MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Lukas Podolski spielte im Juli 2011 mit Köln gegen Arsenal und sicherte sich ein Dress © getty

Der Abgang von Podolski rückt immer näher. Sportlich wäre der Abschied eine Tragödie, auch finanziell könnte der FC nicht jubeln.

Von Reinhard Franke

München - Zwei große Fragen beherrschen momentan die gesamte Fußball-Landschaft in Köln.

Erstens: Wie geht es mit dem FC weiter, sollte Identifikationsfigur und Topstürmer Lukas Podolski tatsächlich im Sommer zu Arsenal London wechseln?

Zweitens: Passt "Prinz Poldi" überhaupt zu den "Gunners", sportlich wie menschlich?

Besonders letztere Frage wird gegenwärtig heiß diskutiert, da sich die Verantwortlichen des FC vor der Partie gegen Hoffenheim (Sa., ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) zu den Gerüchten um Podolskis Abgang - noch ist nichts bestätigt - bedeckt halten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das Wenige, was Kölns Trainer Stale Solbakken den Journalisten mitteilte, brachte kein Licht ins Dunkel: "Ich weiß mehr als ihr", so der Norweger über die Situation.

Wechsel scheint besiegelt

Trotzdem: Der Wechsel des "kölschen Jung" vom Rhein an die Themse scheint so gut wie sicher.

Einzig die Ablösesumme steht noch zur Debatte, Zahlen über Podolskis Gehalt sind konkreter: Sechs Millionen Euro Gehalt plus Prämien sind im Gespräch, Podolski soll bei den Engländern einen Dreijahresvertrag erhalten.

Doch passt der 26-jährige Stürmer zum Team von Arsene Wenger?

Sein unglückliches Intermezzo beim FC Bayern - Podolski wechselte 2006 aus Köln zum Rekordmeister, um 2009 zurückzukehren - gilt als dunkles Kapitel in seiner Karriere.

Sportlich konnte er sich nicht durchsetzen, menschlich kam er scheinbar nie ganz in München an.

Wenger und Mertesacker

In London würde Podolski aber nicht nur auf Nationalmannschaftskollegen Per Mertesacker treffen, sondern auch unter dem erfahrenen Coach Wenger spielen, der wegen seiner hervorragenden Arbeit mit jungen Spieler als exzellenter Pädagoge gilt.

Ein immens wichtiger Punkt für Podolski, der wie kaum ein anderer Spieler von seinem Umfeld abhängig ist.

Fühlt er sich wohl, zeigt er Topleistungen. Hakt es menschlich, leidet auch sein Spiel.

[kaltura id="0_ytjzwh8d" class="full_size" title="Welcome to England Poldi "]

Podolski für Arshavin

Spielerisch wiederum dürfte Podolski auf der linken Angriffsseite der "Gunners" wirbeln, wo noch bis vor Kurzem der mittlerweile abgewanderte Andrej Arshavin spielte.

Das schnelle, körperbetonte Spiel der Londoner jedenfalls dürfte Poldi entgegenkommen.

In einem SPORT1-Trend waren 64,3 Prozent der User für einen Wechsel des Stürmers zu Arsenal London, 35,7 sprachen sich dagegen aus (Stand: 01.03.2012, 20.19 Uhr).

Wesentlich problematischer dürfte es für den FC werden - das zweite große Thema in der Domstadt.

15 Tore für den FC

Sportlich zumindest wäre Podolskis Abschied - mit 15 Treffern bester Kölner der Saison - eine Katastrophe für die "Geißböcke".

Als der Angreifer in den letzten Wochen mit einem Außenbandteilabriss fehlte, merkte man, wie sehr seine Person mit dem Spiel des FC verwoben ist.

Am Samstag konnte er beim 0:2 gegen Bayer Leverkusen nach drei Wochen Verletzungspause zumindest sein Blitz-Comeback geben.

Finanzielle Probleme drohen

Doch nicht nur sportlich ist Lukas Podolski ein elementares Fundament des Vereins. Auch die wirtschaftliche Situation des Klubs steht auf dem Spiel.

Alleine sein Trikotverkauf würde ein Loch aufreißen, das beachtlich wäre, schließlich gilt er als das Herz des Klubs, die Identifikationsfigur einer ganzen Stadt.

Weiteres Problem: der FC dürfte von den geforderten 20 Millionen nur rund zwölf Millionen behalten: Inverstor Franz-Josef Wernze, die Solarworld AG, und der FC Bayern München würden laut "Bild" zu rund 40 Prozent beteiligt.

Keine großen Namen

Ein Verkauf Podolskis wäre der Startschuss für eine Neuausrichtung des Vereins - doch große Namen spielen in den Planungen von Sportdirektor Volker Finke keine Rolle.

Ohne Podolski dürfte der FC zu einem Team von Namenlosen verkommen.

Diesen Zustand kennt Finke. Beim SC Freiburg hatte er eine Zeit lang Erfolg mit Namenlosen zusammengearbeitet. Solch ein Modell schwebt ihm dann auch beim FC vor, wenn "Poldi" wirklich "tschö" sagen sollte.

Durchaus fraglich scheint jedoch, ob das Team auf einen Podolski in Topform verzichten kann und wer qualitativ seine Nachfolge antreten könnte.

Fest steht, dass die Kölner ohne seine Tore wesentlich schlechter platziert wären als momentan Platz 14.

Wie auch immer die sportliche Leitung des FC Podolski kompensieren würde: Die Identitätsfigur der Kölner wäre nicht zu ersetzen.

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