Mario Gomez leistet sich bei seinem Serie-A-Debüt einen kolossalen Fehlschuss. Florenz feiert seinen Heilsbringer dennoch.

[kaltura id="0_6buuw7dy" class="full_size" title=""]

Von Martina Farmbauer

Florenz/München - Mario Gomez hatte seinen ersten Treffer im ersten Ligaspiel für den AC Florenz auf dem Fuß.

Kurz vor der Halbzeit war es, als Gomez gegen Catania Calcio unmittelbar vor dem leeren Tor frei zum Schuss kam. Und nur den Pfosten traf.

Für Gomez war es ein unglücklicher Start in die Serie A. Ein unglücklicher Beginn des neuen Karriere-Abschnitts. Trotz des am Ende eher ungefährdeten 2:1-Sieges der Fiorentina. (DATENCENTER: Serie A)

"Jetzt wird er keine Fehler mehr machen"

Dennoch: Fans, Presse und Öffentlichkeit in Italien gehen gnädig mit dem ehemaligen Münchner um. Als Heilsbringer haben sie Gomez gefeiert, und als Heilsbringer sehen sie ihn auch weiterhin.

Das Publikum im Stadion klatschte auch ? oder gerade ? wegen des Fehlschusses. Die Mannschaft tröstete Gomez beim gemeinsamen Feiern. Und Klub-Präsident Andrea Della Valle bewertete den Auftritt von "Super-Mario" positiv, ja er brachte sogar Verständnis auf:

"Gomez befindet sich in der idealen Mannschaft. Er hat zwar einen Fehler gemacht, weil zu viele Augen auf ihn gerichtet waren", sagte Della Vella. "Jetzt wird er keine Fehler mehr machen."

Zeitungen sind gnädig

Auch die Zeitungen hielten sich am Tag danach mit Kritik zurück.

Die "Gazzetta dello Sport" beschreibt zwar, wie Gomez an den Pfosten schießt. Aber die Geschichte des Tages ist für das rosafarbene Blatt eine andere:

Sie handelt von Gomez? Sturmpartner Giuseppe Rossi, der das Tor zum 1:0 seinem verstorbenen Vater widmete. Rossi trägt das Trikot mit der Nummer 49, das Geburtsjahr seines Vaters.

Guter Wille, aber auch Pech

"Tuttosport" bescheinigt Gomez, dass er zwar guten Willen gezeigt, aber auch Pech gehabt habe: "Statt des Tores trifft er nur den Pfosten." Er müsse noch in die Mechanismen der Mannschaft hineinfinden.

Und für den "Corriere dello Sport" ist es nur eine Frage der Zeit, bis Gomez dies gelingt und er auch das Tor wieder trifft: "Gomez ist noch schwerfällig und steif, doch seine besten Zeiten werden wieder zurückkommen."

Erinnerung an das Trauma von Wien

Die Begeisterung in Florenz für Gomez ist ohnehin eine besondere. 30.000 Fans kamen zu seiner Vorstellung und hießen ihn herzlich willkommen.

In der Heimat war dies nicht immer so: Beim Länderspiel gegen Paraguay vor knapp zwei Wochen pfiffen ihn die Zuschauer bei seiner Einwechslung aus.

Auf die Frage, wie er mit solchen Vorkommnissen umgehe und diese verarbeite, sprach Gomez in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" kürzlich selbst von der Europameisterschaft in Österreich 2008.

Damals stand er einen Meter vor dem Tor und verschoss freistehend. Er erntete Hohn und Spott.

Mehr als 100 Tore in der Bundesliga

In Deutschland gilt der 28-Jährige seitdem bei manchem Beobachter als Chancentod.

Die Menschen, die diese Einschätzung verbreiten, würden ihre Meinung nicht mehr ändern, sagte Gomez in dem Interview.

Auch wenn er seit jenem denkwürdigen Abend in Wien mehr als 100 Tore in der Bundesliga und 20 in der Champions League erzielt habe.

Dennoch: All diesen Menschen hat Gomez mit seinem Pfostenschuss neues Futter gegeben.

Wiedergutmachung am Donnerstag?

Schon an diesem Donnerstag hat er allerdings die Chance auf Wiedergutmachung.

Dann steht für den AC Florenz das Rückspiel in der Qualifikation zur Europa League gegen Grasshopper Zürich an.

Das Hinspiel gewann die Fiorentina 2:1. Gomez hätte fast getroffen.

Das Tor zum 2:0 wurde jedoch nicht ihm, sondern dem hereingrätschenden Grashopper-Verteidiger Stephane Grichting zugesprochen. Es war eine unglückliche Situation für den deutschen Nationalspieler.

Weiterlesen