Erwin Staudt wurde 2003 zum Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt. © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht VfB-Boss Erwin Staudt über die Absetzung von Fernando Meira als Kapitän und die Transferpolitik der Schwaben.

München - Nur fünf Tage vor dem UI-Cup-Spiel des VfB Stuttgart bei Saturn Ramenskoje ist im sonst so beschaulichen "Ländle" Hektik ausgebrochen.

Für den größten Aufreger sorgte VfB-Trainer Armin Veh am Montag mit der Absetzung Fernando Meiras als Kapitän der Schwaben.

Veh reagierte damit auf die erneuten Wechselabsichten des Portugiesen.

Gegenüber Sport1.de erklärte Stuttgarts Präsident Erwin Staudt zur Personalie Meira, dass er "im Moment nichts Konkretes auf dem Tisch liegen" habe, stellte aber auch klar:

"Wenn etwas Konkretes da ist, müssen der Spieler und sein Berater an uns herantreten und uns das sagen".

Im Interview mit Sport1.de spricht Staudt zudem über möglichen Ersatz für den Innenverteidiger, die Gründe der Absetzung als Kapitän und über schwierige Charaktere unter den Neuzugängen.

Sport1: Am Samstag startet für den VfB bereits die Saison mit dem ersten Pflichtspiel bei Saturn Ramenskoje. Wie stehen die Chancen?

Erwin Staudt: Ich hoffe, dass wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel verschaffen, denn wir wollen uns für den Uefa-Cup qualifizieren. Wir haben alles dafür getan, um in den UI-Cup zu gelangen. Ich hoffe, dass die Jungs die Chance ergreifen, auch wenn es schwer wird, weil wir noch nicht komplett sind und die Vorbereitung für die Bundesliga ganz klar Priorität hat. Ramenskoje hingegen steht mitten in der Saison und hat schon zwölf Spiele absolviert. Das ist ein Riesenvorteil.

Sport1: Wie läuft die Vorbereitung bisher?

Staudt: Die Vorbereitung verläuft planmäßig. Wir hatten das Lauftrainingslager in Donaueschingen (28. Juni - 06. Juli, Anm. d. Red) und jetzt trainiert die Mannschaft hier. Am 19. Juli geht's dann nach Going ins letzte Trainingslager vor dem Bundesliga-Start.

Sport1: In Going soll auch ein neuer Kapitän gewählt werden...

Staudt: Ja, das müssen die Jungs dann als nächstes machen, wenn alle Spieler da sind.

Sport1: Wo liegen die Gründe für die Absetzung von Fernando Meira als Mannschaftskapitän?

Staudt: Das kann ich im Einzelnen nicht begründen. Das ist eine Sache, die unsere sportliche Leitung mit den Spielern ausmacht. Und die sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man für die neue Saison einen neuen Kapitän braucht.

Sport1: Hängt die Absetzung Meiras mit den Wechselabsichten des Spielers zusammen?

Staudt: Das möchte ich nicht kommentieren.

Sport: Bleibt er denn beim VfB?

Staudt: Im Moment gibt es nichts Neues. Ich habe nichts Konkretes auf dem Tisch liegen.

Sport1: Würde der Verein den Spieler bei einem entsprechenden Angebot ziehen lassen?

Staudt: Das hängt dann davon ab, wenn ein Angebot kommt. Wenn etwas Konkretes da ist, müssen der Spieler und sein Berater an uns herantreten und uns das sagen. Jetzt im Moment habe ich nichts.

Sport1: Wen hat der VfB als Ersatz für Meira im Auge?

Staudt: Ich gehe im Moment nicht davon aus, dass dieser Fall eintritt. Wenn, dann wären aber verschiedene Varianten möglich. Unsere Scouts sind das ganze Jahr über aktiv, da gibt's mehrere Alternativen.

Sport1: Waren Ihre Scouts auch in Berlin?

Staudt: Das kann ich im Moment nicht bestätigen. Die sind natürlich überall unterwegs. Berlin gehört auch dazu.

Sport1: Arne Friedrich wäre also auch ein Thema?

Staudt: Ja, aber daran wird momentan nicht konkret gearbeitet.

Sport1: Und wie sieht die Situation bei Pavel Pardo aus, für den ein Angebot seines Heimatvereins vorliegt?

Staudt: Wir wollen, dass Pavel bleibt. Im Moment laufen die Gespräche noch. Der Spieler gehört zum VfB und wir möchten ihn gerne behalten.

Sport1: Was sagen Sie zu den Warnungen, der VfB sei mit seinen Neuverpflichtungen ein hohes Risiko eingegangen, weil man sich mit Jens Lehmann und Jan Simak nicht unbedingt "pflegeleichte" Spieler geholt hat?

Staudt: Das sehe ich nicht so. Ich habe die Jungs kennengelernt, das sind alles intakte Persönlichkeiten. Da habe ich überhaupt keine Bedenken.

Sport: Auch nicht, wenn's sportlich schlecht laufen sollte?

Staudt: Wenn es nicht so läuft wie geplant, gibt es immer Spannungen, aber die sehe ich nicht in den Neuzugängen begründet. Die Spieler haben von sich aus einen sehr hohen Grad an Motivation, Spitzenleistungen im Team zu bringen. Da muss sich jeder mit seinen individuellen Wünschen unterordnen. Der Charakter der Einzelnen ist sehr gut. Ich bin sehr zuversichtlich für die neue Saison.

Das Gespräch führte Jan Reinold