Für Felix Magath und den FC Fulham wird es eng. Bei SPORT1 spricht Magath über die Lage und den möglichen Abstieg.

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Von Marc Schäfer

London - Die Mission Klassenerhalt ist in großer Gefahr.

Zwei Spieltage vor dem Ende der Saison darf sich Felix Magath mit dem FC Fulham im Kampf gegen den Abstieg in der Premier League keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Auf Platz 19 trennt den Klub ein Zähler von einem Nicht-Abstiegsplatz. Der AFC Sunderland auf dem begehrten 17. Rang hat allerdings noch ein Spiel mehr auszutragen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sollte Fulham am Samstag bei Stoke City (ab 16 Uhr LIVESCORES) verlieren und Sunderland bei Manchester United gewinnen, ist der Abstieg der "Cottagers" besiegelt.

Bei SPORT1 spricht Magath über die Lage am Tabellenende, er verrät den Ansatz seiner Arbeit und äußert sich zu den Folgen eines möglichen Abstiegs.

SPORT1: In den letzten beiden Spielen müssen Siege her, um den Abstieg aus der Premier League zu vermeiden.

Felix Magath: Ja. Da wir im Verlauf der gesamten Saison nicht genügend Punkte gemacht haben, müssen wir jetzt gewinnen. Allerdings haben wir in den letzten vier Spielen gute sieben Punkte geholt, diese Leistung lässt uns zuversichtlich in die letzten beiden Partien gehen.

SPORT1: Hatten Sie damit gerechnet, dass sie das 2:0 gegen Hull City nach 75 Minuten noch aus der Hand geben könnten?

Magath: Ich weiß, wie gefährlich ein Zwei-Tore-Vorsprung ist. Sobald man das Gegentor kassiert, liegt der psychologische Vorteil beim Gegner. Eine Mannschaft, die am Tabellenende steht, verfällt dann in alte Muster. Wir sind wieder zurückgewichen und kassieren noch ein Tor. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Wenn die Punkte nach der ersten Halbzeit vergeben werden würden, stünden wir im Mittelfeld.

SPORT1: Erwischen Sie sich manchmal dabei, wie Sie anhand des Restprogramms einen möglichen Ausgang der Saison errechnen?

Magath: Nein. Diese Rechnerei bringt nichts. Es gibt immer wieder Überraschungen. Wer hätte gedacht, dass Sunderland in Chelsea gewinnt. Ein Ansatz meiner Arbeit ist, dass wir uns als Profis von solchen Emotionen lösen müssen. Wir können nicht mit was wäre wenn leben. Außerdem rechnet man es sich doch sowieso immer, wie man es gerne hätte.

SPORT1: Haben Sie befürchtet, dass Sie bis zum letzten Spieltag zittern müssen?

Magath: Als wir im ersten Spiel in West Bromwich noch den Ausgleich bekommen haben, wusste ich, das geht bis zum letzten Spieltag. In Wolfsburg hatte es damals auch so angefangen. Beim ersten Spiel in Stuttgart haben wir geführt, waren überlegen und haben in der 93. Minute das 1:1 bekommen. Auch damals ging es bis zur letzten Minute gegen den Abstieg.

SPORT1: Wo liegen die Probleme von Fulham?

Magath: Als ich im Februar kam, war die Mannschaft Tabellenletzter. Es lief also schon einiges schief. Die Verpflichtungen im Januar konnten die Situation auch nicht verbessern, weil im Januar die Entwicklung einer Mannschaft normalerweise abgeschlossen ist. Wenn man dann durch viele neue Spieler massiv in einen Verbund eingreift, ist die Gefahr groß, dass vieles durcheinander kommt. Für die neuen Spieler ist es außerdem schwer, eine Identifikation herzustellen. In den letzten Jahren wurde sicher auch nicht genügend in die Mannschaft investiert.

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SPORT1: Was macht Sie für den Endspurt dennoch zuversichtlich?

Magath: Wir haben uns in allen Bereichen verbessert - auch spielerisch. Wir sind jetzt in der Lage, ein Spiel offen zu gestalten und können Tore machen. Das ist neu. Am Anfang habe ich mich gefragt, ob wir überhaupt einen Stürmer brauchen. Wir sind ja sowieso nicht in den Strafraum gekommen. Jetzt muss der Gegner schon auf uns aufpassen. Wir sind stabiler. Leider passieren dann vor Aufregung bei dem einen oder anderen immer noch Fehler.

SPORT1: Sie sind noch nie abgestiegen. Wäre es ein Makel, wenn der Klassenerhalt nicht gelingt?

Magath: Es wäre selbstverständlich etwas, woran ich zu knabbern hätte. Aber ich hätte mich nicht für Fulham entschieden, wenn ich die Möglichkeit nicht in Betracht gezogen hätte. Ich bin nicht gekommen, um den Klub nur vor dem Abstieg zu retten, sondern um ihn gemeinsam mit dem Eigentümer Shahid Khan wieder nach oben zu führen. Natürlich würde ich das lieber vom Tabellenende der Premier League machen als aus der Zweiten Liga. Insofern hätte ich mit dem Abstieg natürlich meine Probleme. Ich bin aber nicht überrascht, dass es ist, wie es ist. Noch haben wir eine Chance. Aber auch wenn wir absteigen sollten: Ich bereue keine Minute und bin überzeugt, dass wir in Zukunft eine konkurrenzfähige Mannschaft entwickeln.

SPORT1: Haben Sie alles richtig gemacht?

Magath: Wenn man sein Ziel nicht erreicht, hat man Fehler gemacht. Auch ich. Es gibt Dinge, die sich noch grundlegend ändern müssen, dafür fehlt augenblicklich die Zeit. Im Abstiegskampf muss man zugunsten der Kurzfristigkeit manchmal gegen seine Überzeugung entscheiden.

SPORT1: Ashkan Dejagah ist unter Ihnen aufgeblüht und war mit vier Treffern für den Aufschwung mitverantwortlich.

Magath: Ich hatte schon in Wolfsburg ein gutes Verhältnis zu ihm. Er hat neue Hoffnung geschöpft und zahlt dieses Vertrauen zurück. Er schießt ja fast jedes Mal ein Tor. Ashkan wird auch in Zukunft wichtig für uns sein. Er hat Fähigkeiten, mit denen er auch in momentan besseren Mannschaften spielen könnte.

SPORT1: Würde er auch in der Zweiten Liga in Fulham bleiben?

Magath: Davon gehe ich aus. Er hat wie ich einen Vertrag über das Saisonende hinaus. Alle, die unter Vertrag sind, sollten bleiben, denn falls wir absteigen, wäre natürlich der sofortige Wiederaufstieg das Ziel. Deswegen werden wir auch nicht jedem Rechnung tragen, der den Verein verlassen will, obwohl ich grundsätzlich nicht gern mit Spielern arbeite, die sich nicht mit dem Verein identifizieren. An dieser Identifikation müssen wir hier noch hart arbeiten.

SPORT1: Hatten Sie in der neuen Liga auch Anpassungsschwierigkeiten?

Magath: Natürlich kannte ich die Premier League nicht so gut wie die Bundesliga. Aber ich konnte mich immer anpassen. Inzwischen bin ich hier zu Hause. Ich wollte immer in einer anderen Liga arbeiten und bin nun in der besten Liga der Welt angekommen. Hier zu arbeiten sehe ich als Privileg, ein Traum für jeden Spieler und Trainer.

SPORT1: Für Trainer ist die Sprache ein wichtiges Mittel. Haben Ihre Fremdsprachenkenntnisse die Arbeit beeinflusst?

Magath: Fulham hat fast mehr fremdsprachige als englischsprachige Spieler im Kader, darunter auch Spieler die deutsch sprechen. Fußballsprache ist universell. Ich konnte mich immer ausreichend verständlich machen. Es kann sein, dass ich hie und da mal ein falsches Wort benutzt habe. Daran arbeite ich, um in der nächsten Saison noch besser zu werden.

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