Alessandro Del Piero (2.v.l.) verlässt nach 19 Jahren Rekordmeister Juventus Turin © getty

Juve gewinnt nach sechs Jahren wieder den Scudetto. Trainer Conte wird gefeiert. Del Piero erlebt ein Wechselbad der Gefühle.

Turin - Als die "Alte Dame" ihre sechsjährige Leidenszeit endlich hinter sich gebracht hatte, erlebte der ruhmreiche "alte Mann" ein Wechselbad der Gefühle.

"An diesen Erfolg habe ich von Anfang an geglaubt", sagte der sichtlich mitgenommene Alessandro Del Piero, der zwischen der Freude über den ersten Scudetto von Juventus Turin seit dem Zwangsabstieg 2006 und seiner Verbitterung über das unfreiwillige Ende seiner Ära beim italienischen Rekordmeister hin- und hergerissen war:

"Für mich ist das etwas ganz Besonderes."

Der mittlerweile 37 Jahre alte Del Piero muss sich noch mit seinem Abschied aus dem Piemont anfreunden.

Del Piero geht

Nach 19 Spielzeiten im schwarz-weiß gestreiften Trikot wird der Vertrag der Klub-Ikone nicht verlängert.

Der Verein, der 2006 als Folge eines Manipulationsskandals aus der Serie A verbannt worden war, verliert seinen Kapitän und seine große Symbolfigur.

Schließlich hatte der Weltmeister von 2006, der noch nicht aufhören möchte und deshalb auf Vereinssuche ist, auch in der Serie B dem nunmehr 28-maligen Meister die Treue gehalten.

Double möglich

Diese Verbundenheit hat sich nicht nur für Del Piero, der mit einem Sieg im Pokalfinale am 20. Mai in Rom gegen den SSC Neapel zum Abschied das Double gewinnen kann, ausgezahlt.

"Die Juve-Tifosi sind aus ihrem Albtraum erwacht. Eine sechs Jahre lange Nacht ist zu Ende gegangen", kommentierte die Turiner Sporttageszeitung "Tuttosport".

Und die "Gazzetta dello Sport" schrieb: "Sechs Jahre nach dem Sturz in die Hölle findet Juve mit unbestreitbarem Verdienst wieder die Schlüssel zum Paradies."

Milan patzt

Ins fußballerische Paradies gelangte Juventus schon einen Spieltag vor Saisonende.

Turin gewann 2:0 bei Cagliari Calcio (Bericht) und profitierte von der zeitgleichen 2:4-Niederlage des Verfolgers AC Mailand im Stadtderby bei Inter.

Die in dieser Spielzeit noch ungeschlagenen Turiner, denen die Titelgewinne im Jahr 2005 und 2006 aberkannt worden waren, durften bei vier Punkten Vorsprung vorzeitig die erste Meisterschaft seit 2003 feiern (DATENCENTER: Serie A).

"Resultat einer harten Arbeit"

Der Titel ist in erster Linie das Werk von Trainer Antonio Conte, der vor der Saison den glücklosen Luigi Del Neri abgelöst hatte.

"Mit seiner Arbeit hat Conti das Wunder vollbracht. Er ist der fantastische Anführer einer Mannschaft, die ihm voll vertraut hat und jetzt die Früchte harter Arbeit erntet", schrieb der "Corriere dello Sport" über den Coach.

"Dieser Erfolg ist das Resultat einer sehr harten Arbeit. Das ist mein erstes Jahr als Trainer einer großen Mannschaft, es war nicht einfach. Jetzt begreife ich, dass wir einen historischen Sieg feiern können", sagte Conte:

"Diese Mannschaft ist vor kurzem entstanden, sie ist in diesen Monaten kräftig gewachsen. Die Spieler haben mit Leidenschaft und Enthusiasmus gearbeitet."

Riesenfreude bei Buffon

Der Scudetto ist auch ein großer Erfolg für Klubchef Andrea Agnelli, der 2010 das Ruder des krisengeschüttelten Vereins übernommen hat.

Der 36 Jahre alte Neffe des legendären FIAT-Patriarchen Giovanni Agnelli hatte kräftig in den Neuaufbau der Mannschaft investiert und ist der vierte Präsident mit dem Namen Agnelli, der Juventus zum Scudetto verhilft.

Großen Grund zur Freude hatte auch Torhüter Gianluigi Buffon, der nach einer langen Verletzungsphase wieder Spitzenleistungen gezeigt hat.

"Dieser Titel ist für mich die größte Freude nach dem WM-Titel 2006", sagte der frühere Welttorhüter.

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