Gerhard Tremmel wurde in der Jugend des FC Bayern ausgebildet
Gerhard Tremmel besitzt bei Swansea City einen Vertrag bis Juni 2015 © getty

Vor dem Ligapokal-Finale spricht Swansea-Keeper Tremmel über den Erfolg der Waliser, Nervosität und Angebote aus der Bundesliga.

Von Thorsten Langenbahn

München - "G". Einfach "G". So wird Gerhard Tremmel im Team von Swansea City genannt.

"G" wie Gerhard. Oder "G" wie the German. Wie man will.

Am Sonntag (17 Uhr LIVESCORES) steht "G" mit den Walisern im Londoner Wembleystadion im Finale des englischen Ligapokals gegen Favoritenschreck Bradford City (DATENCENTER: League Cup).

Und Tremmel ist dabei gesetzt. Für den Pokal hat ihm Trainer Michael Laudrup eine Einsatzgarantie gegeben.

Seit anderthalb Jahren in Wales

125 Bundesliga-Spiele bestritt Tremmel für die SpVgg Unterhaching, Hannover 96, Hertha BSC und Energie Cottbus, war ein Jahr lang bei Red Bull Salzburg, ehe er im Sommer 2011 bei Swansea anheuerte.

Der Pokalsieg wäre für den 34-Jährigen die vorläufige Krönung einer Karriere, in der er häufig gegen den Abstieg kämpfte.

Im SPORT1-Interview spricht Tremmel über die ungewohnte Favoritenrolle der Waliser, die Nervosität vor seinem ersten Finale und Angebote aus der Bundesliga.

SPORT1: Herr Tremmel, sind Sie nervös?

Gerhard Tremmel: Nein. Eigentlich nie gewesen. Die Anspannung steigt zum Spiel hin, aber nervös bin ich nicht.

SPORT1: Es geht immerhin ins Wembleystadion.

Tremmel: Mein Traum war es immer, in England zu spielen, aber nicht speziell im Wembleystadion. Aber natürlich freue ich mich total darauf. Es ist ein super Stadion und es wird dort eine fantastische Atmosphäre herrschen.

SPORT1: Was ist in der Vorbereitung auf so ein Finale anders?

Tremmel: Die Trainingswoche ist ganz normal verlaufen. Aber man merkt schon, dass das Umfeld sehr aufgeregt ist und die Fans es kaum erwarten können. Das Endspiel ist nicht nur für die Mannschaft und mich eine große Sache, sondern vor allem für den Verein und die Fans.

SPORT1: Ist es der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Tremmel: Es ist auf jeden Fall das größte Spiel meiner Karriere. Ich habe zuvor noch nie in einem Pokalfinale gestanden ? und jetzt auch noch in der besten Liga.

SPORT1: Wie stehen Swanseas Chancen, den Cup am Ende zu holen?

Tremmel: Ich denke gut. Wir müssen die Favoritenrolle annehmen. Alles andere würde uns gegen einen Viertligisten auch keiner abkaufen. Aber wir können damit gut umgehen. Jeder weiß um die Bedeutung des Spiels. Aber man weiß ja nie ?

SPORT1: Was macht Bradford City trotz des Klassenunterschieds zu einem gefährlichen Gegner?

Tremmel: Sie haben Wigan, Arsenal und Aston Villa bezwungen. Scheinbar können sie sich gegen große Mannschaften sehr gut motivieren. Es wird ein gefährliches Spiel.

SPORT1: Normalerweise ist Swansea der Underdog ?

Tremmel: Jein. Wenn wir in der Liga gegen große Mannschaften wie Manchester United oder ManCity spielen, dann sind wir der Underdog. Aber in Spielen gegen West Bromwich, Norwich, Reading oder Aston Villa sind wir auf Augenhöhe. Da ist nicht klar, wer der Favorit ist. Wir haben in der Saison schon alle Facetten gezeigt: Wir können die Underdogrolle annehmen, dann spielen wir defensiver und kontern. Aber wir haben auch kein Problem damit, selbst das Spiel zu gestalten. Es zeichnet uns aus, dass wir mit dem Ball sehr gut sind (Roarrr - Premier League Highlights: Immer Mo., ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

SPORT1: Klingt alles andere als nach klassisch britischer Spielweise.

Tremmel: Wir spielen überhaupt nicht britisch. Wir haben einfach nicht die Spieler dazu. Den meisten Mannschaften in der Premier League fühlen wir uns körperlich unterlegen, deshalb müssen wir den Ball am Boden halten.

SPORT1: Erst kürzlich haben Sie Ihren Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert. Haben Sie bei Swansea endlich Ihr Glück gefunden?

Tremmel: Für mich persönlich habe ich hier schon ins Schwarze getroffen. Wenn ich regelmäßig spielen würde und Nummer eins wäre, wäre das natürlich alles noch schöner. Aber der Klub passt zu mir. Es arbeiten unglaublich nette Menschen rund um den Klub, Fans und Mannschaft sind super, wir spielen in einer Topliga und haben eine tolle Entwicklung hingelegt, an der ich teilhaben kann ? es passt alles. Deswegen war es am Ende auch klar, dass ich verlängere.

SPORT1: Gab es andere Optionen?

Tremmel: Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, in Deutschland bei einem großen Bundesligaklub für drei Jahre zu unterschreiben.

SPORT1: Als zweiter Torhüter.

Tremmel: Ich denke, es wäre in die Richtung gegangen. Ich bin 34 Jahre alt. Mit 34 ist man bei vielen deutschen Managern gar nicht mehr auf dem Spielerbogen ? traurig, aber wahr. Das wäre ab Sommer auch eine sehr gute Option gewesen, aber zum jetzigen Zeitpunkt konnte ich das hier nicht aufgeben.

SPORT1: Wie lange wollen Sie noch spielen?

Tremmel: So lange es mir Spaß macht, ich ein Ziel vor Augen und das Gefühl habe, dass ich meine Leistung voll abrufen kann, mache ich weiter. Körperlich bin ich topfit. Wenn ich zurückdenke: Als ich 25 war, da war ich nicht so fit. Mein Körper hat sich im Laufe der Jahre immer besser an das Training angepasst. Ich spüre jedenfalls noch keinen Verschleiß.

SPORT1: Ihr Tipp fürs Ligapokalfinale?

Tremmel: Kann ich nicht sagen. Ich will einfach nur gewinnen und am Ende diesen Pokal in die Höhe stemmen. Am liebsten nach 90 Minuten. Unnötig spannend brauchen wir?s nicht zu machen.

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