Aldo Serena (l.) begleitet die Serie A inzwischen als TV-Experte © getty

Mario Gomez startet gegen Catania sein Serie-A-Abenteuer. Aldo Serena erklärt bei SPORT1, worauf es für Gomez ankommt.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Stoßseufzer kam aus dem Innersten.

"Puh, zwei Monate Vorbereitung sind ganz schön lange!", ließ Mario Gomez vor kurzem seine Fans via Facebook wissen. So intensiv wie nie in seiner Karriere bereitete sich der Stürmer des AC Florenz auf den Saisonstart vor.

Der Lohn dafür: Im Playoff-Hinspiel zur Europa League bei Grashoppers Zürich zeigte Gomez eine starke Leistung, auch wenn ihm sein erstes Pflichtspieltor nicht vergönnt war. Die UEFA erklärte Gomez' vermeintlichen Treffer beim 2:1-Sieg nachträglich doch zu einem Eigentor von Stephane Grichting.

Womöglich jubelt Gomez stattdessen beim Saisonauftakt in der Serie A gegen Catania Calcio (ab 20.35 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und LIVESCORES).

Aldo Serena prophezeit den Florenz-Fans jedenfalls viel Spaß mit Gomez. Der Ex-Mitspieler von Lothar Matthäus spricht im SPORT1-Interview außerdem über Gomez' Start in Italien, die Ambitionen der Fiorentina und gibt einen Tipp für den heißen Spätsommer.(DATENCENTER: Serie A)

SPORT1: Herr Serena, könnte Mario Gomez für Florenz das entscheidende Puzzleteil sein?

Aldo Serena: Ich bin überzeugt davon. In der vergangenen Saison hat Florenz sehr schnell gespielt, den Ball am Boden gehalten, mit Gomez wird Florenz mehr auf Flanken setzen und mit schnellen Pässen in die Spitze arbeiten. Allerdings wird die Mannschaft aus meiner Sicht darunter leiden, in der Europa League donnerstags zu spielen und dann sonntags in der Serie A. Damit haben fast alle italienischen Teams Probleme, weil die Kader nicht so breit aufgestellt sind.

SPORT1: Was muss Gomez tun, um in Florenz erfolgreich zu sein?

Serena: Er muss so spielen wie beim FC Bayern, aber Florenz wird auch das Spiel auf die Stärken von Gomez umstellen. Stevan Jovetic (im Sommer zu ManCity gewechselt, Anm. d. Red.) war in der vorigen Saison zentraler Stürmer, er ist flexibler als Gomez, lässt sich mehr fallen. Gomez ist ganz anders: Er ist athletisch, kopfballstark, kann gut den Ball behaupten. Es wird auf Florenz ankommen, sie müssen sich an Gomez anpassen.

SPORT1: Welchen Rat würden Sie Gomez zum Start geben?

Serena: Er sollte die ersten Halbzeiten ruhig angehen. Im August kann es sein, dass die Temperaturen auf dem Feld bei 36, 37 Grad liegen. Das ist anders als in der Bundesliga. Auch die Luftfeuchtigkeit kann sehr hoch sein. In einem Monat wird es anders aussehen, dann können seine Mannschaft und er mehr mit größerer Intensität spielen.

SPORT1: In Deutschland wundert man sich noch immer, dass er nach Florenz gegangen ist und nicht zu einem Klub, der in der Champions League spielt. Wie sehen Sie seine Entscheidung?

Serena: Er hat sich richtig entschieden, in Florenz ist er ein Fixpunkt, alle wollten ihn. Er kann in Florenz der entscheidende Mann werden, derjenige, der die Aktionen abschließt und für die Tore gefeiert wird. Florenz wird für Gomez spielen. Und die Viola hat ja auch eine Tradition mit deutschen Spielern, Stefan Effenberg hat hier sehr gut gespielt.

SPORT1: Ihre Prognose: Werden die Fans ihn lieben?

Serena: Florenz hat immer große Stürmer gehabt wie Roberto Baggio und Gabriel Batistuta, die Anhänger hoffen auf einen Angreifer, der sie mit den Toren verzaubert. Sie freuen sich auf ihn.

SPORT1: In der Vorsaison wurde die Firoentina etwas überraschend Vierter. Dieser Effekt ist jetzt weg. Wird es somit schwieriger für die Viola?

Serena: Ich halte Trainer Vincenzo Montella für sehr intelligent, er wird mit der neuen Ausgangslage gut zurechtkommen. Die Fiorentina hat sich zudem sowohl im Angriff als auch im Mittelfeld gut verstärkt, Gomez, Joaquin, Massimo Ambrosini sind beispielsweise gekommen. Der einzige Schwachpunkt der Fiorentina könnte die Defensive sein, die Verteidiger besitzen nicht die gleiche Qualität wie die Offensivspieler. Ich denke, dass Florenz noch im Endspurt versucht neue Verteidiger zu holen.

SPORT1: Wenn Sie auf die zu Ende gehende Transferperiode schauen, wie bewerten Sie überhaupt die Einkäufe der italienischen Topklubs?

Serena: Neapel hat sehr viel Geld in die Hand genommen, mehr als 70 Millionen Euro ausgegeben, mit den 62 Millionen für Edinson Cavani hatten sie die Möglichkeit das Gesicht ihrer Mannschaft zu ändern. Juventus hat mit Augenmaß investiert, Carlos Tevez sollte gut passen.

SPORT1: Ist Napoli nach diesem Einkaufszug neben Juve der absolute Favorit auf den Scudetto?

Serena: Ich glaube schon. Juve hat auch im Supercup gegen Lazio gezeigt, was sie können, 4:0 gewonnen. Sie sind den anderen Teams voraus, was den Rhythmus des Spiels anbetrifft, aber auch den physischen Zustand.

SPORT1: Und wie bewerten Sie die Entwicklung des AC Milan?

Serena: Milan ist in diesem Jahr kaum auf dem Markt aufgetreten, auch weil Berlusconi nicht mehr bereit ist, wie früher Geld auszugeben. Für Milan ist es fundamental die Gruppenphase der Champions League zu erreichen, dann können sie auch Honda von ZSKA Moskau kaufen und sie könnten dann auch erneut einen Anlauf bei Florenz' Ljajic unternehmen, der aber auch von Atletico Madrid gejagt wird.

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