Reiner Calmund war einst bei Bayer Leverkusen als Manager tätig
Calmund holte unter anderem Völler, Ballack, Emerson und Lucio zu Bayer © getty

Ex-Manager Calmund erinnert sich vor dem Bayern-Spiel bei SPORT1 an seine Zeit in Leverkusen und baut auf das Heimspiel.

Von Raphael Weber

München - Fast drei Jahrzehnte gab Reiner Calmund alles für Bayer Leverkusen, bis er 2004 als Manager zurücktrat.

Doch bis heute fiebert er mit der "Werkself" und hofft gegen Bayern München (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) auf den Heimvorteil. "Zuhause hatte Bayern immer leichte Vorteile, aber bei uns in Leverkusen war immer alles ausgeglichen", erklärt er im SPORT1-Interview.

Obwohl Bayer seit seinem Abschied 2004 nur ein Bundesliga-Spiel gegen den FCB gewinnen konnte, sieht der keinen "Calli-Fluch" - den habe es auswärts schon zu seiner Zeit gegeben: "Es gab immer was auf die Ohren. Ich habe gesagt, am besten verteile ich schon im Bus Windeln an die Spieler."

Auch die Nachbarstadt Köln hat Calmund immer im Auge und glaubt fest an einen Wechsel von Lukas Podolski zu Arsenal. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Da würde ich einiges drauf wetten! Ich habe mich mit Lukas während des Karnevals lange unterhalten. Er ist fixiert auf Klubs in England, und ich habe das Gefühl, dass er zu 90 Prozent zu Arsenal wechseln wird", erklärte der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen in "Bundesliga Aktuell" auf SPORT1.

Im Interview macht Calmund den Teamcheck bei Bayer gegen Bayern und spricht über die Probleme beim 1. FC Köln.

SPORT1: Herr Calmund, Bayer hat seit ihrem Rücktritt 2004 erst einen Bundesliga-Sieg gegen Bayern gefeiert. Gibt es da einen "Calli-Fluch"?

Reiner Calmund: Zu meiner Zeit hatten wir auswärts schon einen "Calli-Fluch". Von 28 Auswärtspartien gegen Bayern haben wir mickrige zwei Spielchen in München gewonnen. Es gab immer was auf die Ohren. Ich habe gesagt, am besten verteile ich schon im Bus Windeln an die Spieler. Selbst wenn wir klare Feldvorteile, mehr Torchancen und ein Eckenverhältnis von 13 zu x hatten, haben wir verdient mit 0:3 verloren.

SPORT1: Zuhause lief es aber besser ?

Calmund: Da sah es ganz anders aus. Ich erinnere mich gerne an ein Spiel vor 15 Jahren, da liefen die Bayern unter anderem auf mit Oliver Kahn, Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Thomas Helmer und Giovane Elber auf. Nach 30 Minuten lagen wir 0:2 zurück und unser Nationalverteidiger Christian Wörns hatte die Rote Karte gesehen - ein Traumstart, beschissener konnte es nicht laufen. Dann macht kurz vor der Pause Jan Heintze das 1:2, Ulf Kirsten schoss in der zweiten Halbzeit drei Tore und das Stadion kochte.

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SPORT1: Wie schätzen Sie die Chancen aktuell ein?

Calmund: Zuhause hatte Bayern immer leichte Vorteile, aber bei uns in Leverkusen war immer alles ausgeglichen. Darauf hoffe ich jetzt auch. Es geht für beide Mannschaften um viel, jeder muss drei Punkte holen. Die Leverkusener fighten mit Hannover und Bremen um die zwei Euroleague-Plätze. Wenn sie gewinnen können sie sogar - durch die Vereinsbrille gesehen - ganz vorsichtig auf Rang vier schielen. Es gibt natürlich noch die Hoffnung, dass Fürth gegen Dortmund (im DFB-Pokal-Halbfinale, Anm. d. Red.) verliert, dann wären alle drei dabei und könnten beim Dortmunder Pokalsieg ein Fass aufmachen.

SPORT1: Aber auch für die Münchner geht es um viel ?

Calmund: Die Bayern müssen drei Punkte holen, wenn sie Dortmund auf der Pelle bleiben wollen - ohne wenn und aber! Deswegen wird es hoch hergehen.

SPORT1: Schafft Bayer gegen Bayern den Befreiungsschlag? Trainer Robin Dutt ist ja optimistisch. (VORSCHAU: Alles spricht gegen Bayer ? Dutt trotzdem Optimist)

Calmund: Wir hatten das Problem, dass Dutt sagte 'Wir wollen oben angreifen' und als das nicht geklappt hat, gab es natürlich Unruhe, es fehlte die spielerische Linie, Vidal war weg. Aber jetzt kommen Spieler zurück, allen voran Renato Augusto, und nach den zwei Siegen, vor allem dem Erfolg über Köln, ist Selbstbewusstsein da. Gegen Bayern hat Leverkusen nichts zu verlieren, das macht sie im eigenen Stadion gefährlich.

SPORT1: Wo sehen Sie bei Bayer und Bayern im direkten Vergleich die Stärken und Schwächen?

Calmund: In der Abwehr ist München klar besser, auch wenn es in der Rückrunde spielentscheidende Fehler gab. Ob das Manuel Neuer oder Philipp Lahm war, es gibt trotzdem keine Diskussion ? das sind Weltklassespieler! Auch Jerome Boateng und Holger Badstuber fahren als Nationalspieler zur EM.

Aber im Mittelfeld muss sich Leverkusen nicht verstecken und hat sogar einen kleinen Vorteil. Bei Bayern, genauso wie in der Nationalmannschaft, fehlt Bastian Schweinsteiger an allen Ecken und Enden. Er ist der Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Er ist der optimale Umschalt-Spieler, der defensiv dafür sorgt, dass nichts anbrennt und vorne Feuer legt und selbst ein paar Bälle versenkt. Bayer hat mit Stefan Reinartz, Lars Bender, Renato, Gonzalo Castro, der in einem Formhoch ist, und Andre Schürrle eine Nasenbreite Vorsprung.

Im Angriff haben die Bayern das Beste was es in Deutschland gibt. Der sehr kritisierte Franck Ribery hat gegen Schalke richtig Betrieb gemacht und jeder konnte sehen, was er drauf hat. Arjen Robben hat gegen England zwei Super-Tore geschossen. Ob hinter Mario Gomez nun Thomas Müller oder Toni Kroos spielt ? das ist ein schönes Luxusproblem.

SPORT1: Köln, Leverkusens Nachbar am Rhein, ist dagegen wieder mittendrin im Abstiegskampf. Wie konnte das passieren?

Calmund: Bei der Niederlage gegen Leverkusen hat die komplette Abwehr gefehlt. Der Poldi hat ein paar Wochen gefehlt und ohne seine 15 Tore wäre der FC mehr als im Abstiegssog. Als er weg war blieb der Erfolg aus und das Selbstvertrauen ging verloren. Aber die Verletzten werden in den nächsten Wochen wieder zurückkommen. Dann sieht das schon wieder stabiler aus und Köln wird sich retten.

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