Der Europäischen Fußball-Union (UEFA) droht eine langwierige juristische Auseinandersetzung über das Financial Fairplay - und spürt Gegenwind aus der englischen Premier League.

Nachdem der belgische Spieleragent Daniel Striani in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über seinen Anwalt Jean-Louis Dupont ankündigte, mit seiner im Mai eingereichten Klage notfalls weitere Instanzen des Europäischen Gerichtshofs anzurufen, äußerte Bruce Buck, Vorstandsvorsitzender des FC Chelsea, Zweifel am Grundsatz des Kontrollsystems.

"Es fühlt sich so an als hätten wir einen gebrochenen Finger - und schneiden uns den ganzen Arm ab", zitiert "Sky Sports" den US-Amerikaner: "Das Problem, das wir ausgemacht haben ist, dass das Financial Fairplay einen weiten Weg geht, um den Status quo zu erhalten."

Das "Großartige am englischen Fußball" sei aber, "dass auch die Vereine in der 4. Liga davon träumen können, irgendwann die Meisterschaft zu gewinnen", sagte Buck: "Das ist durch das Financial Fairplay schwierig, wenn nicht sogar unmöglich."

Ähnlich argumentiert auch Dupont, der die Bestimmungen, die den Klubs vorschreiben, nicht mehr Geld auszugeben, als sie einnehmen, als Wettbewerbseinschränkung verurteilt - sowohl für die Vereine als auch in der Folge für seinen Klienten.

"Die meisten Studien der Ökonomen, die sich mit diesem Thema befassen, zeigen, dass die UEFA mit der Break-even-Regel nicht nur ihre Ziele einer finanziellen Stabilität der Vereine und der Integrität des Wettbewerbs verpasst, sondern zudem nur die größten Klubs in Europa einen Vorteil daraus ziehen", sagte er: "Die kleinen Vereine bleiben klein. Das kann nicht der Sinn sein."

Neben dem erstinstanzlichen Verfahren in Brüssel hat Dupont Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt - und schließt auch weitere Schritte nicht aus. "Wir wollen den Richter dazu bekommen, dass er die Break-even-Regel für nichtig erklärt. Wenn nötig, auch mit einem Gang vor die nächste Instanz am Europäischen Gerichtshof", sagte Dupont.

Die UEFA hatte bislang gelassen auf die Klage reagiert und darauf verwiesen, dass die Bestimmungen des Financial Fairplay sowohl von der EU-Kommission, als auch vom europäischen Parlament, den Klubs, den Ligen und den Profi-Spielervereinigung mitgetragen werden.

Auch Buck insistierte, dass Chelsea die Regel natürlich befolge.

"Das Financial Fairplay ist gültig. Wir wollen alle an den Wettbewerben teilnehmen, also werden wir die Vorgaben erfüllen", sagte er mit Blick auf den Strafenkatalog, der derzeit vom Vorenthalt von Antritts- und Siegprämien bis hin zu Beschränkungen des Spielerkaders und zur Not Verbot an der Teilnahme am Wettbewerb reicht.

Strianis Anwalt Dupont hatte bereits in den 1990er Jahren zu einem richtungweisenden Urteil im europäischen Fußball beigetragen, als er für den Fußballer Jean-Marc Bosman das Recht erstritt, nach Vertragsende ablösefrei den Verein wechseln zu dürfen. Das Urteil vom 15. Dezember 1995 führte zur Liberalisierung des Transfersystems.

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