Cristian Zaccardo spielt seit Januar für den AC Mailand in der Serie A © getty

Vor dem Saisonstart spricht Milan-Profi Zaccardo bei SPORT1 über den deutschen Torjäger und die Favoriten in der Serie A.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Patriarch leidet, sein Klub mit ihm.

Wegen Steuerbetrugs wurde Milan-Mäzen Silvio Berlusconi Anfang August zu vier Jahren Haft verurteilt. Wie das Urteil gegen ihn letztlich umgesetzt wird, ist aber offen. Wegen seines Alters entgeht der 76-Jährige zwar der Haft, doch Berlusconi droht Hausarrest oder die Verrichtung "sozialer Arbeit".

Um sein Lieblingsspielzeug, den AC Milan, kann sich der Unternehmer und Politiker so jedenfalls nicht kümmern. Auch deshalb sparen die Rossoneri: Bescheidene 16 Millionen Euro hat der Verein vor dieser Saison in den Kader gesteckt: Teuerster Neuzugang ist Cristian Zapata, der für sechs Millionen Euro vom FC Villareal in die Lombardei gelotst wurde.

Mario Gomez war da schon deutlich teurer, 15,5 Millionen Euro überweist der AC Florenz an den FC Bayern. Der "Torero" steht vor seiner ersten Saison in der Serie A - und löste in Florenz einen Hype aus.

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw legte er am Donnerstag beim 2:1 bei Grasshopper Zürich in der Europa-League-Qualifikation ein starkes Pflichtspiel-Debüt hin. Auch die Konkurrenz hat das registriert.

Vor dem Saisonstart der Serie A mit dem Gastspiel des AC Mailand bei Hellas Verona (Sa., ab 18 Uhr LIVESCORES) spricht der Ex-Wolfsburger Cristian Zaccardo im SPORT1-Interview über Mario Gomez' Rolle in Florenz, den Titelkampf in der Serie A und mögliche Duelle mit den Bayern.

SPORT1: Herr Zaccardo, wie gut ist Milan für die neue Saison gerüstet?

Cristian Zaccardo: Wir haben fast die gleiche Mannschaft wie in der Vorsaison, als wir nach einer schlechten Hinrunde eine sehr gute Rückrunde gezeigt haben. Wenn wir in dieser Art und Weise weitermachen, können wir auf jeden Fall um den Titel mitspielen. Natürlich ist aber erstmal Juventus Turin der Favorit.

SPORT1: Wen zählen Sie neben Juve, Milan und Florenz noch zu den Teams, die für die drei Champions-League-Plätze in Frage kommen?

Zaccardo: Neapel sollte man auf jeden Fall auf der Rechnung haben, vielleicht aber auch Inter und den AS Rom.

SPORT1: Die deutschen Fans schauen besonders auf den AC Florenz und Neuzugang Mario Gomez. Wie sehr müssen Sie auf die Konkurrenz aus der Toskana aufpassen?

Zaccardo: Florenz hat sich wirklich gut verstärkt, zumal sie ja auch im vergangenen Jahr schon in guter Verfassung waren und nur knapp hinter uns Vierter wurden. Mit Gomez haben sie einen starken Angreifer hinzugeholt und werden mit um die ersten drei Plätze kämpfen.

SPORT1: Sie sind in Deutschland mit dem VfL Wolfsburg auch auf Mario Gomez getroffen. Erscheint er Ihnen in der Lage, sich rasch an die Serie A anzupassen?

Zaccardo: Ich denke ja. Man hat das auch bei Klose gesehen, der vom FC Bayern zu Lazio gekommen ist und es dort gleich gut gemacht hat. Gomez wird das genauso schaffen.

SPORT1: Der AC Milan muss derzeit in den Playoffs zur Champions League gegen Eindhoven bestehen. Im Hinspiel gab es ein 1:1. Glauben Sie, dass die Rossoneri in Europa in der neuen Saison überraschen können?

Zaccardo: Wir sind der AC Milan! Wir versuchen also immer zu gewinnen und auch in der Champions League bis zum Schluss dabei zu sein, auch wenn es in Europa im Moment stärkere Mannschaften gibt. Doch man hat im letzten Jahr bei unserem Heimsieg über Barca (2:0, Anm. d. Red.) gesehen, was möglich ist. Leider hat es dann in Barcelona nicht für uns gereicht.

SPORT1: Für den FC Bayern ist der AC Milan statistisch gesehen so etwas wie der Angstgegner. Wird das ein psychologischer Vorteil sein, falls Milan sich gegen Eindhoven in den Champions-League-Playoffs durchsetzt und später womöglich auf den FCB trifft?

Zaccardo: Ja, das könnte so sein (schmunzelt). Auch mit der Nationalmannschaft haben wir zuletzt gegen Deutschland immer gut ausgesehen und mehr Partien gewonnen. Man braucht aber auch immer ein bisschen Glück.

SPORT1: Sie sind im Winter 2013 zum AC Milan gekommen, haben selten gespielt. Wie sehr frustriert Sie das?

Zaccardo: Ja, ich war immer gewöhnt zu spielen, jetzt saß ich viel auf der Bank, ich hoffe, nun mehr Möglichkeiten zu bekommen.

SPORT1: Was macht Sie zuversichtlich, nun im Ranking von Trainer Massimiliano Allegri weiter vorzurücken?

Zaccardo: Alle wollen spielen, das ist klar. Bei Milan ist der Wettbewerb sehr groß, aber jeder bringt die Mannschaft weiter, da muss man sich Tag für Tag seinen Einsatz verdienen.

SPORT1: Sie sind 2009 mit Wolfsburg Deutscher Meister geworden. Gibt es eigentlich noch Kontakte zum VfL?

Zaccardo: Es war eine schöne und erfolgreiche Zeit in Deutschland, es hat mir leidgetan vom VfL wegzugehen. Ich denke aber immer noch gerne an dieses Jahr zurück. Ich habe auch noch einige Freunde in Wolfsburg und Kontakt zu Spielern, die ich damals kennengelernt habe.

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