Aha, so riecht der Erfolg: Stefan Schumacher und sein Gelbes Trikot © getty

Das vom Aus bedrohte Gerolsteiner-Team schöpft nach Stefan Schumachers Zeitfahr-Sieg neuen Mut. Der Mann in Gelb flirtet mit einem Wechsel.

Krankenhaus statt Nationalmannschafts-Debüt, Bangen statt Sicherheit - der extra vor Olympia eingebürgerte NBA-Star Chris Kaman ist fünf Tage vor Beginn der Peking-Qualifikation der deutschen Basketballer immer noch eine unkalkulierbare Größe.

"Langsam wird es Zeit, dass er ans Spielen kommt", sagte selbst Bundestrainer Dirk Bauermann nach der 86:91 (33:40)-Niederlage von Dirk Nowitzki und Co. gegen Kanada in Hamburg.

"Wir stehen unter erheblichem Zeitdruck", sagte DBB-Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt Sport1.de.

Am Tag des vorletzten Testspiels vor dem olympischen Quali-Turnier in Athen (14. bis 20. Juli) warteten die Deutschen vergeblich auf die Freigabe des Center der Los Angeles Clippers. Die NBA prüft das Standard-Versicherungspaket für den 26-Jährigen noch.

Kaman womöglich ohne Generalprobe

Kaman landete zwar aus Kalifornien kommend in der Hansestadt, absolvierte auch ein leichtes Training.

Doch statt erstmals für Deutschland aufzulaufen, ließ er sich nach der ersten Hälfte in ein Hamburger Krankenhaus chauffieren, um auf Geheiß seines Arbeitgebers noch einmal eine Kernspintomographie seines mehrere Monate lang lädierten Sprunggelenks durchführen zu lassen.

"Chris selbst war am meisten betroffen", berichtete Brenscheidt. "Er war dermaßen enttäuscht?" Auch das Mitwirken Kamans bei der Generalprobe des deutschen Teams am Freitag (20.15 Uhr) in Mannheim gegen Kanada ist noch fraglich.

Verzögerung wegen Nationalfeiertag

"Wir hoffen und bangen", meinte Brenscheidt, der in der vergangenen Woche persönlich in L.A. den Vorgang vorangetrieben hatte.

"Wir konnten erst nach Kamans Einbürgerung agieren", erläuterte der Sportdirektor. "Und durch den Unabhängigkeitstag in den USA sind wir aufgehalten worden."

Cholet - Die ersten Anrufe auf dem Handy von Hans-Michael Holczer ließen nicht lange auf sich warten.

"Man hat sich schon erkundigt, zu welchen Konditionen man bei uns einsteigen kann", berichtete der Gerolsteiner-Teamchef gut gelaunt nach dem größten Erfolg in der Geschichte seines Radrennstalls.

Hatte der 54-Jährige seine monatelange Suche nach einem neuen Hauptsponsor in den Tagen zuvor noch äußerst skeptisch kommentiert, wirkte er nach dem Sensationssieg von Stefan Schumacher im Tour-Zeitfahren und der Eroberung des Gelben Trikots optimistischer denn je: "Ich gehe davon aus, dass uns das jetzt wirklich weiterhilft."

Stimmungswechsel an Tag fünf

Der Stimmungswechsel war auch beim Start der fünften Etappe am Mittwoch zu spüren. Als erster Gerolsteiner-Fahrer überhaupt nahm Schumacher auf der Fahrt von Cholet nach Chateauroux (232 km) ein Tourteilstück als Spitzenreiter in Angriff.

Während der 26-Jährige beim Interview-Marathon am Vormittag und der anschließenden Einschreibe-Prozedur samt wortreicher Vorstellung durch Toursprecher Daniel Mangeas mit seinem Leader-Shirt um die Wette strahlte, machte sich auch rund um den Teambus große Zuversicht breit.

"Das Beste, was passieren konnte"

"Wir sind alle unheimlich stolz auf diesen Erfolg. Das ist das Beste, was uns passieren konnte", sagte Schumachers Teamkollege Fabian Wegmann.

Zwar bedeutet die Führung im Gesamtklassement für die Mannschaft mehr Arbeit, aber das nehmen Wegmann und Co. gerne in Kauf: "Für uns ist das doch das Größte. Bisher waren wir auf Angriff eingestellt, jetzt heißt es, Gelb möglichst lange zu verteidigen. Dafür werden wir alles geben", erklärte der deutsche Meister.

Signal an Geldgeber

Für Holczer war Schumachers Husarenritt vor allem das lang ersehnte Signal an alle potenziellen Geldgeber. "Durch so einen Erfolg kann jeder sehen, was die Tour für eine Strahlkraft hat", erklärte der Schwabe, bei dem sich noch am Dienstagabend bereits "ein konkreter Interessent" gemeldet hatte.

Doch als Geschäftsmann vertraut der ehemalige Mathematik- und Geschichtslehrer auf die noch zu erwartende Image-Steigerung mit jedem weiteren Tag in Gelb: "Ich hätte nichts dagegen, wenn in den nächsten Tagen noch mehr Anrufe kommen."

Mit der Brechstange

Schumacher, der auch von anderen Teams, darunter dem deutschen Milram-Rennstall umworben ist und Verhandlungen bereits zugegeben hat, genoss unterdessen seinen ganz persönlichen Triumph nach den vielleicht schwersten Monaten seiner Karriere.

"Ich hatte im Frühjahr einige Probleme und bin meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden", sagte der 26-Jährige

Seine Formkurve zeigte in den letzten Wochen vor der Frankreich-Rundfahrt wieder nach oben: "Vielleicht habe ich es einfach zu lange mit der Brechstange versucht. Aber inzwischen ist der Spaß am Radfahren zurückgekommen. Ich denke, ich bin wieder der Alte."

Dopingverdacht im Herbst

Hinter sich lassen möchte der Nürtinger auch die "dumme Geschichte" (Schumacher), die ihn im vergangenen Herbst reichlich Negativ-Schlagzeilen einbrachte.

Wenige Tage nach seinem dritten Platz im WM-Straßenrennen von Stuttgart im vergangenen September hatten ein Autounfall unter Alkoholeinfluss und eine anschließende Blutprobe der Polizei, die Spuren von Amphetaminen aufwies, für Wirbel gesorgt.

Da es sich in diesem Fall aber nicht um eine offizielle Doping-Kontrolle handelte, blieb er von Sanktionen verschont.

Auch unregelmäßige Blutwerte vor der WM, die einen Dopingverdacht nährte und von Schumachers Ärzten mit einer Durchfall-Erkrankung erklärt wurden, hatten für ihn keine sportrechtlichen Folgen.

Schwere Tage im Zentralmassiv

Für Holczer ist die Sache inzwischen erledigt: "Das war eine sehr unangenehme Geschichte, die aber sehr eindeutig geklärt wurde", so der Teamchef: "Wenn ich davon nicht 100-prozentig überzeugt wäre, wäre 'Schumi' nicht hier."

Stattdessen darf sich das ganze Team nun in Schumachers Glanz sonnen.

Und der hofft, die werbeträchtige Fahrt in Gelb noch etwas fortsetzen zu können: "Uns stehen schwere Tage im Zentralmassiv bevor, da muss ich sehen, was die Beine hergeben. Andere sind sicher auch scharf auf das Trikot."