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Hockenheim - Bubi-Schumi, Super-Talent, Lausbub: Sebastian Vettel steht mit seiner erfrischenden und unbekümmerten Art bei den deutschen Fans hoch im Kurs, doch beim ersten Formel-1-Heimspiel in Hockenheim ist er nur krasser Außenseiter.

"Mein Ziel ist es, immer bester deutscher Fahrer zu sein, aber das wird diesmal ganz schwer", sagt der 21-Jährige vor dem Großen Preis von Deutschland am Sonntag.

In dem unterlegenen Toro Rosso spielt Vettel beim spannendsten Titelrennen aller Zeiten nur eine Nebenrolle.

Doch der Blondschopf weiß, dass seine Zeit noch kommt. "Der Junge wird mal ein Großer", meint auch sein Teamchef Gerhard Berger.

Nachfolger für Coulthard?

Vielleicht kann Vettel 2009 in der Karriereleiter eine Stufe nach oben klettern, denn er gilt als heißester Kandidat für das Red-Bull-Cockpit von Renn-Rentner David Coulthard.

"DC", der nach dieser Saison aufhört, hat Vettel als Nachfolger vorgeschlagen. "Sebastians Reife und seine Einstellung zeigen mir, dass er der beste Mann für den Job ist", sagt der 37-Jährige und lobt den deutschen Youngster: "Er hat alles, was ein künftiger Sieger in der Formel 1 braucht."

Das Zeug zum kommenden Weltmeister

Prominentester Fürsprecher Vettels ist kein Geringerer als der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher. "Sebastian hat das Zeug zum kommenden Weltmeister, er wird die Überraschung dieser Saison", urteilt der heutige Ferrari-Berater über den Bubi-Schumi.

Vor allem Vettels Art, die Dinge mit Witz und Charme anzugehen, imponiert dem "großen" Schumi.

Der junge Hesse, der einst von BMW ausgebildet wurde und bei den Münchnern bis vor einem Jahr Test- und Ersatzfahrer war, hebt trotz aller Vorschusslorbeeren nicht ab. Vettel: "Natürlich macht mich das stolz. Andererseits betrachte ich es nüchtern, es macht mich auf der Runde nicht schneller." Er müsse hart arbeiten und "lernen, lernen, lernen".

Reifeprüfung bestanden

Seine Reifeprüfung in der Königsklasse hat er längst bestanden. Vor einem Jahr wurde er nach Robert Kubicas (Polen) schwerem Unfall ins kalte Wasser geworfen. Als BMW-Ersatzpilot holte er damals in Indianapolis als jüngster Fahrer aller Zeiten einen WM-Punkt.

"Das war eine unglaubliche Erfahrung für mich", sagt der Hesse über den Coup im berühmtesten "Nudeltopf" der Welt.

Fehlstart in 2008

In diesem Jahr legte Vettel einen Fehlstart hin, vier Ausfälle in Serie machten dem Jungspund zu schaffen. Doch dann die Erlösung: In Monte Carlo, dem wichtigsten Formel-1-Rennen der Welt, raste er unter schwierigsten Bedingungen auf Rang fünf.

In Montreal holte er als Achter noch einen WM-Punkt, mit insgesamt fünf Zählern liegt er in der Gesamtwertung auf dem 15. Platz. Damit hat Vettel immerhin drei WM-Punkte mehr auf dem Konto als sein Teamkollege Sebastien Bourdais (Frankreich).

Traum vom Treppchen

Pech hatte Vettel zuletzt in Silverstone, wo er ausgerechnet von Coulthard von der nassen Strecke geschubst wurde. In Hockenheim hofft das Talent auf weitere Punkte, insgeheim träumt der 21-Jährige sogar vom Sprung aufs Treppchen.

Vettel: "Wenn man hier fährt, fühlt man sich sicherer. Man strengt sich mehr an. Es ist irgendwie befreiend, es ist ein tolles Gefühl, wenn die Zuschauer einen anfeuern."