, dafür rückte Gonzalo Castro zurück in die Viererkette.

Nach verhaltenem Beginn machte Robben seinem Ruf als Egoist alle Ehre, als er nach einem Konter aufs kurze Ecke schoss und an Leno scheiterte, statt den in der Mitte mitgelaufenen Gomez zu bedienen (58.).

Doch nicht der Niederländer musste drei Minuten später für Ribery weichen, sondern der sichtbar verärgerte Gomez. Dieser Wechsel erwies sich für die Bayern als Bumerang.

Neuer rettet Bayern

Denn plötzlich spielte nur noch Bayer. Zunächst schoss Stefan Reinartz frei stehend nach Flanke von Michal Kadlec und Kopfballvorlage von Kießling übers Tor (63.).

Dann rettete der starke Neuer zunächst gegen den allein stehenden Kießling, parierte auch den Nachschuss (66.) und war zwei Minuten später auch bei einem Kießling-Kopfball auf dem Posten.

Die Münchner Defensive schwamm in dieser Drangphase der Gastgeber bedenklich, konnte sich aber dann wieder etwas vom Druck befreien.

Kießling belohnt

Doch in der 79. Minute wurde der unermüdliche Kießling belohnt, als er nach einem langen Pass zunächst mit dem Kopf vor Neuer am Ball war und dann die Vorarbeit von Derdiyok aus kurzer Distanz ins leere Tor drückte, während die Münchner nur zuschauten.

Danach versuchten es die konsternierten Gäste nochmal, doch die Angriffsbemühungen blieben erfolglos.

Stattdessen sorgte Bellarabi in der Schlussminute für die Entscheidung per Konter.

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