Nicolas Anelka sorgt mit seiner umstrittenen Geste beim 3:3 gegen West Ham United für einen Eklat. Der "Quenelle"-Gruß, den Anelka nach seinem Tor zeigt, wird in Frankreich mit Antisemitismus in Verbindung gebracht. Bekannt gemacht hat die Geste der Komiker Dieudonne, der Gruß sei auch nur seinem persönlichen Freund gewidmet gewesen, rechtfertigt sich Anelka
Nicolas Anelka erzielte gegen West Ham United einen Doppelpack © getty

Das Enfant terrible versucht seinen Skandal-Gruß mit Obama und Jay Z zu rechtfertigen. Skandal-Komiker Dieudonne feiert ihn.

West Bromwich/Berlin - Nach seiner umstrittenen Geste war bei Nicolas Anelka von Reue keine Spur.

Im Gegenteil: Der unter Antisemitismus-Verdacht stehende ehemalige französische Nationalstürmer versuchte sogar den US-Präsidenten Barack Obama als Rechtfertigung zu benutzen.

Doch das misslang völlig.

Obama als Ablenkung

Nach dem umstrittenen "Quenelle-Gruß" im Spiel seines Klubs West Bromwich Albion bei West Ham United (3:3) veröffentlichte der 34-Jährige beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto Obamas, das diesen offenbar ebenfalls bei der Geste zeigen sollte.

Nur: Es stimmte nicht. Stattdessen zeigt das Bild offensichtlich die typische Bewegung zum Jay-Z-Hit "Dirt off your shoulder".

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Ein weiterer Fauxpas des Franzosen, dem nach übereinstimmenden Medienberichten eine Sperre durch den englischen Fußball-Verband FA droht. (DATENCENTER: Premier League)

Anelka verteidigt sich

So ganz konnte Anelka die Aufregung auch am Sonntag Nachmittag nicht verstehen.

"Die Geste hat nichts mit Religion zu tun, sondern geht gegen das System. Die Leute sollten den Medien nicht alles glauben, ich bin weder Rassist noch Anti-Semit", schrieb er bei Twitter.

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Diskussionen um den "umgekehrten Hitlergruß"

In seinem Heimatland sorgte Anelka, ohnehin schon als Enfant terrible verschrien, für gehörige Aufregung und heizte die gesellschaftliche Debatte um den umstrittenen Gruß - eine Hand auf den ausgestreckten anderen Arm - weiter an.

Denn die vom Komiker Dieudonne, einem Freund Anelkas, erfundene Geste erhitzt in Frankreich seit Monaten die Gemüter.

Dabei reichen die Interpretationen des "umgekehrten Hitlergrußes" von "gegen das Establishment gerichtet" bis eben hin zu "antisemitisch". Zuletzt waren zwei französische Soldaten wegen des Grußes bestraft worden.

Ministerin empört, Trainer verteidigt Anelka

Frankreichs Sportministerin Valerie Fourneyron sprach bei Twitter von einer "schockierenden Provokation", der Europäische Jüdische Kongress (CJE) verurteilte die Aktion aufs Schärfste.

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Bromwichs Interimstrainer Keith Downing erklärte allerdings nach dem Spiel, Spekulationen über einen antisemitischen Hintergrund der Aktion seien "Müll".

Und stand damit aber ziemlich alleine da. "Ekelhaft", titelte der "Sunday Telegraph".

Dieudonne Symbolfigur der Rechten

Ohnehin machte es der Verweis auf die Freundschaft mit Dieudonne auch nicht besser.

Der ehemals linke Komiker gilt mittlerweile in Frankreich als eine neue Symbolfigur der extremen Rechten und wurde bereits mehrmals wegen antisemitischer Äußerungen verurteilt.

Erst vor wenigen Tagen hatte er einen jüdischen Radiomoderator mit allzu deutlichen Anspielungen auf den Holocaust beleidigt.

Regierung prüft Maßnahmen

Das französische Innenministerium erklärte daraufhin am Freitag, dass es prüfe, wie es weitere Auftritte Dieudonnes verhindern könne.

Auch vor diesem Hintergrund ist der Auftritt Anelkas mehr als fragwürdig, zumal im Internet weitere Fotos von Anelka mit dem "Quenelle-Gruß" kursieren.

Dieudonne feiert Anelka

Dieudonne meldete sich am Sonntag zu Wort und gratulierte Anelka zu dessen Geste.

"Bravo Anelka für deinen Quenelle. Grandios! Und vielen Dank für deine Unterstützung", twitterte der umstrittene Komiker zur Geste - und verwies erneut darauf, dass diese nicht antisemitisch sei.

Dem widersprach allerdings der Rechtsextremismus-Experte Jean-Yves Camus in der Zeitung Liberation: "Die Geste ist ein Identifizierungscode und gewinnt unter jungen Menschen immer größere Popularität. Allerdings ist nicht sicher, ob jeder um die Bedeutung weiß", sagte Camus.

Die Anhängerschaft Dieudonnes, so der Wissenschaftler, sei vielschichtig und gegen das System gerichtet. Die gemeinsame Basis bilde allerdings der Antisemitismus.

Sakho "reingelegt", Simunic gesperrt

Auch Liverpools Abwehrspieler Mamadou Sakho hatte sich vor einigen Wochen mit dem Komiker und in umstrittener Pose fotografieren lassen.

Allerdings distanzierte er sich im Gegensatz zu Anelka wenig später davon und erklärte, er sei "hereingelegt worden".

Erst kurz vor Weihnachten war der kroatische Nationalspieler und ehemalige Bundesliga-Profi Josip Simunic vom Weltverband FIFA wegen eines faschistischen Grußes für zehn Spiele gesperrt.

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