Thomas Tuchel (r.) trainierte vor den Mainzer Profis die U 19 des Vereins © getty

Tuchel ist mit Mainz vor dem Auftritt beim BVB wieder obenauf. Bei SPORT1 erklärt er, weshalb Zidan dabei gleich doppelt hilft.

Von Matthias Becker

München - Jürgen Klopp rang die Frage nur noch ein schelmisches Grinsen ab.

Und auch Thomas Tuchel hat sich an das übliche Prozedere vor Partien gegen den früheren "Über-Mainzer" Klopp und die von ihm trainierte Borussia aus Dortmund (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) gewöhnt.

Die Frage danach, ob es etwas Besonderes sei, mit dem FSV Mainz 05 bei Klopp und Meister BVB anzutreten kann FSV-Trainer Tuchel inzwischen locker parieren.

Denn vor der Reise nach Westfalen ist er aus Klopps lange Zeit enormen Schatten in Mainz herausgetreten.

Jetzt schon mehr Punkte als Klopp

115 Punkte holte der Dortmunder Meister-Trainer in drei Bundesliga-Jahren mit dem FSV. Tuchel hat in elf Partien weniger bereits 132 Zähler eingesammelt.

Über diese nackten Zahlen hinaus liefert der Mainzer-Coach in dieser Saison sein Meisterstück ab. Nach zwischenzeitlichen Schwierigkeiten ist er mit der massiv umgebauten Elf auf dem besten Weg, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen.

Abgänge mittlerweile kompensiert

"Wir haben immer an diese positive Entwicklung der Mannschaft geglaubt", versichert Tuchel im Gespräch mit SPORT1: "Unseren guten Leistungen hatte oft nur die Bestätigung in Form von Ergebnissen gefehlt."

Mit Andre Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs verlor Tuchel im vergangenen Sommer drei Nationalspieler und absolute Leistungsträger. Als Ersatz kamen nur Fachleuten bekannte Profis wie Nicolai Müller, Eric-Maxim Choupo-Moting oder Julian Baumgartlinger.

Doch auch diese Aufgabe hat Tuchel gelöst und kann sein Team mit dem Selbstvertrauen aus fünf Spielen ohne Niederlage in die Dortmunder Arena führen.

Zidan und Szalai entscheidende Puzzleteile

Dass der Klub mit 27 Punkten schon neun Zähler Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle), hat aber auch mit einem Neuzugang zu tun, der sich im Signal-Iduna-Park bestens auskennt: Mohamed Zidan.

Der Ägypter steht mit vier Toren in vier Spielen für seine alte Liebe Mainz exemplarisch für den Aufschwung in der Rückrunde. Gemeinsam mit dem zuvor fast ein Jahr verletzten Adam Szalai verleiht er den Mainzern in der Offensive wieder Überraschungsmomente.

"Adam und Mo sind Spielertypen, die uns in der Hinrunde lange Zeit gefehlt haben", erklärt Tuchel, gibt mit Blick auf Zidans Traumquote aber auch zu: "Dass er gleich so regelmäßig trifft, konnte natürlich niemand wissen."

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Tuchel nicht mehr im Fokus

Vor allem hat die Mainzer Mannschaft mit Zidan auch wieder ein Gesicht bekommen, viel Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den schmächtigen Stürmer.

Das kommt auch Tuchel zugute, der in der Hinrunde immer wieder im Fokus der Medien stand und dabei nicht immer gut wegkam. "Wir haben einen Spielertypen gesucht, der über das Selbstverständnis verfügt, ins Rampenlicht zu wollen", sagt Tuchel zu SPORT1.

Dass er selbst dadurch im öffentlichen Auftritt aber gelöster geworden sei, will er nicht bestätigen. Er sei überzeugt, dass immer das Bild gezeichnet würde, das zu den Ergebnissen passt, so Tuchel:

"Ob daraus ein seriöses Bild von mir entsteht, sei mal dahingestellt."

Zidan sorgt für die Schlagzeilen

Auch in dieser Woche übernahm Torjäger Zidan aber wieder bereitwillig das Produzieren der Schlagzeilen. Zum einen durch seine Beteiligung an Schmähgesängen nach dem Derby-Sieg über den FCK.

Zum anderen aber auch durch seine Rückkehr nach Dortmund, das er erst am letzten Tag der Wechselperiode im Januar gen Mainz verlassen hatte.

"Das Spiel ist etwas sehr Besonderes für mich", versichert Zidan - und verspricht, im Falle eines weiteren Torerfolgs nicht übermäßig jubeln zu wollen.

"Wollen ein unangenehmer Gegner sein"

Solche Nebenkriegsschauplätze sind Tuchel weitestgehend egal, er ist voll fokussiert auf die Aufgabe, den Dortmundern nach 17 ungeschlagenen Spielen in Folge mal wieder eine Niederlage beizubringen.

Eine "persönliche Bestleistung" müsse man abrufen, um überhaupt die Chance auf Punkte zu haben - und selbst dann sei ein Erfolgserlebnis nicht garantiert, sagt Tuchel. Aber: "Wir wollen dem BVB ein unangenehmer Gegner sein."

Immerhin haben die Nullfünfer unter ihrem aktuellen Trainer noch nicht in Dortmund verloren; bisher gab es zwei Remis. Ein Sieg auf des Meisters Rasen, und Tuchel würde sich noch ein Stück weiter von Klopps ehemals großem Schatten entfernen.

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