Ryan Giggs (r.) gewann mit Manchester United zweimal die Champions League © getty

Ryan Giggs wechselt sich bei seinem wohl letzten Heimspiel selbst ein. Debütant James Wilson lässt ihn große Taten ankündigen.

Von Jonas Nohe

München - Es war wie ein Treffen zwischen dem Vergangenen und dem Kommenden.

Der Ruhm zurückliegender Glanzzeiten blitzte noch einmal auf, gleichzeitig warf eine verheißungsvolle Zukunft schon einmal ihre Schatten voraus (DATENCENTER: Premier League).

Nüchtern betrachtet wahrte Manchester United am Dienstagabend mit dem 3:1 gegen Hull City (News) nur seine Minimalchancen auf die Teilnahme an der Europa League - und doch gab es an diesem Abend Außergewöhnliches zu bestaunen.

Giggs wechselt sich selbst ein

Ryan Giggs, mittlerweile 40 Jahre alter Dauerbrenner und inzwischen Spielertrainer von United, hatte sich in der 77. Minute selbst eingewechselt und zehn Minuten später das entscheidende 3:1 durch Robin van Persie mit einem präzisen Steilpass eingeleitet.

Es war ein emotionales Highlight bei seinem womöglich letzten Auftritt als Spieler im Old Trafford.

Noch mehr freute sich der Waliser allerdings darüber, dass er in seinem 632. Premier-League-Spiel ausgerechnet von einem Debütanten in den Schatten gestellt wurde.

Wilson feiert Traumdebüt

Mittelstürmer James Wilson war von Giggs ins kalte Wasser geschmissen worden und brachte Manchester mit einem Doppelpack auf die Siegerstraße.

"Ihr habt heute einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft bekommen", sagte Giggs nach dem Spiel noch im Trikot an die United-Fans gewandt: "Darum geht es in diesem Verein. Wir geben der Jugend eine Chance und versuchen immer, attraktiven Fußball zu spielen."

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In dieser Saison war es zuvor allerdings allzu oft beim Versuch geblieben.

Klägliches Scheitern unter Moyes

Mit vielen Vorschusslorbeeren und einem langfristigen Vertrag bis 2019 hatte der neue Trainer David Moyes im Sommer die Nachfolge von Klub-Ikone Sir Alex Ferguson angetreten - und scheiterte kläglich.

Einen Spieltag vor Saisonende in der Premier League beträgt der Rückstand des Vorjahresmeisters auf die Tabellenspitze satte 18 Punkte.

In den Pokalwettbewerben scheiterte United Anfang Januar binnen weniger Tage an Swansea City und dem FC Sunderland, in der Champions League erwies sich der FC Bayern im Viertelfinale als zu hohe Hürde.

Ende April war Moyes seinen Job wieder los, Giggs übernahm die im Profifußball ungewöhnliche Funktion als Spielertrainer.

"Ein schwieriges Jahr"

"Ich wollte euch ein großes Dankeschön von allen Spielern und dem gesamten Team für eure Unterstützung in diesem Jahr aussprechen", sagte Giggs am Dienstagabend mit Tränen in den Augen.

Er wisse, dass es "ein schwieriges Jahr" gewesen sei und dass "wir über die Jahre vom Erfolg verwöhnt waren."

Ob Giggs in der kommenden Saison in verantwortlicher Position daran arbeiten darf, dass die "Red Devils" an vergangene große Tage anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.

Van Gaal heiß gehandelt

Die Unterstützung der Anhänger wäre Giggs sicher, trotzdem gilt Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal als erster Kandidat für das Traineramt.

Auch das Spielerkarussell in Manchester dürfte sich im Sommer gewaltig drehen. Der zu Inter Mailand abwandernde Kapitän und Abwehrchef Nemanja Vidic wurde nach dem Sieg gegen Hull City von den Fans mit tosendem Beifall verabschiedet, weitere Abgänge könnten folgen.

Auf der anderen Seite werden täglich mögliche Neuzugänge wie die Bayern-Profis Toni Kroos und Thomas Müller gehandelt.

"Gute Zeiten werden wieder kommen"

Das erstmalige Verpassen der Champions League nach zuvor 18 Teilnahmen in Folge dürfte Uniteds Verhandlungsposition im Werben um die ganz großen Namen allerdings nicht gerade stärken.

Unter dem Eindruck der vielversprechenden Debüts des 18-jährigen Wilson und dem nur zwei Jahre älteren Tom Lawrence blickte Giggs dennoch optimistisch in die Zukunft.

"Manchmal gewinnen wir nicht, aber wir geben unser Bestes", beteuerte der Interimscoach und beendete seine emotionale Zwei-Minuten-Rede mit einem Versprechen an die eigenen Fans: "Unterstützt uns weiterhin und die guten Zeiten werden bald wieder kommen."

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